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StartseiteVerbrauchertippWorauf es beim Gebrauchtwagenkauf ankommt23.03.2017

TÜV, Tacho, Rost und CoWorauf es beim Gebrauchtwagenkauf ankommt

Ob vom Händler oder von einer Privatperson: Beim Kauf eines Gebrauchtwagens ist der Anbieter wichtig. Denn Händler sind zumindest zu einer Sachmängelhaftung verpflichtet, Privatverkäufer können sich im Kaufvertrag davon befreien. Deshalb sollte man besonders genau hinschauen.

Von Annette Eversberg

Eine Frau überreicht einem Gebrauchtwagenaufkäufer am 19.05.2015 in Eichwalde, Brandenburg, die Papiere ihres alten Fahrzeugs und bekommt dafür Bargeld. Foto: Tim Brakemeier/dpa (picture alliance / dpa / Tim Brakemeier)
Beim Handel mit Gebrauchtwagen kommt es immer wieder zu Betrugsfällen. (picture alliance / dpa / Tim Brakemeier)
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Nicht ohne Fachberatung

Wichtig ist auch ein Blick in die Papiere: Passt der KFZ-Brief genau zum Fahrzeug? Wer darüber hinaus sicher sein will, ob der Gebrauchtwagen fahrtüchtig ist und keinen Unfall hatte, sollte das Fahrzeug von einem Fachmann überprüfen lassen. Kostenpunkt: etwa 100 Euro. Ulrich Heiden vom ADAC in Münster prüft die Papiere und schaut sich zunächst das Auto von außen an.

"Wenn das Auto kommt, dann hat es ja vorher schon einen Termin, da bitte ich die Leute, mit einem sauberen Auto da zu sein. Weil man dann Lackierung und alles besser überprüfen kann. Wir haben hier auch noch Lackdickenprüfer. Das heißt, ich kann die Lackdicke messen, und sobald die abweicht von der Norm, weiß man, dass hier ganz sicher gearbeitet wurde. Also ob ein Auto Reparaturspuren aufweist. Das sieht man hier ganz genau."

Kratzer oder Unfall

Solche Reparaturspuren an Türen oder Kotflügel könnten bedeuten: Das Fahrzeug hatte einen Unfall. Ob auch die Fahrsicherheit noch stimmt, stellt der Techniker schon bei der Einfahrt in die Prüfhalle fest.

"Dann haben wir erst einmal Prüfstände, die bei uns im Boden eingelassen sind, wo schon Stoßdämpfer, Bremsen geprüft werden. Schon beim Reinfahren, bevor das Auto auf der Hebebühne steht. Dann wird das Fahrzeug von unten angesehen. Undichtigkeiten, Rostbefall. Und dann wird eigentlich erst die Motorhaube aufgemacht, ob da alles so ist wie es sein sollte."

Reparaturen können kostspielig sein

Öl, Kühlerflüssigkeit, Bremsflüssigkeiten. Darauf achtet Ulrich Heiden ganz besonders:

"Dichtungen selber sind nicht teuer. Doch die Reparatur, um das einzubauen, das kostet manchmal sehr viel Geld. Leitungen, Wasserschläuche, Frostschutz. Das sind alles Bestandteile der normalen Prüfung."

Wichtig sind auch Antrieb und Lenkung: Haben sie zu viel Spiel, kann es bei hoher Geschwindigkeit sogar gefährlich werden? Auch die Reifen können dem Fachmann sagen, welche Geschichte der Gebrauchtwagen hatte.

"An dem Profilbild kann man sehen, ob der Reifen mit dem richtigen Luftdruck gefahren worden ist. Man kann sehen, ob die Achseinstellung stimmt. Wenn ein Reifen einseitig abgefahren ist, dann stimmt etwas mit der Spur nicht. Das kann man schon am Profilbild sehen."

Tachomanipulationen kommen häufig vor

Besonders kritisch sollte man bei der Kilometerleistung sein. Ist sie bei einem alten Wagen nicht besonders hoch, sollte man klären, ob bei den Inspektionen der Kilometerstand notiert wurde. Sind Sitzpolster, Schaltgriff oder Fußmatten und Pedalen stärker abgenutzt, als das bei 30.000 Kilometer sein kann? Gibt es frühere Fahrzeughalter, sollte man sie befragen. Bessere Prüfmöglichkeiten gibt es inzwischen für jüngere Gebrauchtwagen, die Daten über die Fahrzeugleistung speichern. Sven Bockstette, Verkaufsberater bei BMW.

"BMW schickt über die GPS-Karte, die wir im Fahrzeug haben, alle 1000 Kilometer den Kilometerstand nach München zum Hauptrechner hin. Wenn jetzt jemand den Kilometerstand ändert, schaue ich in die Fahrzeug-Historie rein und sehe sofort, dass der Kilometerstand dazu nicht passt."

Das gilt auch für andere Fahrzeughersteller, wie der ADAC herausgefunden hat. Einen Gebrauchtwagen sollte man aber auf jeden Fall erst kaufen, wenn man sich sicher ist, dass alles auch stimmt. Oder mögliche Reparaturen erschwinglich sind. Bleiben zu viele Zweifel, rät Ulrich Heiden vom ADAC:

"Dann sage ich, wenn Sie mich fragen, ob ich das Auto kaufen würde: in diesem Fall nein."

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