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StartseiteInterviewTöpfer: Die harten Verhandlungen kommen erst noch25.09.2007

Töpfer: Die harten Verhandlungen kommen erst noch

Umweltpolitiker wertet UNO-Klimadebatte als positives Signal

Der ehemalige Chef des UNO-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, hat die Ergebnisse der Klimakonferenz der Vereinten Nationen gelobt. Nun müsse sich zeigen, wie viel die einzelnen Mitgliedsstaaten umzusetzen bereit seien, sagte Töpfer. Die wirklichen Verhandlungen würden dann am Jahresende bei der Klimakonferenz in Bali geführt.

Klaus Töpfer tritt für gerechte Verteilung und efffizienten Umgang mit Energieressourcen ein.  (AP)
Klaus Töpfer tritt für gerechte Verteilung und efffizienten Umgang mit Energieressourcen ein. (AP)
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Merkel nimmt reiche Staaten in die Pflicht

Christiane Kaess: UN-Generalsekretär Ban Ki Moon setzte erst einmal auf die Kraft schockierender Bilder über den Klimawandel, als er gestern bei den Vereinten Nationen in New York eine Klimakonferenz mit 150 Teilnehmerstaaten eröffnete. Heute wollen die UN die Klimadebatte in den Mittelpunkt ihrer jährlichen Generalversammlung rücken, unterstützt von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die heute vor der Vollversammlung sprechen wird, und daneben berufen die USA Ende dieser Woche eine Klimakonferenz ein.

Klaus Töpfer (CDU) ist ehemaliger Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, kurz UNEP, und er ist jetzt am Telefon. Guten Morgen!

Klaus Töpfer: Einen schönen guten Morgen!

Kaess: Herr Töpfer, als UNEP-Direktor hatten Sie angekündigt, den Vereinten Nationen wieder eine hörbar umweltpolitische Stimme zu verschaffen. Haben Sie damals damit gerechnet, dass diese Stimme eines Tages so laut werde wie jetzt?

Töpfer: Man kann im Nachhinein immer sagen, wir waren damals schon sehr klug. Das ist nicht mein Verfahren. Ich glaube wir haben hart daran gearbeitet, dass klar wird, es geht hier nicht um Panikmache, nicht um Angstmacherei. Hier geht es um wissenschaftliche Aussagen und hier geht es darum, dass wir eine friedliche Zukunft haben müssen und solange der Klimawandel Menschen belastet, gewaltige Veränderungen in unseren Wetterverhältnissen mit sich bringt, solange wird eine friedliche Welt nicht da sein können. Insofern haben wir daran hart gearbeitet und ich freue mich, dass die UN das jetzt mit so viel Erfolg weiter voranbringen, und ich freue mich natürlich auch für meinen Nachfolger, für Achim Steiner, dass er sehr engagiert diese Frage aufgegriffen und, wie ich glaube, sehr gut behandelt hat.

Kaess: Nun werfen Kritiker sowohl der Regierung Merkel vor, sie profiliere sich zwar international mit dem Thema Klimaschutz, konkret umgesetzt werde hierzulande bisher aber wenig. Und die Vereinten Nationen sind ja generell ein Gremium, dem man oft vorhält, großen Worten folgten selten Taten. Wird das Thema denn zerredet, ohne dass etwas konkret passiert?

Töpfer: Zunächst einmal können die Vereinten Nationen immer nur das umsetzen, was ihre Mitgliedsstaaten mittragen. Wir werden sehen: Die wirklichen Verhandlungen, die harten Fakten werden ja in Bali auf dem Tisch liegen und dort muss Ergebnis produziert werden und das produzieren Mitgliedsstaaten. Das muss und kann vernünftig von den Vereinten Nationen vorbereitet werden und das ist ja auch der Fall gewesen. Es ist der Klimarat der Vereinten Nationen, der diese Überlegungen so zusammengetragen und so wissenschaftlich begründet hat, dass alle Staaten jetzt wirklich das ernst nehmen und handeln wollen. Es sind die Vereinten Nationen gewesen, die wir schon vor vielen Jahren, 1992 in Rio de Janeiro, die die Konvention des Klimas verhandelt und dann auch durchgesetzt haben. Also, da ist was gemacht worden, aber wirklich am Ende müssen tatsächlich die Mitgliedsstaaten, müssen die Vereinigten Staaten von Amerika, muss die Europäische Union, muss China, Indien und viele andere, wirklich einstimmen in ein Handlungskonzept, das sicherlich die Lasten gerecht verteilt, dass die, die schon viel haben, dazu auch mehr beitragen müssen, aber handeln müssen die Mitgliedsstaaten.

Kaess: Ja und da blicken alle auf die USA. US-Präsident Bush hat bei dem UN-Treffen gestern gefehlt. Ist das ein Zeichen dafür, dass er beim Thema Klimaschutz weiterhin außerhalb der UN bleiben will?

Töpfer: Ich glaube nicht, dass das unbedingt der Fall sein wird. Wir sind ja weite, weite Wege mit Blick auf die Vereinigten Staaten gegangen. Es wird jetzt auch dort anerkannt, dass ein von Menschen verursachter Klimawandel vorliegt. Denken Sie nur mal kurz zurück: da war das nicht mehr der Fall. Natürlich wäre es zentral besser gewesen, auch Präsident Bush hätte jetzt in den Vereinten Nationen dazu gesprochen. Es ist gut, dass auch die Konferenz in Washington jetzt auf politischer Ebene durchgeführt wird. Der Bundesumweltminister ist ja dort. Es ist ganz wichtig, dass jeder dort klar macht, lasst uns jede Möglichkeiten zu Gesprächen und zu Erörterungen von Lösungsmöglichkeiten nutzen, aber kommt hinterher alle nach Bali, kommt wieder zurück in den Rahmen, in die Verantwortung der Vereinten Nationen. Nur dort können wir rechtlich bindende Beschlüsse fassen.

Kaess: Das heißt Sie teilen die Befürchtungen nicht, die Veranstaltung, die Präsident Bush für diese Woche einberufen hat, sei eine Gegenveranstaltung zum Klimaprozess innerhalb der UN und eigentlich würden die USA dadurch nur versuchen, eine Festlegung auf konkrete Kohlendioxidgrenzen zu unterlaufen?

Töpfer: Das mag von dem einen oder anderen, der diese Konferenz organisiert, so angestrebt werden, aber es ist die Aufgabe der Teilnehmer klar zu machen, dass dies ein Verhandlungsschritt, eine nicht mal Verhandlung, ein Diskussionsprozess, ein Abstimmen vor den UN-Verhandlungen sein kann. Wenn man ihn sinnvoll dafür mit nutzt, wenn man klar macht, auch den Amerikanern klar macht, dass der Prozess wieder einmünden muss in die Verhandlungen und die Entscheidungen der Vereinten Nationen, dann kann man auch dort noch etwas Positives rausholen. Ich bin aber der Meinung, dieses Thema, der Klimawandel und die damit verbundenen auch Rückwirkungen auf die Entwicklungsfähigkeit gerade der Entwicklungsländer, ist so ein bedeutsamer, ein so wichtiger Komplex, dass man alle, aber auch wirklich alle Möglichkeiten nutzen muss und dazu beitragen muss, dass auch vielleicht anders Gedachtes vernünftig genutzt wird.

Kaess: Sie haben andere Akteure schon angesprochen. Das Verhalten der USA wird wahrscheinlich stark von dem von China, zum Beispiel auch, abhängen. Beide werden nichts versprechen, was sie im globalen Wettbewerb schwächen würde. Steht denn der Umweltschutz in dauerhafter Konkurrenz zur Wirtschaftspolitik?

Töpfer: Ganz und gar nicht. Wir müssen sehen, dass eine Welt, die im Jahre 2050 8,5 Milliarden Menschen ernähren, bekleiden und so weiter, ihnen ein menschenwürdiges Leben geben will, nicht mehr mit der Energie aus den fossilen Energieträgern, aus Kohle, Mineralöl und Gas, auskommen wird. Selbst wenn wir nie einen Klimawandel hätten, müssen wir alles daran setzen, dass wir die Energieversorgung verbreitern, dass wir dazu beitragen, dass auch heimische Energien genutzt werden, dass wir alles daran setzen, dass die Energieeffizienz, also die Art und Weise, wie wir mit Energie umgehen, wesentlich verbessert wird. Dies sind alles von der Wirtschaftspolitik her erzwungene, dringlich notwendige Veränderungen. Also noch einmal: Zu glauben, die Maßnahmen und das Agieren gegen den Klimawandel seien nur in besonderer Weise auf eine Veränderung unserer Wohlstandssituation her ausgerichtet, ist sicherlich nicht zu Ende gedacht. Keine Frage allerdings, dass auch unser westlicher Lebensstil eben nicht eine globalisierende Größe ist.

Kaess: Auch für die Entwicklungsländer geht es um dieses Thema. Auch die wollen ihren Umweltschutz nicht auf Kosten der wirtschaftlichen Entwicklung durchführen. Nun hat Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgeschlagen, den CO2-Ausstoß weltweit pro Kopf festzulegen. Ist das ein Vorschlag, der mehr Gerechtigkeit in die Debatte bringt?

Töpfer: Also die Frage, wie kriegen wir eine gerechte Lösung zu Stande, ist genauso wichtig, wie kriegen wir eine effiziente Lösung zusammen. Es kann nicht sein, dass diejenigen, die bisher kostenlos CO2 in die Atmosphäre geschickt haben und damit diesen Belastungsprozess ja verantworten, der bisher entstanden ist, jetzt sagen, aber die anderen, die Habenichtse, dürfen deswegen überhaupt nicht anfangen, sich auch wirtschaftlich zu entwickeln, und auch Energie dieser Art zu nutzen. Dies wird ein Knackpunkt, auch in Bali, sein. Wir nennen das darüber hinaus die Unterstützung bei der Anpassung an den Klimaprozess, die Adaption und nicht nur die Verminderung der Emissionen. Insofern ist ein Nachdenken darüber, wie kann man das besonders gerecht durchführen, sinnvoll und es gibt natürlich gute Argumente die sagen, lasst uns für jeden Menschen in der Welt einen gleichen Pro-Kopf-Betrag an CO2 festlegen, einer der in Einklang steht mit der Stabilität unseres Klimas.

Kaess: Aber wie realistisch ist dieser Vorschlag, denn die Industrieländer müssten demnach ja überproportional viel reduzieren. Experten sprechen sogar von 80%.

Töpfer: Das werden die Industrieländer ohnedies zu tun haben. Es ist gar keine Frage, dass wir bis zur Mitte des Jahrhunderts unsere CO2-Emissionen halbieren müssen, – die Bundeskanzlerin hat ja genau diese Zahl auch gestern noch mal genannt – wenn wir diesen Anstieg auf zwei Grad Celsius begrenzen müssen. Wir werden darüber hinausgehen. Die Bundesregierung hat sich jetzt vorgenommen, bis zum Jahre 2020 eine Minderung der CO2-Emissionen um 40% mit Blick auf das Jahr 1990 durchzuführen. Also, das hört sich heute alles nach futuristischer Zielvorgabe in ferner Zukunft an. Alles dies ist es nicht.

Kaess: Sie glauben es ist realistisch?

Töpfer: Die Frage ist nicht was wir können, sondern was wir müssen, denn die Folgen vom Klimawandel – das ist jetzt glaube ich ohne jeden Zweifel klar – sind wesentlich teuerer und die Anpassung daran extrem teuer.

Kaess: Klaus Töpfer (CDU). Er ist ehemaliger Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen. Vielen Dank!

Töpfer: Ich danke Ihnen sehr herzlich.

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