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StartseiteUmwelt und VerbraucherTreibstoff der Zukunft13.05.2005

Treibstoff der Zukunft

Baubeginn für die erste öffentliche Biogastankstelle

Autofahren mit nachwachsenden Rohstoffen - im Wendland beginnen die Bauarbeiten für die erste öffentliche Biogastankstelle. Renate Künast beteiligt sich heute Nachmittag daran mit dem ersten symbolischen Spatenstich. Nachwachsende Rohstoffe in den Tank - für Landwirte kann das eine Einkommensalternative sein. Für Autofahrer eine Möglichkeit, preiswerteren Treibstoff zu tanken.

Von Karsten Schulz

Hier könnte der Treibstoff herkommen: Biogasanlage bei Samswegen (AP)
Hier könnte der Treibstoff herkommen: Biogasanlage bei Samswegen (AP)

Es ist der Einstieg in ein neues Zeitalter des Gasantriebs: Im kleinen Ort Jameln im Kreis Lüchow-Dannenberg entsteht Deutschlands erste Biogas-Tankstelle. Im Herbst will die Raiffeisen-Warengenossenschaft Jameln, kurz RWG, die Aufbereitungsanlage in Betrieb nehmen. 300.000 Euro kostet die Anlage inklusive einer Zapfsäule. Der Verein "Region Aktiv Wendland/ Elbetal" übernimmt ein Drittel der Kosten. Michael Wedler, Regionalmanager von "Region Aktiv":

" Region Aktiv ist Förderprogramm des BM Umwelt, Ernährung, Landwirtschaft mit dem Ziel, neue Wege in der ländlichen Entwicklung zu gehen. Beste Einkommensperspektiven für Landwirtschaft bestehen im Bereich Bio-Energie. Wir wollen einen Schritt weitergehen und aus Biogas als Treibstoff aufbereiten und wie Erdgas an Tankstellen verkaufen. "

Um den Aufbau des Erdgas-Tankstellennetzes in Deutschland kümmern sich die örtlichen Gasversorger. Die in Lüchow-Dannenberg zuständige Avacon unterstützt das Biogasprojekt als Kooperationspartner, weil sie ihr eigenes Erdgas nicht als Treibstoff anbieten kann. Avacon-Vertriebsleiter Reinhard Hunger:

" Unser Erdgas ist zwar qualitativ okay; aber der Brennwert ist für Gasantrieb zu niedrig, um die Reichweiten (und die Akzeptanz beim Verbraucher) zu erreichen. Mit Biogas wäre es möglich, den Bedarf abzudecken."

Auch Biogas hat, wenn es aus der Biogasanlage kommt, einen zu niedrigen Methangehalt. In der Aufbereitungsanlage durchläuft es einen Flüssigfilter, der das Methan durchlässt, aber andere Gase - hauptsächlich Kohlendioxid - absorbiert. Anschließend wird das nahezu reine Methan auf 200 bar verdichtet und kann getankt werden.

Dass die erste öffentliche Biogastankstelle ausgerechnet in Jameln entsteht, hat laut Michael Wedler von "Region aktiv" mehrere Gründe:

" Es gibt diese Zusammenarbeit mit der RWG: Die wollen die Biogastankstelle an ihrer bestehenden herkömmlichen Tankstelle an einer Bundesstraße errichten und bauen ohnehin gerade eine Biogasanlage. Und sie können auch landwirtschaftliche Maschinen auf Gas-Betrieb umrüsten."

Anders als für ökologisch erzeugten Strom ist der Absatz von Biogas nicht durch das Erneuerbare Energien-Gesetz garantiert. Daher wird auch die RWG den Großteil des erzeugten Biogases zu Strom machen. Etwa 10 Prozent sollen zu treibstofffähigem Gas aufbereitet werden. Das reicht nach Worten von RWG-Geschäftsführer Hans-Volker Marklewitz für bis zu 20 Autotankfüllungen pro Tag. Wie herkömmliches Erdgas soll auch das Biogas etwa 75 Cent pro Kilogramm kosten. Für die RWG ergebe sich unterm Strich durch Verstromung und Biogas-Aufbereitung eine Null-Summe. Aber schließlich solle vor allem gezeigt werden, dass das Prinzip funktioniert, sagt auch Michel Wedler von "Region aktiv". In der Ökobilanz liege Biogas jedoch ganz weit vorn:

" Biomasse entsteht durch Energiepflanzen wie Stroh, Roggen, Mais. Die Pflanzen von einem Hektar Ackerland würden - umgewandelt und aufbereitet zu Biogas - für einen Pkw eine Reichweite von 60.000 km bedeuten."

Nach dem Boom von Biogasanlagen zur Stromgewinnung auf landwirtschaftlichen Höfen in Lüchow-Dannenberg bietet die Aufbereitung in treibstofffähiges Gas möglicherweise neue Chancen: Die Aufbereitungsanlagen sind für den dezentralen Einsatz gedacht. Für das Ziel der Gaswirtschaft, bis 2008 auf dem Land alle 25 Kilometer eine Gastankstelle zu errichten, wären sie daher durchaus von Bedeutung.

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