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Töricht und empörend

Kein Quadriga-Preis für Putin: Der sorglose Umgang mit einem historischen Symbol endet in einem Affront

Von Dorothea Jung, Landesstudio Berlin

Wladimir Putin
Wladimir Putin (picture alliance / dpa)

Es ist richtig, dass die Preisverleihung abgesagt wurde. Der Rückzug kam aber viel zu spät. Jetzt ist Wladimir Putin düpiert worden, der diplomatische Affront ist da. Und der Verein "Werkstatt Deutschland" ist in seinem Ansehen schwer beschädigt.

Und das mit Recht. Denn dieser Verein hat die Nominierung Putins ohne jeden politischen Instinkt getroffen und ohne jede Sensibilität für die historische Symbolik der Quadriga. Das klassizistische Kunstwerk krönt das Brandenburger Tor - ein Nationaldenkmal, das manche sogar Schicksalstor nennen. Im Lauf der preußischen Geschichte wurde die Quadriga einst von Napoleon als Beutekunst nach Paris entführt, wurde zurückerobert, im Zweiten Weltkrieg zerschossen, ist später auferstanden aus Ruinen, dann restauriert und nach der Wende neu installiert worden. Allein durch diese Geschichte erhält der Preis politisches Gewicht. Wie töricht, das Symbolträchtige der Quadriga nur zu benutzen als Glanz für ein gesellschaftliches Ereignis, mit dem man seinen Verein in die Medien bringen kann.

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin ist kein lupenreiner Demokrat. Das weiß jeder. Vielleicht sogar Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, auch wenn er einst das Gegenteil behauptet hat. Schröder mag für seine Schmeichelei seine Gründe gehabt haben. Aber die Gründe, die den Verein "Werkstatt Deutschland" auf die Idee gebracht haben, die Quadriga ausgerechnet an Putin zu verleihen, sind überhaupt nicht nachzuvollziehen. Der Verein sagt, dass Putin für seine Verdienste um die Verlässlichkeit und Stabilität der deutsch-russischen Beziehungen ausgezeichnet wird. Die Verdienste mag er haben, aber sie allein sind nicht preiswürdig.

Empörend ist in diesem Zusammenhang noch etwas Anderes: Damit Putins Verdienste zur Vereinsphilosophie passen, hat die "Werkstatt Deutschland" einen Text von ihrer Webseite genommen, wonach die Quadriga an Vorbilder verliehen wird, die "Aufklärung, Engagement und Gemeinwohl verpflichtet sind". Eigenschaften, die offenbar nicht zu Wladimir Putin passen - und trotzdem soll er einen Preis bekommen ?

Doch selbst wenn man zugesteht, dass die Quadriga kein Menschenrechtspreis ist, wird sie doch jedes Jahr am Tag der Deutschen Einheit verliehen. Das ist ein Tag, an dem die Menschen dieses Landes sich darüber freuen, dass die SED-Diktatur zu Grunde ging. Ein Tag, an dem sie sich an die friedliche Revolution erinnern, die wohl kaum stattgefunden hätte, wenn sich zahllose DDR-Bürger nicht nach mehr Menschenrechten gesehnt hätten. Ganz abgesehen davon, dass in Russland gerade Wahlkampf herrscht und eine Quadriga für Putin der russischen Opposition und Bürgerrechtsbewegung wie eine Verhöhnung ihrer Ziele und Werte vorkommen muss.

Die Verantwortlichen im Verein "Werkstatt Deutschland" haben aus Eitelkeit und Geltungssucht traditionelle und bewahrenswerte Tugenden missachtet. Sie haben die Sorgfalt außer Acht gelassen, die der Umgang mit historischen Symbolen nun einmal erfordert. Der Vorstand des Vereins sollte das einräumen und geschlossen zurücktreten.

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