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StartseiteUmwelt und VerbraucherTiermehlkontrollen nicht besonders wirksam07.10.2004

Tiermehlkontrollen nicht besonders wirksam

Foodwatch zur Kontrolle des Verbots der Verfütterung von Tiermehl

<strong>Erinnern Sie sich noch? Tiermehl spielte eine Schlüsselrolle bei der Ausbreitung der Rinderkrankheit BSE. Rinder bekamen zu Tiermehl verarbeitete Kadaver von Artgenossen zu fressen und sie steckten sich auf diesem Wege mit der tödlichen Krankheit an. Die Verfütterung von Tiermehl wurde deshalb verboten, nach Ansicht von Experten war dies ein entscheidender Schritt zur Unterbrechung der Infektionskette. Bekanntlich ist ein Verbot allerdings nur so wirksam wie seine Kontrolle. Die Verbraucherlobby Foodwatch hat sich mit der Wirksamkeit dieser Überwachung beschäftigt und heute Vormittag in Berlin ihre Ergebnisse vorgestellt.</strong>

Von Andreas Baum

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foodwatch e.V.

Wenn man Foodwatch glaubt, dann sind die Kontrollen nicht besonders wirksam. Die Organisation hat sich damit beschäftigt, wie das Verbot der Verfütterung von Tiermehl eigentlich durchgesetzt wird und ist dabei auf geradezu alarmierende Mängel gestoßen: Die Gefahr eines Irrtums ist groß, aber auch die Möglichkeit eines Verwendens von Tiermehl als Tierfutter besteht, nach den Erkenntnissen von Matthias Wolfschmidt von Foodwatch, nach wie vor:

In welchem Umfang geschlampt wird, kann im Grunde niemand sagen. Wir wissen nur, dass von den eine Million Tonnen Tiermehl, die jährlich produziert werden, 170 Tausend Tonnen als Dünger an Landwirte abgegeben werden und dass dieser Dünger, weil er nicht für den Genuss untauglich gemacht wurde, auch bei den Tieren im Futtertrog landen könnte.

Dünger aus Tierkadavern ist also noch erlaubt und wird legalerweise auf die Felder gebracht, um Getreide und Gemüse zu düngen. Die zuständigen Behörden, bei denen hat Foodwatch intensiv nachgefragt, geben selbst zu, dass sie keine Ahnung haben, welche Mengen an Tiermehl auf die Höfe gelangt und was dort mit ihnen geschieht. Und selbst wenn ein Kontrolleur auf einem landwirtschaftlichen Betrieb Tiermehl entdeckt, kann der Bauer sich leicht herausreden und sagen: Das ist Dünger. Dem Missbrauch von Dünger aus Tiermehl für andere, sehr unappetitliche Zwecke steht, so Matthias Wolfschmidt, Tür und Tor offen:

Wir haben letzte Woche von der britischen Lebensmittelsicherheitsbehörde eine Nachricht erhalten, derzufolge in britischem Schmelz- oder Bratfett Teile von Schlachtabfällen gefunden wurden, die eigentlich in die Tierkörperbeseitigung gemusst hätten. Es gibt also hier Möglichkeiten und auch Anreize, hier illegale Sachen zu machen.

Also: Niemand will natürlich behaupten, dass auch in Deutschland Reste von Tierkadavern direkt in menschliche Nahrung gelangen, aber es ist eben möglich und muss deshalb effektiver verhindert werden. Denn Tiermehl in menschlicher Nahrung ist gefährlich, weil die Kadaver verendeter Tiere mit dem BSE-Virus verseucht sein könnten. Das Verbot der Verfütterung ist für Foodwatch im Prinzip richtig, aber lange nicht scharf genug:

So lange dieses Verbot nicht durchzusetzen ist, wegen der Mängel, die ich gerade beschrieben habe, können wir uns als Verbraucher nicht damit zufrieden geben und müssen unserer Ministerin sagen: Frau Künast, Sie haben uns versprochen, die Tiermehlproblematik ist gelöst, die BSE-Problematik wird fundamental gelöst, und dem ist nicht so. Wenn Sie im Ministerium nachfragen, werden sie keine befriedigenden Antworten finden, uns konnten die nämlich auch keine geben.

Was ist also zu tun? Die Forderungen von Foodwatch laufen auf eine konsequente Untauglichmachung von Tiermehl für die Verfütterung hinaus. Farbstoffe allein reichen da nicht, denn die Tiere werden auch weiterhin das fressen, was ihnen der Bauer vorsetzt, ganz egal, welche Farbe das hat. Aber es gibt Geruchstoffe, die relativ gut dafür sorgen können, dass das Vieh solcherlei behandeltes Tiermehl einfach nicht frisst. Eine Kombination von Maßnahmen ist da wohl das Sinnvollste:

Man könnte es durch irgendwelche Bitterstoffe unattraktiv machen und das Einfärben würde vor allem dazu dienen, dass man es leicht erkennt, das Material. Wenn es leuchtend gelb ist und im Futtertrog landet, ist es leichter zu erkennen, als das Material, was wir auch besorgen konnten, ganz problemlos. Wir konnten uns ohne Probleme 500 kg Tiermüll besorgen, wir hätten auch 30 Tonnen bekommen, das sieht sehr ähnlich aus wie normales Tierfutter und wenn Sie als Laie daran vorbeikommen würden, würden Sie gar keinen Unterschied erkennen.

Futtermittel sind in der Nutztierhaltung der größte Kostenfaktor. Es könnte immer wieder einzelne Übeltäter geben, denen es gelingt, Tiermehl falsch zu verwenden, um zu sparen. Denn die Fleischpreise sind in Deutschland derartig tief, dass Landwirte ohnehin gezwungen sind, zu sparen, wo sie können, auch weil sie nur noch mit hauchdünnen Gewinnmargen rechnen.

Die landwirtschaftliche Nutzung von Tiermehl ganz zu verbieten - man könnte ja zwingend vorschreiben, dass Kadaver vernichtet werden - dazu fehlt der Politik offenbar der Mut, denn da würden wertvolle Nährstoffe ungenutzt verbrannt werden. Wer als Verbraucher also das persönliche Risiko für sich ganz ausschließen will, dem wird kaum etwas anderes übrig bleiben, als Fleisch aus kontrolliert biologischer Erzeugung zu kaufen.

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