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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine schockierende Zäsur16.08.2017

Trumps Bekenntnis zu RechtsaußenEine schockierende Zäsur

In einer atemberaubenden Kehrtwende habe Donald Trump die verspätete, aber politisch korrekte Erklärung zu den Ereignissen in Charlottesville vom Tisch gefegt, meint Thilo Kößler. Trump treibe die innere Spaltung des Landes voran, als gelte es, Amerika zurück in die Zeiten des Bürgerkriegs zu führen.

Von Thilo Kößler

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U.S President Donald Trump looks on during a meeting with President Moon Jae-in of the Republic of Korea in the Oval Office of the White House in Washington, DC, on June 30, 2017. US-Präsident Donald Trump bei einem Treffen mit dem koreanischen Präsidenten Moon Jae-in im Weißen Haus am 30. Juni 2017. (dpa / Olivier Douliery)
Während viele Amerikaner über Trumps Äußerungen zu Charlottesville schockiert sind, bekommt der US-Präsident Lob vom ehemaligen Chef des Ku-Klux-Clan. (dpa / Olivier Douliery)
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Donald Trump kann sich regen Zuspruchs erfreuen: "Danke, Präsident Trump, für Ihre Ehrlichkeit und ihren Mut, die Wahrheit über Charlottesville zu sagen". So oder ähnlich klingen die Kommentare, die nach dieser skandalösen Pressekonferenz aus einem Lager kommen, aus dem man am liebsten gar nichts hören würde. Am wenigsten aber Lob. Der zitierte Dank an Donald Trump etwa stammt vom ehemaligen Chef des rassistischen Ku-Klux-Clans.

In einer atemberaubenden Kehrtwende hat Donald Trump die verspätete, aber politisch korrekte Erklärung zu den schlimmen Ereignissen in Charlottesville vom Tisch gefegt und revidiert. Sie war ihm von einem erschrockenen Beraterstab in den Teleprompter diktiert worden, nachdem die Wogen der Kritik an seiner ersten Erklärung über ihm zusammengeschlagen waren.

Trump meint es wirklich so

Aber jetzt weiß die schockierte Öffentlichkeit: Donald Trump meint es wirklich so! Er hat sich gestern in New York selbst demaskiert – und mit seiner doppelten Schuldzuweisung an beide Seiten in der Front der Straßenschlachten jedes politische und moralische Augenmaß vermissen lassen. Er machte auf der Seite des rechtsextremen Mobs, der Naziparolen grölend, mit Fackeln bewehrt und mit Baseballschlägern bewaffnet durch die Straßen zog, auch "anständige Leute" aus. Was für eine Verharmlosung der Gewalt! Was für eine politische Blindheit! Was für eine moralische Entgleisung des amerikanischen Präsidenten!

Allerdings zeigen Trumps Provokationen eine bemerkenswerte Konsequenz. Erst hat Donald Trump die ultranationalistische Altright-Bewegung politisch hoffähig gemacht, indem er ihre Exponenten ins Weiße Haus holte. Nun hat er auch noch dieser kruden rechtsextremen Mischung aus Ku-Klux-Clan-Leuten, Neonazis und anderen Rassisten den präsidialen Segen erteilt. Kein Wunder, dass sie Oberwasser haben. Kein Wunder aber auch, dass das andere, das werteorientierte Amerika diesen Auftritt Donald Trumps als schockierende Zäsur erlebt hat.

Eigentlich müsste jetzt die offene Revolte losbrechen

Denn auch mit seinen gefährlichen historischen Vergleichen – einer absurden Analogie zwischen dem Konföderiertengeneral Robert E. Lee und den amerikanischen Gründungsvätern George Washington und Thomas Jefferson – hat Donald Trump tief an der amerikanischen Seele gerührt. Er hat in verantwortungsloser Weise die schmerzlich unvereinbaren Erinnerungskulturen der verschiedenen politischen Lager gegeneinander ausgespielt und für seine Zwecke nutzbar gemacht. Er hat sich damit einmal mehr als Spalter, Giftmischer und Brandstifter betätigt. Donald Trump treibt die innere Spaltung des Landes mit einer Energie voran, als gelte es, Amerika zurück in die Zeiten des Bürgerkriegs zu führen.

Eigentlich müsste jetzt unter den Republikanern und in seinem Beraterstab die offene Revolte losbrechen. Eigentlich müssten sich alle ein Vorbild an jenen Managern nehmen, die Donald Trump gerade reihenweise die weitere Zusammenarbeit versagen. Eigentlich müsste dieser Auftritt der Anfang vom Ende dieses Präsidenten sein.

Thilo Kößler, Korrespondent in Washington (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Thilo Kößler (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Thilo Kößler begann nach einem Geschichtsstudium seine Rundfunk-Laufbahn 1978 als Reporter im Studio Nürnberg des Bayerischen Rundfunks. 1987 wechselte er als Zeitfunk-Redakteur zum SDR nach Stuttgart und war von 1990 bis 1996 ARD-Hörfunk-Korrespondent für den Nahen Osten am Standort Kairo. Seit 1998 arbeitete er als Redakteur im Deutschlandfunk, zunächst im Zeitfunk, dann als Leiter der Europaredaktion. Ab 2007 war er Leiter der Abteilung "Hintergrund". Seit Juni 2016 ist er USA-Korrespondent von Deutschlandradio mit Sitz in Washington.

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