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StartseiteSport am WochenendePferde helfen heilen07.05.2016

Therapeutisches ReitenPferde helfen heilen

Mehr als 100 Pferde an 40 Orten in Deutschland machen sich auf den Weg – zu einem Spendenritt. Ziel: das therapeutische Reiten bekannt zu machen und Geld zu sammeln, damit Menschen mit Handicap die Therapie mit Pferden möglich gemacht wird. „Pferde helfen heilen“, davon ist auch der Förderverein therapeutisches Reiten am Niederrhein überzeugt.

von Andrea Schültke

(Andrea Schültke)
Miriam und ihre Eltern beim therapeutischen Reiten (Andrea Schültke)

Zwischen Feldern und Wiesen liegt ein Reiterhof. Pferde stehen zusammen und gucken neugierig herüber. Ein Reitplatz liegt in der Sonne. Die 10jährige Miriam und das Pony Santos sind startklar. In der Mitte des Platzes steht Reitpädagogin Ute Slojewski und erklärt: "Dann starten wir mal an der Longe. Wenn Du möchtest, darfst Du anfangen mit Leichttraben." Um Ute Slojewski herum dreht Pony Santos seine Kreise mit Miriam. Die 10jährige ist ein besonderes Kind.

"Man nennt das Autismusspektrumsstörung, eine Form von Autismus. Sie liebt Pferde, sie liebt Tiere mehr als Menschen, sie fühlt sich von den Tieren angenommen wie sie ist mit ihren Schwierigkeiten. Sie nennt ihre Schwierigkeiten auch Hürden, passend zum Pferdesport." erklärt Regine Herpich. Sie und ihr Mann Sascha bringen Miriam einmal pro Woche hierher. Zu Amistad, dem Zentrum für therapeutisches Reiten in Straelen am Niederrhein.

Dort arbeitet Ute Slojewski. Sie sagt: "Für uns ist das jetzt hier eine wichtige Förderung in Richtung Körperkoordination, Motorik Ausdauerfähigkeit, Konzentration. Das Traben und Leichttraben eignet sich sehr gut dafür, dass man Rhythmus erlernt eine Struktur erlernt...."

Leichtere Kommunikation mit dem Tier

Miriam wirkt keck, fröhlich und aufgeweckt. Natürlich kennt sie ihren Namen und den von Santos. Aber sagen kann sie ihn nicht. Aufschreiben wäre kein Problem. Nur eine der vielen Hürden, die ihre Tochter zu bewältigen hat, erzählt Regine Herpig. Ihr Mann Sascha ergänzt: "Autisten haben ja Schwierigkeiten, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und auch adäquat zu reagieren. Das heißt, die soziale Interaktion mit anderen Menschen ist für Miriam total schwierig."

(Andrea Schültke)Eltern, Patientin und Team beim therapeutischen Reiten am Niederrhein (Andrea Schültke)

Miriam hat sich im Sattel nach vorn gebeugt, liegt auf dem Hals des Ponys. Die Kommunikation mit Santos fällt ihr viel leichter. Ihn kann sie ohne Probleme streicheln, mit ihm kuscheln. Am Rande des Platzes steht Nicole Uphoff-Selke. Die viermalige Dressur-Olympiasiegerin ist zweite Vorsitzende des Fördervereins für therapeutisches Reiten am Niederrhein. Der Verein unterstützt die Reittherapie für Kinder wie Miriam hier bei Amistad. Denn keine Krankenkasse zahlt dafür.

Nicole Uphoff sagt: "Wenn jetzt zum Beispiel jemand Schritt ritt hab ich gesagt, die reiten ja nur Schritt. Und irgendwann nach einer halben Stunde habe ich gesehen, wie sich ihr kompletter Körper auf dem Pferd während des Schritt Reitens änderte. Es kam Spannung rein, plötzlich waren beide Beine gleichmäßig. Und dieses, wir nennen es immer "Medium Pferd" kann soviel bewirken, was die körperliche Mobilität angeht und psychologisch."

Irgendwann eine Hobby- und Freizeitreiterin

Miriam ist immer noch begeistert auf Santos unterwegs. Seit zweieinhalb Jahren unterstützt der Förderverein ihre Reittherapie. Anfangs als sie hier war, sprach Miriam nur mit den Pferden, über die Tiere kommunizierte sie. Heute erklärt sie selbst, was sie gerade macht: "Reiten halt. Galopp, Trab und Schritt und so weiter."

Irgendwann wird aus der pferdebegeisterten Miriam eine Hobby- und Freizeitreiterin werden, eine Breitesportlerin. Davon ist Reittherapeutin Ute Slojewski überzeugt. Dann hat sie ganze Arbeit geleistet. Und ihre sieben Therapiepferde natürlich. Mit viel Geduld macht die Ausbilderin aus dem Tier mit Fluchtinstinkt ein gelassenes Pferd,  auch dann – wenn ihm ein Ball entgegen fliegt und jedes andere Pferd das Weite suchen würde.

Pony Santos hält kurz an, beißt ins Mikrofon. Miriam auf seinem Rücken wirkt entspannt.

Das gesamte Gespräch können Sie mindestens sechs Monate lang in unserer Mediathek nachhören.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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