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StartseiteKalenderblattAls die USA in den Vietnamkrieg eintraten02.08.2014

Tonkin-ZwischenfallAls die USA in den Vietnamkrieg eintraten

Der vermeintliche Beschuss der US-Marine im Golf von Tonkin 1964 durch Nordvietnamesen war reine Inszenierung. NSA-Offiziere manipulierten und verbreiteten gezielte Falschmeldungen. Die USA suchten einen Vorwand eine strategische Offensive zu beginnen: Südvietnam musste vor dem Kommunismus bewahrt werden.

Von Otto Langels

Soldaten der US-Armee tragen am 11.05.1968 in Saigon einen verletzten Kameraden zu einem Helikopter der diesen zu einem Lazarett bringt. (picture-alliance / dpa / UPI)
Vietnamkrieg: Verletzter Soldat wird evakuiert (picture-alliance / dpa / UPI)

"Amerikaner. Als Präsident und oberster Kommandierender ist es meine Pflicht, dem amerikanischen Volk mitzuteilen, dass erneute feindselige Akte gegen Schiffe der Vereinigten Staaten auf hoher See im Golf von Tonkin mich heute gezwungen haben, den militärischen Verbänden der Vereinigten Staaten zu befehlen, diese zu beantworten."

In einer Rede an die Nation informierte US-Präsident Lyndon B. Johnson seine Landsleute über die Feuergefechte, die am zweiten August 1964 zwischen den USA und Nordvietnam im südchinesischen Meer ausgebrochen waren. Die wiederholten feindseligen Akte, von denen Johnson sprach, waren jedoch, wie sich später herausstellte, eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit.

Verteidigung der Freiheit

Bereits unter Präsident John F. Kennedy hatten sich die Amerikaner verstärkt in Vietnam engagiert, weil sie ein Vordringen des Kommunismus in Südostasien fürchteten. Kennedy erhöhte die Zahl der Militärberater auf 16.000. Sein Nachfolger Lyndon B. Johnson setzte diese Politik fort. Die Freiheit San Franciscos werde in Saigon verteidigt, verkündete er pathetisch und sagte den Verbündeten weltweit Unterstützung zu.

"Unsere Nation wird ihre Verpflichtungen einhalten, von Südvietnam bis West-Berlin."

In den Augen des US-Präsidenten drohte nach der Volksrepublik China unter Mao Zedong und dem von Ho-Chi-Minh regierten Nord-Vietnam mit dem westlich orientierten Süden ein weiteres Land in die Hände der Kommunisten zu fallen.

"Ein Papier-Tiger"

Vietnam wurde für die USA zum Testfall, eine antikommunistische Bastion zu verteidigen. Der damalige Harvard-Professor und spätere US-Außenminister Henry Kissinger betrachtete Vietnam als wichtigen Stein einer langen Dominoreihe.

"Ich halte es für höchstwahrscheinlich, dass, wenn Amerika jetzt in Vietnam eine Niederlage erleiden sollte, dass sicher Thailand, Laos, Kambodscha und Malaysia in eine prokommunistische, neutralistische Richtung rutschen werden. Wenn wir jetzt dort von einem drittklassigen kommunistischen Agrarstaat besiegt werden, dann werden die Chinesen behaupten können, dass wir ein Papier-Tiger sind."

Anfang 1964 führten die USA verdeckte Operationen gegen Nordvietnam durch, das Pentagon bereitete detaillierte Pläne für eine Bombardierung des Nordens vor. Am ersten August beschossen südvietnamesische Schiffe eine nordvietnamesische Insel im Golf von Tonkin. Einen Tag später kreuzte das US-Kriegsschiff "Maddox" in dem Gewässer. Drei nordvietnamesische Schnellboote attackierten den amerikanischen Zerstörer, der das Feuer eröffnete und ein Boot versenkte.

Gezielte Manipulation

Am vierten August berichtete die US-Marine von weiteren Angriffen, eine gezielte Falschmeldung, wie sich später herausstellte. NSA-Offiziere manipulierten abgefangene Funksprüche der Nordvietnamesen, um vermeintliche Beweise für einen erneuten Beschuss der "Maddox" vorzulegen. Damit lieferte der Geheimdienst dem US-Präsidenten den Vorwand für Vergeltungsschläge, ein Vorgehen, das an die irreführenden Berichte über Massenvernichtungswaffen im Irakkrieg 2003 erinnert. Am nächsten Tag bombardierten amerikanische Flugzeuge nordvietnamesische Marinebasen und Treibstofflager.

Am siebten August brachte die amerikanische Regierung eine längst vorbereitete Resolution im Kongress ein. Sie ermächtigte den Präsidenten, "alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, einschließlich des Einsatzes der Streitkräfte, um Angriffe zurückzuschlagen und um künftige Aggressionen zu verhindern."

Die US-Regierung konnte nunmehr Truppen entsenden, ohne offiziell den Krieg zu erklären. Der Zwischenfall im Golf von Tonkin am zweiten August 1964 markiert den Beginn eines militärischen Abenteuers, das fast 60.000 amerikanische Soldaten sowie Millionen Vietnamesen das Leben kostete und für die USA elf Jahre später als verlorener Krieg endete.

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