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Todesurteil für Opel Bochum

Der Autobauer muss sich kleinsparen

Von Michael Braun, Börsenstudio Frankfurt

Ein Protestplakat steht vor dem Opelwerk in Bochum.
Ein Protestplakat steht vor dem Opelwerk in Bochum. (AP)

Endlich hat das Herumgerede ein Ende. Opel sprach heute Abend in einer Presseerklärung erstmals selbst davon, die Schließung des Werks Bochum sei für Anfang 2015 "allgemein erwartet" worden. Dazu kommt es nicht. Aber das Ende kommt.

Das dürfte seit heute klar sein. Es wird später werden, Ende 2016. Die IG Metall will noch durchsetzen, bis dahin auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Aber Opel hat entschieden, dem Werk Bochum keine Arbeit mehr zu geben. Dort wird noch der alte Astra für osteuropäische Märkte gebaut. Und vor allem der Familienvan Zafira. Aber wenn dessen Lebenszyklus 2016 ausläuft, wenn also das neue Modell gebaut werden muss, ist Bochum nicht mehr im Rennen. Es sei "keine weitere Produktallokation für Bochum nach Auslauf des jetzigen Zafira" vorgesehen, teilte Opel mit. Das dürfte das Todesurteil sein nach bis jetzt 50 Jahren Autobau in Bochum.

Auch Betriebsrat und IG Metall scheinen das mitzutragen, trotz ihrer bisherigen Ankündigungen, kein Werk gegen das andere ausspielen zu wollen. Aber nun lässt der Gewerkschaftsvorsitzende Berthold Huber wissen, es gehe "ums Ganze, nämlich um die Zukunft von Opel insgesamt".

Endlich lassen die, die für Opel Verantwortung tragen, die Wahrheit heraus: Opel kann nicht weiterleben wie bisher. Ein Standortsicherungsvertrag reihte sich an den nächsten. Arbeitsplätze wurden abgebaut, Lohnkürzungen verabredet, dann flammte die nächste Schrumpfungsdebatte auf. Denn was Opel fehlte, waren Stückzahlen.

Der Konkurrent VW kann seine Kosten auf die vierfache Menge an Autos umlegen werden. Da kann Opel nicht hinterhersparen. Ob es genügt, Bochum zu schließen, ist offen. Vielleicht muss noch ein weiteres Werk in Europa dran glauben.

Verhindern lässt sich das nur, wenn GM die Tochter Opel im Konzern richtig groß werden lässt. Neue große Exportmärkte sollen nun für Opel geöffnet werden: Russland, Türkei, China. Das wird zulasten von Chevrolet gehen, einer anderen Marke von GM. Und das heißt: Trotz des neuen Realitätssinns bei Opel und GM – Frieden zieht in den Konzern noch lange nicht ein.



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