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StartseiteCorsoWahre Verbrechen als Quotenhit30.08.2017

True-Crime-TVWahre Verbrechen als Quotenhit

Jede Staffel der Erfolgsserie "American Crime Story" schaut auf ein besonderes Kapitel amerikanischer Kriminalfälle: den Fall O.J. Simpson, den Mord an Modemacher Gianni Versace, den katastrophalen Hurrikan Katrina. Die Fälle werden für das US-Fernsehen als Serienformat aufbereitet, denn: True Crime ist in.

Von Nicole Markwald

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Schauspielerin Sarah Paulson und Chefanklägerin Marcia Clark bei der Emmy-Preisverleihung im Januar 2017 (Bild: imago stock&people / Javier Rojas) (imago stock&people / Javier Rojas)
Sarah Paulson hat in "American Crime Story" die Rolle von Marcia Clark übernommen (imago stock&people / Javier Rojas)
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Als die Schauspielerin Sarah Paulson im vergangenen Jahr den Fernsehpreis Emmy entgegen nahm, hielt sie eine bemerkenswerte Dankesrede. Sie sagte, die Verantwortung, eine noch lebende Person zu spielen, sei enorm. Man wollte das Richtige tun, nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Person:

"The responsibility of playing a real person is an enormous one. You want to get it right, not for you, but for them."

Paulson hatte in der Serie "The People v. O. J. Simpson: American Crime Story" die Rolle der damaligen Chefanklägerin Marcia Clark im Mordprozess gegen den Ex-Footballstar O.J. Simpson übernommen. Sie sagte weiter:

"Je mehr ich über die wahre Marcia Clark erfuhr, nicht diese zweidimensionale Schablone, die uns damals in den Medien präsentiert wurde, sondern die hart arbeitende, superschlaue zweifache Mutter, die jeden Morgen aufgestanden ist, um ein ungeheuerliches Verbrechen zu ahnden, desto klarer wurde mir, wie oberflächlich und nachlässig ich und der Rest der Welt sie damals beurteilt haben. Und ich freue mich, hier heute vor allen stehen zu können und mich dafür zu entschuldigen."

"Es ist mein Job, eine Meinung zu haben"

In zehn Teilen hat Produzent Ryan Murphy den Fall O.J. Simpson seziert - und wieder mal eine Erfolgsserie geliefert. Murphy steckt hinter der Musical-Serie "Glee" oder der Horror-Miniserie "American Horror Story". In der Serie "American Crime Story" dagegen geht es um wahre Fälle, die die US-Gesellschaft in Atem gehalten haben - wohl keine so sehr wie der Mordprozess und der Freispruch von Simpson. Die Serie basierte auf einem Buch - direkten Kontakt zu den echten, noch lebenden Personen meidet Murphy, wie der dem Branchendienst "The Hollywood Reporter" erzählte:

"Ich mache das explizit nicht. Ich halte das für sehr wichtig. Wir machen keinen Dokumentarfilm, sondern ein Doku-Drama. Hier trifft Geschichte auf Haltung. Es ist mein Job und der meiner Schauspieler, eine Meinung zu haben."

"Die perfekte Geschichte"

Zwei weitere Serien hat Murphy zur Zeit in Arbeit: in einer will er der Lage nach dem Hurrikan Katrina in New Orleans nachspüren, die zweite wird zurzeit in Miami Beach gedreht, am Originalschauplatz des Verbrechens. 1997 wurde hier der Designer Gianni Versace von einem Serienmörder erschossen. Der Venezolaner Édgar Ramírez spielt Versace, gegenüber dem Magazin Entertainment Weekly sagte er:

"Die Geschichte hat alles: Sex, Politik, Gewalt, Sinnlichkeit, Schönheit, Mode - es ist die perfekte Geschichte."

Der Sänger Ricky Martin spielt den damaligen Lebensgefährten von Versace, Penélope Cruz seine Schwester Donatella. 2018 kommt "The Assassination of Gianni Versace: American Crime Story" ins US-Fernsehen.

"Die Zuschauer bekommen einen tiefen Einblick"

Nacherzählte wahre Kriminalfälle waren im US-Fernsehen schon immer populär. Doch Serien wie diese oder "Manhunt: Unabomber", in der in acht Folgen der Fall des als Unabomber bekannt gewordenen Mathematikers Ted Kaczynski untersucht wird, gehen noch weiter - sagt Sam Adams. Er schreibt unter anderem für das Rolling Stone Magazine:

"Das Publikum gewöhnt sich an diese längeren Erzählformen: sechs Stunden oder zehn oder 13 - es macht möglich, dass das Thema viel tiefergehend behandelt werden kann als das zum Beispiel in einem Zwölf-Minuten-Stück in einer Magazinsendung möglich ist. Hier bekommen die Zuschauer einen tiefen Einblick wie Kriminalfälle gelöst werden, wie die Anklage funktioniert, wie im Gericht über Schuld oder Unschuld entschieden wird."

Möglich gemacht haben das Serien- und Podcast-Erfolge wie "Making a Murderer" auf Netflix oder "Serial", der Macher des Podcasts "This American Life". Neue Ausspielwege haben somit dem alten, linearen Fernsehen neues Leben eingehaucht.

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