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StartseiteComputer und KommunikationDigitalkoferenz für Jugendliche04.06.2016

TinconDigitalkoferenz für Jugendliche

Drum Robot, barrierefreies Gaming und Cyborgs - auf der Digitalkonferenz Tincon, die Teenage Internetwork Convention, wird digitaler Lifestyle präsentiert. In der Hacking Area können die Jugendlichen zudem ganz unter sich sein und tüffteln.

Von Leonie Seng

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Die Töne des Drum Robots – ein Roboter, der über digitale Touchpads angesteuert wird und auf analogen Schlagzeugteilen Rhythmen erzeugt – sind das erste, was mir auf der Tincon entgegenschallt. Tincon, die Teenage Internetwork Convention, ist eine Digitalkonferenz für Jugendliche in Berlin.

Am Drum Robot vorbei steuere ich einen Vortrag mit dem Titel "Gaming ohne Grenzen" an. Dort stellen ein paar Jungs den Prototypen einer Spiele-App vor, den sie selbst in einem Workshop vor der Konferenz konzipiert haben. Das Besondere: Die App sollte 100 Prozent barrierefrei sein, das heißt, sowohl von blinden als auch von gehörlosen Personen gespielt werden können.

"Genau, das Spiel haben wir auch dabei und werden das jetzt mal ausprobieren."

Die Idee des Spiels ist: Ein Hund geht im Großstadtrummel verloren. Das Ziel ist es, ihn wiederzufinden. Blinde Personen müssen in dem virtuellen Spielfeld in die Richtung laufen, aus der sie den Hund bellen hören. Gehörlose können sich an Sprechblasen mit "Wuff" oder "Kleff" orientieren, die am Bildschirmrand erscheinen. Während der 14-jährige Phillipp die Hundesuche vorführt, erklärt Jonas, 18 Jahre alt:

"Das 'Wuff' hört man allerdings nur, oder sieht man allerdings nur dann, wenn man sich bewegt. Bleibt man stehen, klärt sich zwar die nähere Umgebung auf, aber das 'Wuff' verschwindet."

Live-Hack mit Bananen

Die App läuft derzeit nur unter iOS. Der aktuelle Prototyp soll in den kommenden Wochen weiterentwickelt und irgendwann auch veröffentlicht werden. In der Hacking Area der Tincon dürfen die Jugendlichen selbst programmieren. Uns Presseleuten ist der Zugang verwehrt. Die Jugendlichen sollen unter sich sein. Ich gehe also zum Live-Hack. Matthias Löwe, Mitarbeiter der Technologie Stiftung Berlin, schreibt innerhalb weniger Minuten den Code für ein einfaches Spiel. Über einen Beamer können ihm die Zuschauer live beim Programmieren zusehen:

"Naja, momentan habe ich da so ein kleines Ding, was sich da so hin und her bewegt und auf die Banane zeigt und eine Krabbe und wenn man das richtig macht und im richtigen Moment drückt, dann bewegt sich die Krabbe so ein Stück nach vorn. Aber ich glaube, für ein Multiplayer-Spiel braucht man mindestens noch eine zweite Krabbe und irgendwas, was das Ganze bemerkt, dass das Ganze gewonnen oder verloren hat."

Für das Spiel verwendet Löwe die Programmiersprache "Scratch". Sie ist speziell für den Einstieg ins Programmieren gedacht und dementsprechend einfach: Die einzelnen Codeteile haben je nach Funktion unterschiedliche Farben und können wie Puzzleteile zusammengefügt werden. Löwe implementiert im Browser, das geht aber auch mit Java oder Flash.

Der Programmcode ist fertig. Jetzt kommt der eigentliche Hack: Matthias Löwe steckt Quetschklemmen in Bananen und verbindet sie mit einer Platine, die wiederum über ein USB-Kabel mit dem Computer verbunden wird. "Makey makey" heißt dieses Tool und beinhaltet die Idee, eine herkömmliche Tastatur durch alle möglichen leitfähigen Dingen zu ersetzen - zum Beispiel durch Bananen, auf die zwei aus dem Publikum ausgewählte Testspieler jetzt leicht schlagen müssen.

"Was dann passiert, ist, dass sich ein Stromkreis schließt, jedes Mal, wenn Ihr das tut und in diesem Spiel löst Ihr damit aus, dass ein paar Krabben angefeuert werden, weil, wir haben hier zwei Krabben, das sind die zwei da. Die eine, die obere, die ist blau und die andere ist rot. Und jedes Mal, wenn die Bananen hören, dann gehen die total wild ab und bewegen sich in Richtung der Ziellinie hier drüben. Okay?"

Implantation eines Neodym-Magneten im Ringfinger

In einem anderen Raum erzählt Mitbegründer des Cyborg Vereins, Stefan Greiner, von seiner Implantation eines Neodym-Magneten in seinem Ringfinger. Drei Millimeter Durchmesser, zwei Millimeter dick. Für die Implantation ging er ins Piercingstudio, ein Arzt hätte das nicht gemacht. Über die Schwingung des Magneten kann Greiner Musik hören oder telefonieren, indem er die Klinkenausgänge der Abspielgeräte über einen Verstärker und eine Drahtspule mit seinem Finger verbindet. Greiner ist überzeugt:

"Ich glaub, wir sind alle schon längst Cyborgs, also so, wie wir hier sitzen. Wir sind längst sehr tief verbunden mit Technik, mit allen möglichen Geräten."

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