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Tierschützer: Wale sind gefährdeter denn je

Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission endet heute in Panama

Ralf Sonntag im Gespräch mit Jule Reimer

Tierschützer sehen auf der jüngsten Tagung der Walfangkommission mehr Rückschritt als Fortschritt
Tierschützer sehen auf der jüngsten Tagung der Walfangkommission mehr Rückschritt als Fortschritt (NOAA)

Enttäuschend bis bestürzend nennt Ralf Sonntag vom Internationalen Tierschutzfonds (IFAW) die bisherigen Ergebnisse der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission. Vor allem Südkoreas angekündigte Rückkehr zum Walfang erntet deutliche Kritik des Tierschützers.

Jule Reimer: Überraschende merkwürdige Entscheidungen, Gerüchte über Geldzuwendungen als Belohnung für jagdfreundliches Abstimmungsverhalten – wer die Internationale Walfangkommission und ihre Konferenzen in den letzten Jahren begleitet hat, der fühlte sich gelegentlich an die Zustände bei der Fifa erinnert. Die Mitgliedschaft in der Kommission ist freiwillig und so entscheidet eine bunt durchgewürfelte Truppe über die Zukunft der Wale. Darunter sind klassische Walfangnationen wie Norwegen und Japan, Walschutznationen, meist reiche Länder wie Deutschland oder die Schweiz, und dann gibt es noch Mitglieder, die eigentlich mit Hochseefischfang als solchem kaum etwas zu tun haben, wie Mali oder die Mongolei. In Panama geht heute die Jahrestagung der Kommission, kurz IWC genannt, zu Ende, ein neues Schutzgebiet für Wale im Südatlantik wird es nicht geben und Südkorea will den Walfang wieder aufnehmen. – Frage also an Ralf Sonntag vom Internationalen Tierschutzfonds IFAW, Sie sind in Panama für uns jetzt morgens um halb fünf aufgestanden: Außer Spesen nur Rückschritte in Panama?

Ralf Sonntag: Nun, es gab dieses Jahr einige sehr negative Entscheidungen, die uns auch sehr, sehr enttäuscht haben, wie beispielsweise das schon erwähnte Schutzgebiet, das nicht durchging und das meines Erachtens sehr wichtig gewesen wäre, denn Wale sind inzwischen mehr Gefährdungen ausgesetzt wie je zuvor – beispielsweise durch die Fischerei, durch Giftstoffe im Wasser oder das Klima. Und noch enttäuschender ist es natürlich, dass der Wissenschaftswalfang der Koreaner jetzt losgehen soll. Das hat uns alle mit großer Überraschung getroffen und auch mit großer Bestürzung, und man hat das auch gemerkt durch den Protest von vielen Mitgliedsländern, die hier auf der IWC sehr, sehr stark und eindeutig dagegen protestiert haben. Wir wissen auch, dass in Korea eine Protestwelle losging, wir hoffen, wir können es noch stoppen, aber es sieht nicht so sehr gut aus.

Reimer: Was gab es denn Positives?

Sonntag: Positives gibt es noch, dass dieses Jahr mehr als sonst über die Umweltgefahren gesprochen worden ist, dass auch Beschlüsse gefasst worden sind, hier mehr wissenschaftliche Untersuchungen zu machen, um den Tieren in manchen Gebieten zumindest helfen zu können.

Reimer: Seit gestern warnt die Internationale Walfangkommission vor dem Verzehr von Walfleisch, das sei zu sehr mit Umweltgiften belastet. Ist das auch ein Resultat dieser Erkenntnisse und ein Erfolg für die Walschützer?

Sonntag: Ich weiß nicht, ob es ein Erfolg ist. Es ist auf jeden Fall eine bittere Realität, dass die Meere und eben auch die Wale sehr, sehr hoch mit Giftstoffen belastet sind, und es ist jetzt auch schon länger die Tatsache, dass beispielsweise auf den Färöeren der Chefarzt der dortigen Klinik schon seit Längerem absolut vom Verzehr von Walfleisch abrät, weil es eben neurologische Schäden verursachen kann. Die Resolution nimmt das jetzt zur Kenntnis, was für die Menschen in den Ländern wichtig ist und was hoffentlich auch den Walen hilft, nämlich dadurch, dass weniger Wale getötet werden, denn dieser Walfang, der ist so unnötig, wie es nur eben sein kann, insbesondere eben durch die vielen anderen Gefährdungen, die diese Tiere haben.

Reimer: Nun ist ja der Walfang aber trotzdem für viele indigene Völker – angefangen bei den Inuits, den Eskimos – eine wichtige traditionelle Einkommensquelle. Jetzt jenseits der Frage, ob das Fleisch dann gesund ist, wie hat denn die IWC den Streit um die Fangquoten dieses Mal gelöst? Die Dänen hätten ja gerne für Grönland höhere Fangquoten herausgehandelt.

Sonntag: Zum einen wurden diese Eingeborenen-Quoten für Alaska, Russland und St. Vincent in der Karibik genehmigt. Aber Dänemark wollte jetzt nach zwei Jahren schon wieder eine Erhöhung von diesen Fangquoten, ohne dass sie in irgendeiner Weise zeigen konnten, dass sie mehr von diesem Fleisch brauchen. Im Gegenteil: es wird mehr und mehr offensichtlich, dass dieses Walfleisch zum Beispiel in Touristenrestaurants angeboten wird. Darum haben jetzt viele Länder einfach genug von den immer neuen Ansprüchen, die in Grönland gestellt worden sind, und haben dagegen gestimmt. Dazu gehört zum Beispiel auch die EU, die sich klar dagegen ausgesprochen hat, und damit hat Grönland im Moment überhaupt keine Fangquote.

Reimer: Das waren Informationen von Ralf Sonntag vom Internationalen Tierschutzfonds IFAW. Ich danke Ihnen in Panama für Ihre Bilanz der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission.


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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