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StartseiteEuropa heuteTickende Bombe oder journalistischer Boomerang?12.08.2009

Tickende Bombe oder journalistischer Boomerang?

BBC in Erklärungsnot

Der US-amerikanische Militärbasis in Thule im Nordosten Grönlands gehört - geostrategisch gesehen - zu den wichtigsten überhaupt. Schlagzeilen machte die Basis im vergangenen November. Die BBC behauptete, auf dem Meeresgrund vor Thule läge eine nicht explodierte Atombombe.

Von Marc-Christoph Wagner

Ein  Eisberg vor Grönland. (AP)
Ein Eisberg vor Grönland. (AP)

Es war eine Routineflug. Doch dann ging etwas schief.

21. Januar 1968. Wie immer kreist eine B52 mit Atombomben an Bord über dem Norden Grönlands. Die USA haben Angst vor einem Erstschlag der Sowjets. Sollten diese ihren Vorposten in Thule und damit ihr gesamtes Vorwarnsystem versuchen zu zerstören, könnte man mit den Langstreckenbombern sofort zurückschlagen.

An diesem Tag aber bricht ein Feuer aus an Bord. Die Crew versucht noch, die Thule Militärbasis zu erreichen, doch muss die Maschine vorzeitig aufgeben. Diese stürzt - mit vier Atombomben an Bord, die allerdings nicht scharf gezündet sind - auf das zugefrorene Meer.

Sind die Fakten auch altbekannt, so erhält die Geschichte im vergangenen November neues Leben. In einer Dokumentation behauptet die BBC, entgegen der offiziellen Darstellung seien seinerzeit nicht alle vier Bomben explodiert, sondern eine der vier Wasserstoffbomben läge noch immer auf dem Meeresgrund vor Thule.

Eine tickende Atombombe auf dem Meeresgrund? Und das in einem der anfälligsten Biosysteme weltweit? Die Geschichte verbreitet sich wie ein Feuer um die Welt. Die New York Times berichtet, Le Monde, auch die ARD. In Dänemark kommt der zuständige Parlamentsausschuss zu einer Sondersitzung zusammen. Außenminister Per Stig Möller beauftragt das Dänische Institut für Internationale Studien mit einer neuerlichen Untersuchung. Diese nun wurde dieser Tage veröffentlicht - mit einem eindeutigen Ergebnis:

Reiner Nonsens, reiner Unfug - so das Urteil des federführenden Forschers, Svend Aage Christensen, wahrscheinlich der Experte für Grönland in der Zeit des Kalten Krieges. Christensen hat all jene heimlichen Dokumente gelesen, auf die sich die BBC beruft. Und sieht allein darin diejenige Position bestätigt, die sowohl Washington wie Kopenhagen seit Jahrzehnten vertreten. Nämlich dass alle vier Atombomben an Bord bei dem Aufprall 1968 explodierten und dadurch restlos zerstört wurden.

"Schauen Sie, wie viel Unruhe und Angst eine solche Geschichte alleine unter den Menschen vor Ort schafft. Ihnen wird gesagt, hier in eurer Bucht tickt eine Atombombe. Es ist verwerflich, dass ein Weltmedium wie die BBC für so etwas seinen guten Namen hergibt."

Die Schlussfolgerung Christensens wird auch von anderer Seite bestätigt. Seit Jahr und Tag werden die Gewässer vor Thule und die Meeresfauna von dänischen Spezialisten überwacht, ohne dass man Auffälligkeiten registriert habe.

Und die BBC? Konfrontiert mit dem dänischen Untersuchungsbericht, rückt die Fernsehanstalt nun ab von der eigenen These. In einer Antwort an den Dänischen Rundfunk heißt es, nie habe man behauptet, die gesamte Atombombe sei im Meer versunken, sondern nur Teile von ihr. Ein neuerliches Eigentor, möchte man meinen, denn wie heißt es noch einmal in dem Dokumentarprogramm?

"Dies ist das Geheimnis der verlorenen Atombombe im arktischen Eis."

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