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StartseiteForschung aktuellTeuer und vorschnell15.11.2007

Teuer und vorschnell

Vorwürfe gegen die Impfung gegen das Humane Papillomavirus

Medizin. – Seit einem Jahr ist in Deutschland die Impfung gegen das Humane Papillomavirus möglich, das für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich ist. Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut in Berlin empfiehlt die Immunisierung zum Schutz gegen Krebs. Doch es regt sich auch Widerstand.

Von William Vorsatz

Die Impfungen gegen das Humane Papillomavirus sind umstritten. (AP)
Die Impfungen gegen das Humane Papillomavirus sind umstritten. (AP)

Humane Papillomaviren, werden beim Geschlechtsverkehr übertragen. Und zwar ziemlich oft. Sieben von zehn Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal damit. Die Gynäkologin Dr. Edith Bauer vom Arbeitskreis Frauengesundheit in Berlin relativiert allerdings:


"Im Normalfall bedeutet das gar nichts, weil diese Virusinfektionen unbemerkt verlaufen, ganz selten überhaupt irgendwelche Symptome machen, und bei einer guten Immunabwehr wieder problemlos und folgenlos ausheilen."


Es gibt circa 100 verschiedene Typen von HPV. Mindestens 16 davon gelten jedoch als riskant und können zu kritischen Gewebeveränderungen führen. Die Impfung mit Gardasil schützt gegen vier davon. Darunter gegen die am häufigsten vorkommenden Typen 16 und 18.


"Die Pharmaindustrie, die produzierenden Firmen, verkünden ja im Zusammenhang mit der HPV-Impfung, das sei ein Durchbruch in der Krebsprävention. Das ist im großen Maße irreführend."

Professor Rolf Rosenbrock ist Leiter der Forschungsgruppe Public Health am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Die Impfung sei viel zu schnell eingeführt worden, die Beweise für den Schutz seien nicht stichhaltig. und die Risiken bislang ungeklärt, fasst er die Argumente der Kritiker zusammen:

"In der Tat. Man muss ohnehin feststellen, dass die Studienlage bei der Zulassung dieser Impfstoffe außergewöhnlich dünn war, und sich die Fachwelt fragt, wie die Ständige Impfkommission auf Basis dieser Studienergebnisse so zügig ihr Plazet gegeben hat."

Ungewöhnlich vor allem, weil es sich um ein prophylaktisches Medikament handelt. Dort gelten normalerweise strengere Maßstäbe als bei therapeutischen Arzneien. Der Muttermundhalskrebs ist in Deutschland dank Früherkennung relativ selten. Rund 6000 Neuerkrankungen pro Jahr, unter zwei Prozent der an Krebs sterbenden Frauen haben Gebärmutterhalskrebs. In ärmeren Teilen der Welt, sieht es schlechter aus. Vor allem, weil die Früherkennung von Krebs nicht so gut funktioniert. Von dort aber würden die Daten zur Wirksamkeit der Impfung stammen, betonen die Kritiker, sie seien auf Deutschland so nicht übertragbar. Rosenbrock:

"Die Impfung schaltet zwei aggressive Krebstypen aus, andere aber eben nicht. Und diese aggressiven Virustypen, die durch die Impfung ausgeschaltet werden sollen, erklären halt maximal 70 Prozent der Neuerkrankungen. Diese Zahlen werden mittlerweile übrigens auch bezweifelt, es wird darauf hingewiesen, dass diese Informationen von Frauen in der Dritten Welt stammen, und dass der Anteil der Krebsfälle, die durch die Impfung in Deutschland und Mitteleuropa verhindert werden könnte, sehr viel niedriger liegen kann."

Auf fast 500 Euro summieren sich die Kosten für die drei Spritzen. Doppelt so viel, wie für die vollständige Impfung gegen acht Kinderkrankheiten. Schon jetzt zahlen die Krankenkassen dafür in Deutschland monatlich 25 Millionen Euro. Der Hersteller garantiert dafür jedoch lediglich einen Schutz für fünf Jahre. Längere Studien gibt es noch nicht. Als idealer Zeitpunkt für die Impfung gilt die Lebensphase vor dem ersten Geschlechtsverkehr, also bevor eine Ansteckung stattgefunden hat. Was aber, wenn eine Frau schon vor der Impfung infiziert ist? Frauenärztin Bauer:

"Es gibt Anzeichen dafür, dass Frauen, die mit dem Virus infiziert sind, vor allem, wenn sie akut infiziert sind, dass die sogar einen größeren Schaden davontragen, was Zellveränderungen angeht. Es gibt Studien, die also Hinweise darauf geben, dass offenbar Frauen, die infiziert sind, empfindlicher sind und auf diese Impfungen nicht mit Antikörpern reagieren, sondern mit Zellveränderungen reagieren."

Und weil die Impfung nur gegen bestimmte Virustypen wirkt, befürchten Skeptiker, dass sich an die Stelle der ausgeschalteten Viren im Gebärmutterhals andere, ebenfalls gefährliche Virentypen ansiedeln könnten.

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