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StartseiteKommentare und Themen der WocheVon Außenpolitik nichts verstanden24.05.2018

Trump sagt Koreagipfel abVon Außenpolitik nichts verstanden

US-Präsident Trump glaubt, nur mit maximalem Druck, Beleidigungen und Erpressungsversuchen seine Forderungen durchsetzen zu können, kommentiert Martin Ganslmeier. Aber Außenpolitik funktioniere nun mal nicht nach den Macho-Regeln der New Yorker Immobilien-Haie.

Von Martin Ganslmeier

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Donald Trump und Kim Jong Un auf Fernsehbildschirmen (AP)
Martin Ganslmeier über Trump: "Erst die Hausaufgaben machen, dann an den Nobelpreis denken - das ist die richtige Reihenfolge, nicht umgekehrt" (AP)

US-Präsident Donald Trump sah sich schon als Friedensnobelpreisträger. Es wurden bereits Gedenkmünzen für den historischen Gipfel in Singapur geprägt. Gleichzeitig versprach Trump, mit seiner Politik des maximalen Drucks werde er für eine "komplette, überprüfbare und unumkehrbare Denuklearisierung" Nordkoreas sorgen. Einen Deal, der deutlich besser sei als das Iran-Atomabkommen seines Vorgängers Obama.

Die Warnungen der Experten wurden ignoriert

Die Warnungen erfahrener Nordkorea-Experten ließ Trump nie gelten. Das hat sich jetzt gerächt. Seit Wochen wiesen Kenner Nordkoreas darauf hin, dass Machthaber Kim Jong-un unter Denuklearisierung etwas ganz anderes versteht als Donald Trump: eben keine schnelle und komplette Aufgabe seiner Atomwaffen, sondern allenfalls einen allmählichen Prozess des gegenseitigen Gebens und Nehmens. Rückschläge und Täuschungsmanöver inbegriffen, so wie es auch frühere US-Präsidenten schmerzlich erfahren mussten.

Trumps Brief an Kim Jong-un zeigt, wie schwer ihm die Absage des Gipfels fiel. Dass er nun die Notbremse ziehen musste, daran ist er jedoch selbst Schuld. Als Gründe verweist das Weiße Haus auf Nordkoreas beleidigende Äußerungen über Vizepräsident Mike Pence, sowie Nordkoreas Drohung mit einer "nuklearen Machtprobe".

Die diplomatische Abrissbirne John Bolton

Dabei war es Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton, der vor knapp zwei Wochen Nordkorea vor den Kopf stieß. Der Deal mit Nordkorea orientiere sich am Vorbild Libyens, diktierte Bolton den Nordkoreanern. Bolton hätte wissen müssen, dass es für Kim Jong-un kein abschreckenderes Beispiel gibt als das Schicksal des libyschen Führers Gaddafi. Dieser gab erst sein Atomprogramm auf und wurde später gestürzt und getötet.

Wer wie Trump und Bolton andere in die Ecke drängt und glaubt, nur mit maximalem Druck und einer Pistole auf der Brust seine Forderungen durchsetzen zu können, der hat von Außenpolitik nichts verstanden. Nun zeigt sich auch, wie verheerend es war, dass Trump auf den Sachverstand seines Außenministeriums verzichtet. Dort gab es fähige Experten, die jahrzehntelange Erfahrungen mit Nordkorea haben.

Trump muss nachsitzen

Doch Trump sieht sich als den besseren Dealmaker. Erst beschimpfte er Kim lange Zeit. Dann, nach seiner spontanen Gipfelzusage, lobte er Nordkoreas Machthaber fast wie seinen besten Freund. Außenpolitik funktioniert jedoch nicht nach den Macho-Regeln der New Yorker Immobilien-Haie. Ein Gipfel muss sorgfältig vorbereitet und auf Erfolgsaussichten geprüft werden, bevor der Präsident zusagt.

So gesehen ist die Absage eine gute Nachricht. Wenngleich es vor allem für Südkoreas Präsidenten ein bitterer Rückschlag ist. Denn er war es, der das Tauwetter auf der koreanischen Halbinsel erst mühsam ermöglicht hat. Donald Trump aber muss lernen: Erst die Hausaufgaben machen, dann an den Nobelpreis denken - das ist die richtige Reihenfolge, nicht umgekehrt.

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