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StartseiteKommentare und Themen der WocheHauptsache im Gespräch bleiben17.03.2017

Treffen von Merkel und TrumpHauptsache im Gespräch bleiben

Angela Merkel und Donald Trump haben heute einen persönlichen Gesprächsfaden geknüpft - nicht mehr und nicht weniger, kommentiert Stephan Detjen. Trotz gravierender Differenzen sei das auch erst einmal das Wichtigste: Im Gespräch zu bleiben. Es müsse ein Fundament aufgebaut werden.

Von Stephan Detjen

Donald Trump begrüßt Angela Merkel. (dpa / picture-alliance / Ron Sachs)
Über ihre Differenzen sprachen Donald Trump und Angela Merkel bei ihrem ersten Treffen nicht. (dpa / picture-alliance / Ron Sachs)
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Die ersten Bilder und Eindrücke von der Begegnung vermitteln ein betont freundliches Aufeinandertreffen. Trump hat bei der Begrüßung vor dem West Wing des Weißen Hauses nicht an der Kanzlerin gezerrt wie jüngst an der Hand von Kenzo Abe beim Antrittsbesuch des japanischen Premierministers, Trump wurde (jedenfalls bislang) nicht auf so komische Weise Hand-in-Hand mit Merkel durchs Weiße Haus laufend gefilmt, wie mit der britischen Premierministerin Theresa May.

Es gehört zu der verstörenden Außerordentlichkeit dieses Amtswechsels in den USA, dass selbst so banale Randbeobachtungen weltweit Aufmerksamkeit erregten. Auch das ist ein Symptom der Verunsicherung, die Trump ausgelöst hat.

Angela Merkel wurde schon vor mehr als einem Jahr zur Zielscheibe höchstpersönlicher Rüpeleien, die zur ständigen Wahlkampfrhetorik Trumps gehört. Merkel wird das heute nicht vergessen haben. So wenig wie Trump am Ende dieses Tages zur Überzeugung gekommen sein dürfte, dass Merkel mit ihrer Flüchtlingspolitik doch alles richtig gemacht habe.

Vergangenheit wurde nicht thematisiert

Die strikte Dramaturgie dieser Begegnung ließ bewusst wenig Spielraum, über Irritationen aus der Vergangenheit zu sprechen. Eine Viertelstunde saßen Trump und Merkel am Nachmittag unter vier Augen, nur von ihren Dolmetschern begleitet, im Oval Office zusammen. Dann kamen Vizepräsident Pence und die engsten Berater der Kanzlerin hinzu, schließlich eine kleine Schar von jeweils drei Unternehmensführern aus Deutschland und den USA.

Angela Merkel und Donald Trump haben heute einen persönlichen Gesprächsfaden geknüpft. Nicht mehr, nicht weniger. Trotz gravierender Differenzen: im Gespräch zu bleiben ist der letzte Halt, den die deutsche Diplomatie in Zeiten sucht, in denen nicht nur im transatlantischen Verhältnis die Klüfte zwischen einst engen Partnern immer größer werden. Wo persönliches Vertrauen noch nicht erarbeitet oder über Generationen erarbeitetes Vertrauen zerstört ist, wo kein gemeinsamer Kompass Orientierung gibt, wächst die Bedeutung von festen Strukturen für Zusammenarbeit und Gespräche.

Die G20-Runde, deren Gastgeberin die Bundeskanzlerin im Juli in Hamburg sein wird, gehört dazu. Schon jetzt fanden viele der ersten Kontakte zwischen deutscher und neuer amerikanischer Regierung im Rahmen des G20-Prozesses statt. Der Weg zum Gipfel in Hamburg ist in dieser Zeit eine wichtige Chance, praktisch zu erproben, wie weit die verbliebenen Gemeinsamkeiten der stärksten Mächte auf beiden Seiten des Atlantiks noch tragen.

Unberechenbare Regierung Trump

Die heutige Begegnung kann ein neues Fundament aufgebaut haben. Die bisherigen Erfahrungen mit Trump und seinem in sich zerrissenen Team aber haben gelehrt, wie unberechenbar diese Regierung nach wie vor ist. Es kann alles auch noch viel schlimmer kommen in diesem Jahr. Auch das übrigens gilt nicht nur für die USA, sondern auch für Europa und die Lage Deutschlands inmitten einer beunruhigten Welt.

Stephan Detjen  (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen (Deutschlandradio / Bettina Straub)Stephan Detjen, Chefkorrespondent von Deutschlandradio. Studierte Geschichtswissenschaft und Jura an den Universitäten München, Aix-en-Provence sowie an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer. Rechtsreferendariat in Bayern und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk. Seit 1997 beim Deutschlandradio, zunächst als rechtspolitischer Korrespondent in Karlsruhe. Ab 1999 zunächst politischer Korrespondent in Berlin, dann Abteilungsleiter bei Deutschlandradio Kultur. 2008 bis 2012 Chefredakteur des Deutschlandfunk in Köln. Seitdem Leiter des Hauptstadtstudios Berlin sowie des Studios Brüssel.

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