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Teurer Fehlkauf beim Renovieren

Bei Warenrückgabe dürfen Handwerker Rückgabe- und Stornokosten verlangen

Von Annette Eversberg

Wer eine Tapete beim Handwerker bestellt und später umtauschen möchte, muss oft Stornokosten bezahlen
Wer eine Tapete beim Handwerker bestellt und später umtauschen möchte, muss oft Stornokosten bezahlen (Tabea Weitz)

Eine Renovierung ist aufwendig und kann teuer werden. Wer Tapeten, Fliesen oder eine neue Badewanne beim Handwerker bestellt und sie dann zurückgeben möchte, zahlt unter Umständen sogar noch drauf.

Wer renoviert, hat sich vorher die entsprechenden Angebote eingeholt. Tapeten, Fliesen oder das Waschbecken und der WC-Sitz sind ausgesucht, die Kosten ermittelt. Wer dann zu der Ansicht kommt, die Tapete sollte lieber blau statt grün sein, das Waschbecken besser eckig als rund, hat ein Problem. Der Umtausch ist zwar machbar, doch oft nicht umsonst. Handwerker dürfen Rückgabe- oder Stornokosten verlangen. Yvona Husemann ist Rechtsanwältin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

"Es ist halt so, dass, wenn man einen Kaufvertrag eingeht, beide Seiten daran gebunden sind. Das bedeutet, dass Sie als Käufer die Sache abnehmen müssen, und der Verkäufer bekommt von Ihnen im Gegenzug das Geld, wenn er die Ware liefert. Und wenn die Ware soweit in Ordnung ist, ist das Rechtsgeschäft damit abgeschlossen. Und deshalb müssen sie dann zum Beispiel 20 Prozent Stornokosten bezahlen."

Der Handwerker kann das Geld meist nicht für sich behalten, denn auch Handel oder Produzenten verlangen oft eine Entschädigung, wenn sie Ware zurücknehmen. 15 bis 25 Prozent kann es den Maler kosten, wenn er Tapeten zurückgeben muss, so Werner Loch, Geschäftsführer des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz. Auch der Klempner muss bezahlen, wenn er eine Badewanne bei Nichtgefallen einfach zurückgibt. Jens Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft VDS:

"Dann ist das sicherlich darin begründet, dass die Originalverpackung aufgerissen ist, und auch, dass der Betrieb nicht mehr einfach so weiterverkaufen kann."

Solche Stornokosten wurden früher nur selten verlangt. Doch die Produktionsweise hat sich geändert. Jens Wischmann:

"In der Frühzeit, als noch größere Lagerbestände irgendwo auch waren, hat man gesagt, o.k. das ist auf Kulanz. Ich übernehme das einfach."

Heute wird oft für den Einzelfall oder in kleinen Serien produziert. Der Handwerker würde unter Umständen auf der Ware sitzen bleiben. Anders beim Internetkauf. Da kann man Waschbecken, Fliesen oder Tapeten in der Originalpackung durchaus zurückgeben, sagt Verbraucherschützerin Yvona Husemann:

"Man geht davon aus, dass sich der Kunde die Ware ja nicht vorher anschauen konnte, wie in einem Ladengeschäft möglich ist, deswegen gilt das 14-tägige Widerrufsrecht. Das heißt, sie können sich das Waschbecken anschauen, gucken, ob es in Ihr Bad passt, und wenn es Ihnen nicht gefällt, gegebenenfalls zurückschicken."

Trotzdem kann man auch gegenüber dem Handel und dem Handwerker Rückgabekosten vermeiden - auch wenn es anders als beim Internethandel keine gesetzliche Regelung gibt. Stornokosten können, aber müssen nicht erhoben werden. Wer vor Vertragsabschluss seine Renovierung zunächst sorgfältig plant, und sich vom Handwerker umfassend informieren lässt, verringert das Risiko.

Maßnehmen sollte man – ob bei Tapeten, Fliesen oder dem Einbau von Türen – auf jeden Fall dem Handwerker überlassen, denn der haftet dann für die Richtigkeit seiner Messung. Außerdem gibt es durchaus die Möglichkeit, Parkett oder Fliesen zur Ansicht zu bestellen. Yvona Husemann:

"Wenn man etwas nur zur Ansicht bestellt, dann ist sowohl dem Kunden als auch dem Handwerker klar, dass noch kein Kaufvertrag geschlossen werden soll. Denn der Kaufvertrag ist ja für beide Seiten bindend."

Jens Wischmann rät bei Sanitäranlagen sogar zu klären:

"Gibt es die Möglichkeit, bestimmte Produkte mal testweise irgendwo entweder woanders sich anzuschauen, auszuprobieren oder im eigenen Haus zu installieren? Gegebenenfalls gibt es das für einzelne Produkte."

Auf jeden Fall sollte man im Vorfeld mit dem Handwerker klären, ob überhaupt Rückgabekosten entstehen und sich danach entscheiden.

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