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StartseiteKommentare und Themen der WocheAlles andere als ein Traumpaar31.12.2017

Theresa May und Donald TrumpAlles andere als ein Traumpaar

Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten und das EU-Austrittsvotum der Briten werden gern als Auswüchse desselben populistischen Trends gedeutet. Dabei seien Trump und die britische Premierministerin Theresa May grundverschieden, kommentiert Friedbert Meurer. Wo der eine zu viel Richtung vorgebe, gebe die andere zu wenig vor.

Von Friedbert Meurer

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Theresa May zu Besuch bei Donald Trump (Olivier Douliery / dpa)
Halten zwar Händchen, könnten aber eigentlich verschiedener nicht sein: die britische Regierungschefin Theresa May und US-Präsident Donald Trump (Olivier Douliery / dpa)
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Das Bild war auf allen Titelseiten der britischen Zeitungen. Donald Trump und Theresa May gehen Händchen haltend zur gemeinsamen Pressekonferenz im Weißen Haus. Für die britische Boulevardpresse war klar: Die beiden sind ein Traumpaar. Die Beziehung ist schnell abgekühlt, vielleicht liegt sie sogar schon in Trümmern. May und Trump sind nämlich alles andere als ein Traumpaar, sie könnten in Wirklichkeit unterschiedlicher nicht sein.

Zwei grundverschiedene Charaktere

Die Wahl Donald Trumps und der Brexit in Großbritannien werden gerne als Resultate einer großen internationalen, populistischen Strömung gesehen. Wenn das überhaupt stimmt, dann ist die jeweilige Ausprägung doch recht unterschiedlich geraten. Der Brexit wird nach allen Regeln der parlamentarischen Kunst im Unter- und Oberhaus auf Herz und Nieren geprüft und abgetastet. In den USA fällt dem ungestümen Trump jede Woche eine neue Volte ein.

Beide Charaktere sind grundverschieden: Trump haut schon vor dem Frühstück zwei Tweets heraus. May legt jedes Wort auf die Goldwaage. Trump erkennt ohne erkennbares Ziel und ohne jede internationale Absprache Jerusalem als Hauptstadt Israels an, kündigt das Klimaschutzabkommen auf, postet anti-muslimische Videoclips. Theresa May verteidigt dagegen in Nahost die gemeinsame Linie der EU, hält den Klimaschutz für eine eminent wichtige Sache und legt sich öffentlich mit Trump wegen der hetzerischen Videos an.

Politisch tot ist May noch nicht ...

Theresa May wurde unmittelbar nach der von ihr so furchtbar vergeigten Unterhauswahl von George Osborne, ihrem innerparteilichen Gegner, als "dead woman walking" bezeichnet. Für eine Frau also auf dem Weg zur Hinrichtung ist sie noch recht lebendig. Der Durchbruch in Brüssel, das Erreichen der Phase 2 der Brexit-Gespräche hat Theresa May in Großbritannien gestärkt. Remainer und Brexiteers versuchen May zu beeinflussen, nicht aber sie zu stürzen.

Die Schwäche der Theresa May ist die Kommunikation. Ihre Reden und Auftritte sind hölzern, beim Hochhaus-Brand im Sommer mit 71 Toten war sie nicht zu emotionalen Regungen in der Lage. Dass die nordirische DUP-Chefin Arlene Foster die Premierministerin mitten während der Verhandlungen aus Brüssel zurückpfeift, war eine böse Kommunikationspanne. Ihr Versuch, den Tories ein sozialpolitisches Profil zugeben, war dilettantisch und endete im Fiasko. Sie hätte sich einfach mehr Rat holen sollen.

... doch irgendwann muss sie zeigen, wohin der Weg führt

Im Moment aber sitzt Theresa May einigermaßen sicher im Sattel. Irgendwann kommt jedoch der Punkt, an dem sie Farbe bekennen muss. Ein Donald Trump tut das jeden Tag ohne Rücksicht auf Verluste. Theresa May muss zeigen, wohin der Weg führt. Aber das ist ihr zu riskant. Anders als bei Donald Trump weiß man nicht, was will Theresa May eigentlich wirklich?

Friedbert Meurer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Friedbert Meurer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Friedbert Meurer, Jahrgang 1959, studierte Germanistik und Geschichte in Mainz und Bielefeld mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. 1986/87 gehörte er zum Gründungsteam des Privatradios RPR in Koblenz und volontierte dann 1988/89 beim Deutschlandfunk. 1995 bis 1999 arbeitete Meurer als Parlamentsreporter in Bonn mit dem Schwerpunkt Außenpolitik. Bis 2015 war er Ressortleiter Zeitfunk und moderierte u. a. "Informationen am Morgen". Seit August 2015 ist er Korrespondent von Deutschlandradio in London.

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