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StartseiteVerbrauchertippWas kann, was darf, was muss?10.05.2017

TrinkgeldkniggeWas kann, was darf, was muss?

Im Urlaub schick essen gehen oder an der Bar einen Cocktail trinken gehört einfach dazu. Aber wie viel Trinkgeld ist beim Bezahlen der Rechnung eigentlich angemessen? Je nach Urlaubsland sind die Gewohnheiten sehr unterschiedlich und können gelegentlich beim Bezahlen zu peinlichen Situationen führen.

Von Karsten Zummack

Ein Teller mit Trinkgeld. (picture alliance / dpa / Foto: Federico Gambarini)
Wer auf Reisen Trinkgeld gibt, sollte die landesüblichen Geflogenheiten kennen. (picture alliance / dpa / Foto: Federico Gambarini)
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Souvlaki, Ouzo, dezente Sirtaki-Klänge: In der Berliner Taverne Estiatorion Jevssis genießen die Gäste ein Stück Mittelmeer. Das Geld sitzt da natürlich locker, viele runden beim Bezahlen den Rechnungsbetrag großzügig auf. Dabei wäre das in Griechenland selbst so unüblich, sagt Wirtin Chrissoula Kleftaki.

"Da würde der Grieche erstmal auszahlen lassen und dann legt man – was man so an Bedürfnis hat – auf den Tisch."

Der Kellner wird sich beim Abräumen über das Trinkgeld freuen. Also nach dem Bezahlen die Münzen oder Scheine einfach liegen lassen! Das Gleiche gilt für die Türkei, Spanien, Frankreich oder Portugal.

Gemeinsamkeiten gibt es in diesen Ländern nicht nur in der Frage, wie das Trink-Geld gegeben wird, sondern auch wie hoch es ausfallen sollte. Die Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes, Ellen Madeker:

"Als Faustregel würde ich sagen: Wer so um die zehn Prozent liegt, gerne auch mal ein bisschen drüber, macht sich sicherlich keine Feinde – ganz im Gegenteil."

Wenn das Personal das Trinkgeld mal freundlich ablehnt, sollte man das als Urlauber akzeptieren – natürlich auch in Italien.

Ob in der Toskana, in Rom oder Venedig – zum Dolce Vita gehört ein gutes Essen einfach dazu. Wer dort nach leckerer Pizza oder Pasta die Rechnung studiert – dem bleibt womöglich der letzte Bissen im Hals stecken. Dort taucht nämlich oft der Posten "Coperto" auf.

"Coperto ist ein Betrag, mit dem die Nutzung von Geschirr, von Besteck, also von Tischwäsche, aber eben auch von Brot zum Beispiel abgedeckt wird. Und je teurer das Restaurant, desto teurer ist auch das Coperto. Das heißt aber nicht unbedingt, dass ein Trinkgeld nicht erwartet wird. Es kann aber natürlich etwas geringer ausfallen."

Noch etwas umfassender als das "Coperto" bei den Italienern ist die "Service Charge" bei den Briten. Wenn in Großbritannien auf der Rechnung dieser Begriff auftaucht, ist das Trinkgeld bereits unfreiwillig bezahlt und komplett erledigt.

In den USA ein absolutes Muss

Ein Muss ist das Trinkgeld, der sogenannte "Tip", dagegen in den Vereinigten Staaten, erklärt Ellen Madeker vom Reiseverband.

"In den USA sind ja die Löhne im Dienstleistungsbereich und insbesondere in den Restaurants deutlich niedriger als bei uns. Das gilt halt insbesondere für das Servicepersonal, für die Kellner und so weiter. Daher würde ich auf jeden Fall noch was drauflegen. Also üblich ist durchaus eine Range von zehn bis 20 Prozent."

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In Skandinavien eher unüblich

Wer dem Kellner zusätzlich Geld in die Hand drückt, dürfte eher ungläubige Blicke ernten, sagt der Leiter des Berliner Reisebüros "Nordic Travel Team", Sönke Jacobs.

"In Skandinavien ist es überhaupt nicht üblich, Trinkgelder zu geben. Die Mitarbeiter der Hotels oder Restaurants verdienen ein sehr gutes Geld. Und dementsprechend braucht man auch nicht Trinkgeld zu geben. Es sei denn, man möchte es."

Als komplett trinkgeldfreie Zonen konnten sich Japan und China behaupten. Dort gilt die Annahme von Trinkgeld sogar als regelrecht würdelos. Ein Dankeschön und ein Lächeln genügen.

 

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