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StartseiteCampus & KarriereWie Studierende auf Pegida antworten18.01.2016

TU DresdenWie Studierende auf Pegida antworten

Woche für Woche demonstrieren Pegida-Anhänger in Dresden gegen die sogenannte Überfremdung Deutschlands. Das bekommen auch die Studierenden der TU Dresden zu spüren. Vor allem ausländische Studierende sind verunsichert. Andere wiederum wollen ein Zeichen setzen - nicht nur bei der montäglichen Gegendemo, sondern mit speziellen Programmen für Migranten.

Von Bastian Brandau

(picture alliance / dpa / Arno Burgi)
Die Fakultät für Informatik der Technischen Universität Dresden (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
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Die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek ist ein guter Gradmesser für den Fortschritt des Semesters. Je näher das Semesterende und damit die Prüfungen rücken, desto voller ist es in und vor dem grauen Kasten im Osten des Dresdner TU-Campus. Tim, Hendrik und Tim stehen vor der Bibliothek: Lern-Pause. Die drei studieren Geografie. Welchen Raum hat Pegida hier auf dem zehn Straßenbahnminuten vom Stadtzentrum entfernten Campus?

"Bekommt man jetzt eigentlich nichts von mit. Ich glaube aber schon, dass das eigentlich jeden beschäftigt, doch. Also es nervt einfach."

"Also es ist omnipräsent in Dresden, auf jeden Fall, aber wenn ich zu Haus das hör, dass mich auch Leute ansprechen, ah Dresden, Pegida, dann nehme ich das mit Humor."

"Das Gefühl, das so ein bisschen die Ratlosigkeit herrscht, weil man gar nicht weiß, was man dagegen machen soll. Weil, so ein paar Gegendemos fruchten, aber hat jeder jetzt die Zeit, da jeden Montag hinzugehen?"

Medienwissenschafts-Studentin Caro zumindest versucht es. Jeden Montag sei sie auf der Gegendemo, auch nach über einem Jahr.

"Ich merke auf jeden Fall, dass es abnimmt. Es wird so ein bisschen totgeredet. Viele sprechen darüber, aber es nimmt irgendwie ab, sich dafür zu engagieren."

Spürbare Pegida-Auswirkungen

"Pegida macht das Leben ein bisschen schwerer",

sagt Universitätssprecherin Kim-Astrid Magister. Denn internationaler Austausch ist Grundlage von Wissenschaft und Forschung. Und wenn Montag für Montag in der Stadt gegen Fremde gehetzt wird, hat das Auswirkungen für das akademische Leben in Dresden.

"Uns ist immer wieder wichtig, dass wir immer wieder zeigen, dass internationale Wissenschaftler und Studenten willkommen sind. Dass wir ein weltoffenes Klima hier in Dresden schaffen, dass wir zeigen, dass jeder willkommen ist. Dass wir auch zeigen, wie wir mit Flüchtlingen umgehen, zeigen, wie viele Menschen und Studierende unglaublich hilfsbereit sind gegenüber den Flüchtlingen und Menschlichkeit jeden Tag leben."

Denn etwa 1.000 Flüchtlinge leben auf dem Campus, in Turnhallen und der alten Mensa. Die Einrichtungen werden vom DRK betrieben, die TU spinnt ein dichtes Netz von Freiwilligen. Und und um den Campus herum.

"Die Schuhe, siehst du, es sind zwei. Die Schuhe."

Gemeinsam mit Zeret aus Eritrea sitzt Informatik-Student Bruno Oliveira im Jugendhaus Spike im Stadtteil Altstrehlen. Auf dem Bildschirm sind Objekte zu sehen, dann drei Vorschläge, wie diese auf deutsch heißen könnten. Auf Basis der Lern-Software Moodle hat der Informatik-Student Oliveira das Programm entworfen, an dem an diesem Tag drei Flüchtlinge ihr Deutsch verbessern.

"Jedes Modul beinhaltet mehrere Übungen zum Beispiel, wir haben uns gedacht, was ist wichtig als Flüchtling, wenn man in einem neuen Land ist. Das ist erst einmal wenn Sie nicht können, dass Sie sich vertraut machen mit Zahlen, mit Farben, dass Sie einen grundlegenden Wortschatz haben."

Dresden ist nicht nur Pegida

Drei Mal in der Woche findet der Kurs statt, die Flüchtlinge können alleine lernen, Freiwillige wie Bruno Oliveira unterstützen.

"Ich habe Deutsch vor fünf Jahren gelernt, hier in Dresden. Ich bin zwar kein Germanistikstudent, aber ich kenn mich ein bisschen damit aus, weil ich weiß, was sind die Sachen, die mir selbst Probleme bereitet haben. Und ich nehme das als Grundlage für den Kurs. O...A...I."

Zum Beispiel die Aussprache einzelner Buchstaben auf Deutsch, die in anderen Sprachen anders sein kann. Der Kurs arbeitet aber auch auf Grundlage von im Internet verfügbaren Übungen. 75 Flüchtlinge haben sich für das Programm registriert, auf das sie von überall zugreifen können.

Auch eine App gibt es. Jeder kann so nach seinem Tempo lernen, aber die regelmäßigen Kurstermine sind natürlich auch Gelegenheit, sich einfach nur besser kennenzulernen, sagt Bruno Oliveira.

"Dieser Austausch mit Flüchtlingen, Kulturen, ich habe viel gelernt. Ich fühle mich besser in Dresden. Also es macht mir Spaß, ich bin glücklich in Dresden zu sein. Dresden ist nicht nur Pegida. Das ist sehr wichtig für mich. Damit ich in Dresden weiterleben kann als Ausländer."

Mehr zum Thema finden Sie auch auf unserem Pegida-Portal.

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