Samstag, 16.12.2017
StartseiteKommentare und Themen der WocheDer unbequeme Freund30.11.2017

Twitter-Streit zwischen Trump und MayDer unbequeme Freund

Theresa May könne ihren neuen Freund aus Washington nur noch mit spitzen Fingern anfassen, kommentiert Friedbert Meurer im Hinblick auf die Twitter-Attacken Donald Trumps auf die britische Premierministerin. Ein Dilemma, denn in den Zeiten des Brexits brauche Großbritannien die Nähe der USA mehr denn je.

Von Friedbert Meurer

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Der US-amerikanische Präsident Donald Trump und die britische Premierministerin Theresa May sitzen zu Beginn der ersten Arbeitssitzung beim G20-Gipfel am 07.07.2017 in Hamburg nebeneinander. (picture alliance / dpa / John Macdougall)
Schlechte Stimmung: Theresa May kritisierte Donald Trumps islamfeindliche Tweets, die pampige Antwort ließ nicht lange auf sich warten (picture alliance / dpa / John Macdougall)
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Islamfeindliche Tweets Trump legt sich mit May an

Zu den Eigenarten von Engländern zählt, dass es eine ganze Weile dauert, bis man zu ihnen nach Hause eingeladen wird. Ein wenig Distanz ist immer ratsam. Donald Trump dagegen hatte die britische Premierministerin Theresa May gleich nach dem ersten Treffen zu sich eingeladen. May ließ Trump überstürzt ausrichten, dass die Queen ihn gerne mit allen Ehren als Staatsgast empfangen würde.

Mit der goldenen Kutsche wird es nichts

Der Wunsch, einmal mit der Queen in der goldenen Kutsche durch London zu fahren, wird Donald Trump verwehrt bleiben. Trump pfeift auf alle Höflichkeitsformen, an denen Engländern so viel liegt - so wird das nichts mit der Kutsche. Nach britischen Maßstäben müsste er alleine schon wegen seiner sexistischen Bemerkungen zurücktreten, die im Wahlkampf bekannt wurden. Und wilde Beschimpfungen gegen Muslime zeugen im vereinigten Königreich mit seinen vielen Einwanderern beispielsweise aus Pakistan auch nicht gerade von guten Manieren.

Normalerweise schweigen Engländer selbst dann höflich, wenn sich ein Rüpel daneben benimmt, und strafen ihn allenfalls mit pikierten Blicken. Diesmal hat die Premierministerin klar vernehmlich ausgesprochen, dass sie Trumps nächtliche Tweets absolut für unangebracht hält.

Staatsbesuch mit Pomp undenkbar

Offiziell bleibt die Einladung an den Staatsgast aus den USA nach London bestehen. Die Formen werden in London natürlich gewahrt. Bis auf weiteres aber ist ein solcher Staatsbesuch mit allem Pomp undenkbar, er würde zum Fiasko vor allem für Donald Trump. Das britische Unterhaus hat ihm schon vor längerer Zeit bedeutet, dass man ihn als Redner für unqualifiziert hält. Hunderttausende Demonstranten würden sich im Hyde Park versammeln, um gegen seinen Besuch zu protestieren.

Strafzölle aus den USA

Das Schlimme für die britische Regierung und Theresa May daran ist, dass sie die Nähe zu Washington eigentlich brauchen, gerade in Zeiten des Brexit. Aber im Weißen Haus gilt nur die Devise "America first". Der Beauftragte der USA für Handelsfragen hat schon klar gemacht, dass Großbritannien selbstverständlich alle Standards der USA in Agrarfragen zu akzeptieren hat. Dem Flugzeughersteller Bombardier werden von den USA Strafzölle aufgebrummt, auch wenn das Arbeitsplätze in Belfast gefährdet. Und dass auch London die Sanktionen gegen den Iran lockern will, darüber setzt sich ein Donald Trump mühelos hinweg.

Theresa May kann ihren neuen Freund aus Washington nur noch mit spitzen Fingern anfassen. Die Herzogin von Cornwall, Camilla, die Ehefrau von Prinz Charles, hat erst vorgestern betont, in diesen schweren Zeiten sei jede gute Nachricht hochwillkommen. Sie meinte damit die anstehende Hochzeit von Prinz Harry. Das ist wenigstens ein Lichtblick in diesen kalten und düsteren Tagen in London.

Friedbert Meurer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Friedbert Meurer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Friedbert Meurer, Jahrgang 1959, studierte Germanistik und Geschichte in Mainz und Bielefeld mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. 1986/87 gehörte er zum Gründungsteam des Privatradios RPR in Koblenz und volontierte dann 1988/89 beim Deutschlandfunk. 1995 bis 1999 arbeitete Meurer als Parlamentsreporter in Bonn mit dem Schwerpunkt Außenpolitik. Bis 2015 war er Ressortleiter Zeitfunk und moderierte u. a. "Informationen am Morgen". Seit August 2015 ist er Korrespondent von Deutschlandradio in London.

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