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StartseiteEuropa heuteMondlandschaft statt Wassersport15.01.2018

Trockenheit in SpanienMondlandschaft statt Wassersport

2017 war in Spanien mit einer Durchschnittstemperatur von fast 17 Grad das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen 1965. Die Folge: Ernteausfälle, Smogalarm in den Großstädten und schwitzende Urlauber. Zudem wächst die Sorge, Wasser könnte großflächig rationiert werden.

Von Hans-Günter Kellner

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Das ausgetrocknete Bett des Flusses Tejo in der Provinz Guadalajara, Spanien, am 16. Dezember 2017. (imago/Manu Reino)
Das Flussbett des Tejo nahe der Ortschaft Sacedón in der spanischen Provinz Guadalajara. Sacedón lebte einst von den Urlaubern, doch den leeren Stausee wollen nur wenige besuchen. (imago/Manu Reino)
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Bis zum Wasser ist es weit beim Stausee von Entrepeñas. Lange fährt Ricardo Ortega mit seinem Geländewagen vom Dorf Sacedón durch den ausgetrockneten See, dorthin, wo er vor kurzem noch die Anlegestelle für seinen Bootsverleih hatte. Zu Beginn der Saison, im März, legten hier noch Segel- und Motorboote an, sagt er, während er mit festen Stiefeln über den staubigen Boden läuft.

"Bis hier oben stand das Wasser. Das waren leicht zehn, zwölf Meter bis dort nach unten, wo jetzt der Wasserspiegel ist. Alles ausgetrocknet. Eine Wüste. Das  war alles voller Wasser."

Landwirte vor dem Ruin

Das Meer von Kastilien. So wurde einst der enorme Stausee von Entrepeñas beschrieben. Doch wo einst ein Anlegesteg im Wasser lag, geht es steil bergab. Der Stausee führt nur noch an wenigen Stellen Wasser, hat weniger als zehn Prozent seines bisherigen Volumens. Vor einem Jahr war es noch mehr als doppelt so viel. Daran hat auch der jüngste Regen nichts geändert. Für den Bootsverleiher eine Katastrophe:

"In diesem Jahr wurde die Weinernte vorverlegt. Normalerweise hätten wir im Herbst noch ein paar Gewitterfronten haben müssen. Dieses Jahr nicht. Irgendetwas passiert mit dem Wetter. Ich weiß nicht was, ich bin kein Wissenschaftler. Nüchtern betrachtet ist das eine Katastrophe. Wir sind ruiniert."

Den Ruin fürchtet auch Chema Kosca. Der Boden sei ausgetrocknet, sagt der kräftige Landwirt und gräbt mit den Schuhen darin.

"Schau diese Oliven hier. Sie sind klein, schrumpelig. Das macht die Trockenheit. Wenn es regnen würde, würden sich die Olivenbäume schnell erholen. Aber sogar der Morgennebel bleibt aus. Alles ist trocken. Hier ist es nur kalt, das macht alles nur noch schlimmer."

Muss das Wasser rationiert werden?

Doch die Kälte wechselt sich auch mit ausgesprochen warmen Nachmittagen ab. So schlagen die Bäume jetzt auch neue Triebe aus. Insekten fliegen umher.

"Früher dachte ich, das mit dem Klimawandel ist Blödsinn. Das Wetter war immer schon zyklisch. Immer gab es mal ein trockenes Jahr, aber so viele hintereinander? Zuletzt mussten wir Lüfter an den Erntemaschinen installieren, weil das Hydrauliköl im November zu heiß wurde. Jeden Tag sind die Leitungen gerissen."

Sacedón lebte einst von den Urlaubern, doch den leeren See wollen nur wenige besuchen. So schließen Restaurants, Hotels, Geschäfte. im Rathaus, berichtet Bürgermeister Francisco Pérez von sinkenden Einwohnerzahlen. Schuld an der Misere habe jedoch nicht nur die Trockenheit. Denn vom Stausee führt auch eine 400 Kilometer lange Leitung an die Mittelmeerküste.

"80 Prozent des Wassers, das hier entnommen wird, ist für die Bewässerungslandwirtschaft an der Küste. Es hat sich dort ein ganzer Wirtschaftszweig ausgebreitet, mit einem Rohstoff, den es dort eigentlich nicht gibt. Es entstehen dort auch immer mehr Siedlungen für Urlauber. Die Nachfrage nach Wasser erhöht sich also noch. Wir sind in einem Teufelskreislauf. Die Regierung muss da die Notbremse ziehen."

Es bleibt ihr auch gar nichts anderes übrig. Das Wasserreservoir ist ausgeschöpft. Und nichts deutet darauf hin, dass es sich jetzt im Winter auffüllt.

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