Die Nachrichten

Letzte Sendung hören:07:00 Uhr Nachrichten
schliessen

Deutschlandfunk24 Die Nachrichten

 
 
 
Nachrichten   
 
0:00
 
 
 
 

Nachrichten vertieft

Tschernobyl-Berichterstattung vor 30 JahrenDrei Tage nach der Katastrophe kaum Einzelheiten bekannt

Liquidatoren vor dem Atomkraftwerk Tschernobyl nach dem Super-GAU. (imago/Eastnews /Russia )
Liquidatoren vor dem Atomkraftwerk Tschernobyl nach dem Super-GAU. (imago/Eastnews /Russia )

"Im sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine hat sich ein schweres Unglück ereignet" - so lief vor etwa 30 Jahren die Berichterstattung über den Super-GAU im Deutschlandfunk an. Informationen gab es kaum, weil die UdSSR die Katastrophe so lange wie möglich geheim hielt. Ein Blick ins Audioarchiv von Deutschlandfunk und RIAS.

In den UdSSR-Medien wurde in den Tagen nach dem Super-GAU gar nicht berichtet, wie der damalige ARD-Korrespondent Johannes Grotzky sagte. Auch er hatte drei Tage nach der Explosion kaum Einzelheiten, sondern ging nur deshalb von einer Katastrophe aus, weil die sowjetische Regierung eine Kommission eingerichtet hatte, die "den Notleidenden alle notwendige Hilfe zukommen lässt und die Schäden beseitigt." Das sprach aus seiner Sicht dafür, dass etwas Schlimmes passiert sein musste.

Dennoch konnte die Sowjetunion die Nachricht auf Dauer nicht geheim halten. In Skandinavien wurde wenige Tage nach der Katastrophe eine deutlich erhöhte Radioaktivität gemessen, wie Stockholm-Korrespondent Georg Ring berichtete. Er erzählte zudem von Gerüchten, dass Omnibusse aus Kiew abgeordnet wurden, um Menschen rund um Tschernobyl aus der Gefahrenzone zu bringen. Ring schürte zudem Sorge vor dem "China-Syndrom", benannt nach dem gleichnamigen Film. Darin schmilzt ein US-amerikanischer Reaktor zusammen und durchdringt -"theoretisch natürlich", so Ring - die Erde bis nach China.

ARD-Korrespondent Grotzky berichtete zudem, dass er selbst sowjetischen Bürgern die Nachricht vom Reaktorunglück übermittelte. Vor dem 1. Mai bemühe sich die Regierung, gute Stimmung zu verbreiten. "Hier wird eine Verzögerungstaktik gespielt", so seine Einschätzung.

Auch wenn sowjetische Medien das Thema nicht aufgriffen, RIAS (Radio im amerikanischen Sektor) tat es. Der von der DDR bekämpfte Sender berichtete über Tschernobyl - wenn auch zunächst verhalten: "In einem Atomkraftwerk der ukrainischen Stadt Tschernobyl nördlich von Kiew hat sich ein Unglück erreignet, von dem auch Menschen betroffen worden sind", hieß es dort am Abend des 28. April 1986. 

In der Sendung sagte Grotzky, die Nachrichtenagentur TASS habe Minuten zuvor angefangen, Hintergründe über das Unglück zu liefern. Kurios dabei: Darin ging es nur über Unglücke in Atomkraftwerke in den USA. "Wahrscheinlich soll durch diese Mitteilungen relativiert werden, was hier im Land passiert ist", sagte Grotzky. "Da fasst man sich natürlich an den Kopf."

Weitere Beiträge von Deutschlandfunk und RIAS zum Atomunglück in Tschernobyl zum Nachhören:



(hba/tzi)

Mehr zum Thema

Nachrichtenportal