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StartseiteKommentare und Themen der WocheKein langfristiger politischer Ansatz, aber pragmatisch machbar20.05.2017

Trumps erste AuslandsreiseKein langfristiger politischer Ansatz, aber pragmatisch machbar

Anders als seine Vorgänger habe US-Präsident Donald Trump die Ziele der USA in der arabischen Welt deutlich niedriger gesteckt: Das saudische Königshaus soll vertraglich verpflichtet werden, den Terrormilizen des IS den Geldhahn abzudrehen. Das sei ein pragmatisch-machbarer Ansatz, kommentiert Thilo Kößler. Und deshalb durchaus erfolgversprechend.

Von Thilo Kößler

US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania Trump verlassen am 20.05.2017 am King Khalid International Airport in Riad (Saudi-Arabien) die Air Force One. (Evan Vucci/AP/dpa)
Donald Trump sollte bei seiner ersten Auslandsreise vor allem den Rat der Ex-US-Außenministerin Albright beherzigen: absolutes Twitter-Verbot, kommentiert Thilo Köß.er. (Evan Vucci/AP/dpa)
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Was für eine Woche – erschöpft sehnt sich das politische Washington nach einem ruhigen Wochenende, das ausnahmsweise wirklich einmal ruhiger werden könnte, weil Donald Trump zu seiner ersten Auslandsreise aufgebrochen ist. Aber bei diesem Präsidenten weiß man ja nie.

Das ist auch die Lehre aus der vergangenen Woche, die für das Weiße Haus zunehmend zum Albtraum wurde. Nach dem Rausschmiss von FBI-Chef Comey unter Angabe fadenscheiniger Gründe nahm die politische Achterbahn dort derart Fahrt auf, dass man schon befürchten musste, sie könnte aus der Kurve fliegen. Am Montag wurde bekannt, dass der Präsident möglicherweise streng geheime Informationen an Russlands Außenminister Lavrow weitergegeben hat. Am Dienstag wurde der Vorwurf laut, Trump habe versucht, bei FBI-Chef Comey die Einstellung des Verfahrens gegen seinen kurzzeitigen, weil politisch nicht mehr tragbaren Nationalen Sicherheitsberater Flynn zu erwirken. Am Mittwoch dann der Paukenschlag aus dem Justizministerium: Ein Sonderermittler soll den Fall Russlandaffäre übernehmen, der die Nation seit Wochen in Atem hält.

Dass ausgerechnet Robert Mueller, der verdiente ehemalige FBI-Direktor, der als absolut integer, unbestechlich und beinharter Ermittler gilt, diesen exponierten Posten übernehmen soll - diese Nachricht wirkte wie eine Beruhigungsspritze inmitten einer atmosphärisch aufgeheizten und politisch zugespitzten Situation. Alle applaudierten, mehr oder weniger laut. Nur einer quengelte herum – ausgerechnet der, der sich am meisten zurückhalten sollte, weil er Präsident ist und deshalb Respekt haben sollte vor der Autorität eines staatlich eingesetzten Sonderermittlers. Doch statt Demut zu zeigen, blieb Trump im Kampfmodus: Hexenjagd! Gemeinheit! Noch nie sei ein amerikanischer Präsident so schlecht behandelt worden wie er, lamentierte er.

Fast wie ein Gutachten für einen Jugendstrafprozess

Diese verräterischen Volten Donald Trumps legten die Diagnose "Panikattacke" nahe. Dies und der erneute Regelverstoß verleiteten die "New York Times" zu der Analyse: Dieser Präsident ist niemals erwachsen geworden. Er verhält sich wie ein Kind. Dieser – zugegeben: fast schon ehrverletzende – Befund aus der Edelfeder eines bekannten "New-York-Times"-Kolumnisten wurde so nüchtern begründet als handele es sich um ein Gutachten für einen Jugendstrafprozess. Nur ein paar Stichworte: Kindliche Unreife. Mangelnde Impulskontrolle. Fehlender Realitätssinn. Selbstbezogenheit mit deutlich eingeschränktem Empathie-Vermögen. Hunger nach Anerkennung.

An dieser journalistischen Diagnose der "New York Times" war vielleicht das Bemerkenswerteste, dass sie zwar diskutiert wurde. Aber gänzlich unwidersprochen blieb.

Das alles ist auch der Hintergrund für die Skepsis und Sorge, die den Präsidenten auf seiner ersten Auslandsreise begleiten. Es heißt, der Präsident sei intensiv vorbereitet worden. Das wäre schon mal beruhigend – Inkompetenz kann sich der Präsident auf dieser Reise nicht leisten. Sie führt ihn zuerst in den Nahen Osten, nach Saudi-Arabien und nach Israel. In eine ziemlich schwierige Region also mit langer, konfliktbeladener Vorgeschichte. Hier haben sich schon ganz andere Präsidenten die Zähne ausgebissen.

Ein erfolgsversprechender Ansatz

Vater Bush zum Beispiel, der versuchte, über die Befreiung Kuwaits die arabische Welt zu demokratisieren. Oder Bill Clinton, der solange verhandelte, bis das Oslo-Abkommen stand, ohne dass es jemals zum Frieden führte. Oder Sohn Bush, der wiederum zum Mittel des Krieges griff, bis alles noch viel schlimmer wurde. Und schließlich Obama, der erkannte: Alle Versuche, das Schicksal dieser Region von außen zu beeinflussen, sind zum Scheitern verurteilt, wenn die Beteiligten nicht von sich aus tätig werden.

Und nun will es ausgerechnet Donald Trump dort richten? Nach dem Motto: "I am the only one who can fix it?”. Womöglich gelingt ihm das. Die Ziele wurden nämlich deutlich niedriger gesteckt. Von einer Friedensinitiative ist keine Rede mehr. Stattdessen sollen das saudische Königshaus und die hinzugerufenen arabischen Staats- und Regierungschefs vertraglich darauf verpflichtet werden, den Terrormilizen des IS den Geldhahn abzudrehen. Das ist ein pragmatisch-machbarer, kein langfristig politisch-strategischer Ansatz. Und deshalb durchaus erfolgversprechend.

Eine schwierige Reise wird es trotzdem – denn ob in der arabischen Welt, in Israel, im Vatikan oder bei der Nato: Überall eilt dem amerikanischen Präsidenten ein Ruf voraus, der eben so ist, wie er ist: Verheerend.

Albrigths Rat an Trump: absolutes Twitter-Verbot

Das größte Risiko liegt, wie gesagt, in der Persönlichkeitsstruktur dieses Präsidenten. Die ehemalige Außenministerin Madeleine Albright gab Donald Trump bereits einen ganz praktischen Rat mit auf den Weg, das Spielzeug betreffend: Auf dieser Reise müsse absolutes Twitter-Verbot gelten.

Thilo Kößler, Korrespondent in Washington (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Thilo Kößler (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Thilo Kößler begann nach einem Geschichtsstudium seine Rundfunk-Laufbahn 1978 als Reporter im Studio Nürnberg des Bayerischen Rundfunks. 1987 wechselte er als Zeitfunk-Redakteur zum SDR nach Stuttgart und war von 1990 bis 1996 ARD-Hörfunk-Korrespondent für den Nahen Osten am Standort Kairo. Seit 1998 arbeitete er als Redakteur im Deutschlandfunk, zunächst im Zeitfunk, dann als Leiter der Europaredaktion. Ab 2007 war er Leiter der Abteilung "Hintergrund". Seit Juni 2016 ist er USA-Korrespondent von Deutschlandradio mit Sitz in Washington.

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