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Seit 19:05 Uhr Kommentar
StartseiteUmwelt und VerbraucherUnternehmen in der Pflicht18.07.2014

TextilindustrieUnternehmen in der Pflicht

Nach dem Brand in einer Textilfabrik in Pakistan im September 2012 schloss der Discounter KiK eine Vereinbarung, in der auch Langzeitentschädigungen für die Opfer und Hinterbliebenen vorgesehen waren. Wie die aussehen sollen, ist aber offenbar immer noch nicht klar.

Von Dieter Nürnberger

Ein pakistanischer Polizist steht vor der ausgebrannten Textilfabrik in Karachi, in der bei einem Feuer am 14. September 2012 fast 290 Menschen ums Leben kamen. (AFP PHOTO / Asif Hassan)
Ein pakistanischer Polizist steht vor der ausgebrannten Textilfabrik in Karachi, in der bei einem Feuer am 14. September 2012 fast 290 Menschen ums Leben kamen. (AFP PHOTO / Asif Hassan)
Weiterführende Information

Zwischen Profit und Nachhaltigkeit (Deutschlandfunk, Hintergrund, 08.12.2012)

Lebensgefahr in XXL (DRadio Wissen, Globus, 06.12.2012)

Fakt ist, dass vor zwei Tagen hier in Berlin weitere Verhandlungen stattfanden. Allerdings ist derzeit nicht klar, mit welchem Ergebnis gibt. Zumindest widersprechen sich hier die Interpretationen beider Seiten.

Vorab: Das Unternehmen KiK hat bereits eine Million US-Dollar an Soforthilfe für die Opfer und Hinterbliebenen der Brandkatastrophe in Karachi zugesagt und auch geleistet. Die rechtlich bindende Vereinbarung zwischen dem Textildiscounter KiK und Piler, der pakistanischen Arbeitsrechte-Organisation - geschlossen drei Monate nach dem Vorfall - sieht aber neben der Soforthilfe auch Langzeit-Entschädigungen vor. Und darüber wurde nun vor zwei Tagen verhandelt. Die Kampagne für saubere Kleidung hatte heute vormittag denn auch Faisal Siddiqi eingeladen, einen Rechtsanwalt der Betroffenen. Und dieser sagte, dass KiK derzeit nicht bereit sei, weitere Zahlungen zu leisten:

"In den Verhandlungen zeigte sich, dass KiK der Meinung ist, schon alle Verbindlichkeiten des Vertrages erfüllt zu haben. Sie haben gesagt, weitere Schritte seien nicht zu diskutieren, es gebe keine weiteren Verbindlichkeiten. Das ist die Position von KiK."

Wir haben natürlich anschließend auch das Unternehmen KiK um eine Stellungnahme gebeten. Zwar wollte man sich nicht vor dem Mikrophon äußern, doch schriftlich teilt das Unternehmen mit, dass sie diese Darstellung des Opferanwaltes nicht nachvollziehen kann. Man habe mit Vertretern der pakistanischen Organisation Piler sehr konstruktive Gespräche geführt, es sei zudem Vertraulichkeit vereinbart worden.

KiK-Kommunikationschefin Beatrice Volkenandt sagt, dass das Unternehmen zur Vereinbarung vom Dezember 2012 stehe. Und, dass man durch die Zahlung von einer Million Dollar - so wörtlich – "sowohl zur kurzfristigen als auch zur langfristigen Unterstützung der Betroffenen bereits einen anteiligen Beitrag geleistet habe".

Auch andere Unternehmen in der Pflicht

Richtig sei aber, dass beim Treffen vor zwei Tagen keine weiteren Summen für die Langzeit-Entschädigung vereinbart worden seien. KiK setze nun darauf, dass künftig weitere Hilfen von einer breiteren Allianz getragen und auch ermittelt werden sollen.

Daraus hört man, dass das geführte Gespräch doch sehr unterschiedlich interpretiert wird.

Für Frauke Banse von der Kampagne für saubere Kleidung, eine Organisation, die sich für die Verbesserung von Arbeitsbedingungen bei der internationalen Textilproduktion einsetzt, zeigt der Fall, dass sich Unternehmen deutlich mehr als bisher ihrer Verantwortung für unmenschliche Arbeitsbedingungen vor Ort vor allen in armen und den Schwellenländern stellen müssten. Bei der Brandkatastrophe in Karachi im September 2012 kamen über 250 Menschen ums Leben:  

"KiK selber sagt, sie hätten dort 75 Prozent an Waren bezogen. Wir haben Nachforschungen angestellt. Wir haben viele Hinweise, dass KiK über längere Zeit der einzige Abnehmer der Waren in dieser Fabrik war. Insofern trifft hier KiK eine besondere Schuld, sie haben eine besondere Verantwortung, der sie nachzukommen haben. Gleichzeitig sind hier aber auch die Zertifizierungsunternehmen SAI und Rina im Visier. Die nämlich die Fabrik noch kurz vor dem Brand als sicher zertifiziert haben. Dabei haben sie wesentliche Dinge übersehen: Beispielsweise, dass das Unternehmen, welches hier Brandschutzübungen durchführen sollte, gar nicht existierte.  

Die Organisation Kampagne für saubere Kleidung arbeitet in vielen Ländern mit Gewerkschaftsvertretern zusammen, um gerechte und humane Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Der Fall KiK sei hier nur ein Beispiel für katastrophale Bedingungen vor Ort - es betreffe durchaus auch viele Unternehmen, die höherpreisige Textilien auf dem deutschen Markt anbieten würden.

Der Kampagne geht also darum, unmenschliche Arbeitsbedingungen an den Pranger zu stellen, zudem oft nicht durchschaubare Lieferketten, Handelsbeziehungen etc. transparenter zu machen. Damit Fälle wie die Brandkatastrophe in Karachi 2012 künftig vermieden werden können. 

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