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StartseiteVerbrauchertippDatenschutz-Programme fürs Surfen im Netz11.09.2017

Tracking-BlockerDatenschutz-Programme fürs Surfen im Netz

Wer im Internet surft, hinterlässt Spuren - oft ohne es zu merken. In der Fachwelt wird von Tracking gesprochen. Unternehmen verfolgen jeden Schritt des Surfenden, meist für Werbezwecke. Doch der Nutzer kann und sollte sich zumindest teilweise vor dem Ausspionieren schützen, rät die Stiftung Warentest.

Von Dieter Nürnberger

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Auf einem Laptopbildschirm wird das Wort "Virus" angezeigt. (dpa /  Monika Skolimowska)
Tracker sind Mini-Programme, die in der Webseite versteckt sind und unter anderem Verweildauer sowie besuchte Seiten registrieren können (dpa / Monika Skolimowska)
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Für Internetexperten ist Tracking natürlich kein neues Phänomen. Die Stiftung Warentest war allerdings über den Umfang überrascht. Auf dem Portal eines Sportkanals wurden beispielsweise 73 Tracker gefunden. Das sind - vereinfacht gesagt - kleine Mini-Programme, die in der Webseite versteckt sind und die die Verweildauer und die besuchten Seiten registrieren können, ebenso das Betriebssystem und den Standort des Besuchers.

Aus diesen Daten lassen sich viele Rückschlüsse ziehen, sogar Persönlichkeitsprofile erstellen, warnt Warentester Martin Gobbin: "Wenn Sie jetzt beispielsweise immer wieder auf Kardiologie-Seiten gehen, dann kann davon ausgegangen werden, dass Sie wahrscheinlich irgendwelche Herzprobleme haben. Wenn Sie immer wieder auf Erotikseiten gehen, dann ist das etwas, was auch andere Erotikanbieter interessiert. Ihre Frau sollte es dagegen wohl eher nicht rausfinden. Es geht also sehr viel um Privatsphäre."

Tracking-Blocker reduzieren die Schnüffelprogramme

Das Ausspionieren geschieht ausdrücklich mit Einwilligung der Internetseiten-Betreiber. Es geht meist darum, Werbung passgenauer zu platzieren. Tracking-Programme nutzen vor allem Cookies. Das sind Dateien, die der Browser automatisch auf der Festplatte abspeichert, die jedem Surfer eine individuelle Identifikationsnummer zuweisen.      

"Cookies werden oft jahrelang auf dem PC gespeichert. Aber das Wichtigere sind ja die Daten, die sie abziehen: Die werden von den Anbietern auf Servern gespeichert. Wie lange sie dort gespeichert bleiben, ist offen. Aber ich sage mal: Welches Interesse hätte ein Firma überhaupt, diese Daten jemals wieder zu löschen? Sie brauchen sie, um Werbung besser vermarkten zu können. Und da lauert dann die nächste Gefahr: Deren Server könnten natürlich auch mal gehackt werden. Dann wären sogar Kriminelle oder auch staatliche Hacker im Besitz meiner Daten."

Mit Tracking-Blockern lassen sich die virtuellen Schnüffelprogramme zumindest reduzieren. Zehn Programme hat die Stiftung Warentest untersucht, in den Basisversionen sind sie kostenlos, einige auch komplett. Installiert werden sie meist direkt im jeweiligen Internetbrowser. Eine Möglichkeit ist, im Internet gezielt nach Tracking-Blockern zu suchen und sie dann herunterzuladen.

Warentester Martin Gobbin: "Noch einfacher ist es direkt im Browser: Da kann man direkt nach Add-ons, oder Erweiterungen suchen. Und da kommen eben die Namen. Die kann man dann direkt installieren. Dauert ein paar Sekunden und dann ist es schon da."  

In der Untersuchung schaffte das Programm "Scriptsafe" mit einer Tracker-Reduzierung von 85 Prozent den besten Wert. Allerdings: Je mehr die Programme blockieren, desto häufiger gibt es auch im Alltag beim Internet-Surfen Probleme. Oft lassen sich Videos nicht mehr abspielen oder Texte zerbröckeln. In solchen Fällen können die Nutzer die Schutzfunktionen der Tracking-Blocker dann von Hand justieren oder für die jeweilige Webseite sogar komplett deaktivieren.

Viele Tracking-Blocker sind kostenlos

Warentester Martin Gobbin empfiehlt Internetnutzern auf jeden Fall einen, wenn nicht sogar mehrere Tracking-Blocker zu nutzen. "Die besten Erfahrungen haben wir mit dem Programm "uBlock Origin" gemacht. Das blockt relativ viel - ohne Seiten kaputt zu machen. Also: Geringer Komfortverlust und trotzdem sehr effektiv. Und auch für Nutzer mit durchschnittlichen Computerkenntnissen relativ leicht zu handhaben. Das Programm hat uns am besten gefallen."      

Da die Tracking-Blocker kostenlos angeboten werden, gibt es natürlich auch Misstrauen, wie deren Anbieter selbst mit den Daten umgehen. Die Stiftung Warentest rät zum Vertrauen - denn im schlimmsten Fall würden die Daten verkauft, was aber ohne Blocker längst Normalität sei. 

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