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Twitter-FehdeModeratorin wehrt sich - Trump legt nach

Die Fernsehmoderatoren Joe Scarborough (l.) und Mika Brzezinski. (AFP - Nicholas Hunt)
Die Fernsehmoderatoren Joe Scarborough (l.) und Mika Brzezinski haben ihren Urlaub verschoben, um Angriffe des US-Präsidenten Trump zu erwidern. (AFP - Nicholas Hunt)

Nachdem US-Präsident Donald Trump eine Moderatorin der Sendung "Morning Joe" wüst via Twitter beleidigt hat, hat sich die Betroffene nun im TV gewehrt. Die Journalistin Mika Brzezinski sagte, Trump scheine ein fragiles, ungeduldiges, kindliches Ego zu haben, besonders wenn es um Frauen gehe. Trump reagierte prompt.

Es sei beängstigend, dass der Präsident so schnell aus der Fassung gerate, sagte Brzezinski in der Sendung "Morning Joe". Das Weiße Haus behaupte, dass die MSNBC-Journalisten Trump angreifen würden. Das stimme nicht. "Wir berichten über seine Lügen. Wir sind verärgert, wenn er nicht die Wahrheit sagt, wenn er Menschen schikaniert", so Brzezinski, die gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Joe Scarborough das Morgenmagazin moderiert.

Trump hat laut Scarbrough Angst vor Frauen

Die beiden Moderatoren verschoben einen Urlaub, um heute Morgen in ihrer Show auf Trumps Angriff reagieren zu können. Scarborough sagte, Trump nehme Aussagen von Frauen viel persönlicher als von Männern und sei "sehr viel grausamer" zu ihnen. "Er greift Frauen an, weil er Angst vor Frauen hat."

Auch der Präsident selbst schaute offenbar zu. Er habe die "MorningJoe" zum ersten Mal seit langem geschaut und nannte sie "Fake News".

Trump hatte gestern auf Twitter an Brzezinski und Scarbourough gerichtet geschrieben: "Ich hörte, in der quotenschwachen Sendung 'Morning Joe' spricht man schlecht von mir (ich schaue das nicht mehr). Aber wie kommt es dann, dass die verrückte Mika mit dem niedrigen IQ mit gemeinsam mit Psycho Joe um Neujahr herum drei Abende in Folge nach Mar-a-Lago kam und darauf bestanden, Zeit mit mir zu verbringen. Sie hat schlimm geblutet von einer Schönheits-OP im Gesicht. Ich habe nein gesagt!"

MSNBC konterte ebenfalls per Twitter mit dem Kommentar: "Es ist ein trauriger Tag für Amerika, wenn der Präsident seine Zeit damit verbringt, zu mobben, zu lügen und schäbige persönliche Angriffe heraus zu posaunen, anstatt seinen Job zu machen."

Trumps Wutattacke wurde anscheinend durch Brzezinskis Äußerungen über seinen Führungsstil ausgelöst. Sie hielt ihm unter anderem vor, per Twitter über das äußere Erscheinungsbild von Menschen herzuziehen, ständig zu lügen, die Autorität seiner Mitarbeiter zu untergraben und sie als Bauernopfer zu missbrauchen.

Trumps "Fakten" scheinen zweifelhaft

Laut "Washington Post" sind zudem die Einschaltquoten der "Morning Joe" im laufenden Quartal so hoch wie nie zuvor und nicht, wie Trump behauptet, schlecht. Laut Joe Scarborough sind die beiden Moderatoren, die zudem verlobt sind, auch nicht nach Mar-a-Lago gefahren, um mit Trump Zeit zu verbringen, sondern um ihn zu interviewen. Zur Gesichts-OP sagten die Moderatoren heute, Trump habe über ein Facelifting gelogen. Allerdings habe Brzezinski etwas "Haut unter dem Kinn straffen lassen".

Eine Sprecherin des Weißen Hauses verteidigte den Präsidenten. Sie sagte, Trump sei niemand, der angegriffen werde und sich nicht wehre. Er bekämpfe lediglich Feuer mit Feuer. Er werde es nicht zulassen, sich den "liberalen Medien und den liberalen Eliten in den Medien und Hollywood oder irgendwo sonst mobben zu lassen". Am Abend folgte einer weitere Erklärung des Weißen Hauses. In dieser hieß es kurz und knapp, Trump sei "nicht zu weit gegangen". 

"Trumps schlimmste Tweets"

Viele Twitter-Nutzer warfen Trump Sexismus vor. Der Autor Matt Haig twitterte, dies seien die bislang schlimmsten Tweets des Präsidenten.

Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, sagte Trumps Äußerungen seien "offensichtlich nicht angemessen. Wir versuchen hier, die Tonlage und die Sachlichkeit der Debatte zu verbessern. Das hilft nicht gerade." Und Lindsey Graham, Senator und bekannt als Trump-Kritiker in den eigenen Reihen, twitterte: "Herr Präsident, Ihr Tweet steht für was, was in Amerika schief läuft und nicht für Amerikas Größe."

Kritik kam auch von vielen weiteren republikanischen Senatoren und Abgeordneten.

(vic/db)

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