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StartseiteSport am WochenendeTygart erteilt Nachhilfe im Anti-Doping-Kampf30.01.2013

Tygart erteilt Nachhilfe im Anti-Doping-Kampf

Chef der US-Antidopingbehörde erklärt Parlamentariern effektive Dopingverfolgung

Mit Travis Tygart war der Mann im Sportausschuss des Bundestags zu Gast, der mit Akribie Lance Armstrong zu Fall brachte. Erstmals seit langer Zeit ließen die Parlamentarier wieder die Öffentlichkeit zu, wenn auch nur teilweise.

Von Robert Kempe

Der Vorsitzende der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA, Travis Tygart,  vor Beginn einer Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages in Berlin (picture alliance / dpa / Marc Tirl)
Der Vorsitzende der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA, Travis Tygart, vor Beginn einer Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestages in Berlin (picture alliance / dpa / Marc Tirl)

Im Zentrum von Tygarts Ausführungen standen noch einmal die Ermittlungen gegen Lance Armstrong und dessen Radteam U.S.-Postal. 550.000 Dollar kosteten die USADA bisher die Ermittlungen, so Tygart. Wenn man bedenkt, wie viele Milliarden im Sportbusiness umgesetzt werden, ist diese Summe für das Aufdecken eines Sportbetrugs dieses Ausmaßes vergleichsweise ein Betrag aus der Portokasse.

"Das ist für alle zwölf Fälle, die das Radteam U.S.Postal betreffen. Neun davon konnten von uns abgeschlosssen werden, drei Ermittlungsverfahren sind noch immer anhängig. Wir haben bei der USADA wenig Personal, aber wir sind effektiv und wollen weiter erfolgreich sein."

So Travis Tygart. 14,4 Millionen Dollar haben die US-Dopingbekämpfer als Jahresbudget zur Verfügung. Zum Vergleich: Die deutsche NADA muss mit gut der Hälfte auskommen. Doch wichtiger als Geld, so Tygart, sei die Unabhängigkeit im Kampf gegen Doping. Diese sieht er hierzulande nicht durchgängig gegeben.

"Es ist enttäuschend, dass einzelne Sportverbände in Deutschland immer noch selbst Disziplinarverfahren gegen eigene Athleten durchführen. Ich denke, das ist ein Interessenkonflikt. Wir haben diese Verfahren schon im Jahr 2000 übernommen. Und man sieht die Resultate. Für den Sport wäre es schwierig, wenn nicht unmöglich einen Fall wie Balco oder jetzt Lance Armstrong zu bearbeiten."

Auch im Board of Directors – eine Art Aufsichtsrat der USADA – wolle man einen Interessenkonflikt vermeiden. Dessen Mitglieder, so Tygart, hätten keine Positionen in Sport oder sportnahen Organisationen. Anders ist das Deutschland. Hier wird der NADA schon lang ein zu enges Verhältnis zum organisierten Sport nachgesagt. Dazu passt eine Mitteilung des DOSB vom Mittwoch. Dieser informiert darin, dass man zusammen mit dem NADA-Vorstand zu einem Gespräch mit USADA-Chef Tygart über die Ausgestaltung der Rahmenbedingungen für den Anti-Doping-Kampf zusammengekommen sei. Dass die Organisation, die den Sport in Deutschland kontrollieren soll, nun schon offen als eine Art Anhängsel des DOSB in Erscheinung tritt, passt ins Bild. Im Schlusssatz informiert der DOSB dann gleich noch über die weitere Arbeitswoche der NADA. Am Donnerstag trifft sich diese in Bonn zu weiteren Gesprächen mit Tygart.

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