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Überflüssige Keimfreiheit

Antibakterielle Waschzusätze allenfalls begrenzt verwenden

Von Wiebke Lehnhoff

Doch! Auch "normale" Waschmittel beseitigen Keime ausreichend.
Doch! Auch "normale" Waschmittel beseitigen Keime ausreichend. (Stock.XCHNG / Louise Docker)

Wer seine Wäsche waschen will, hat die Qual der Wahl: Pulver, Tabs, Gel oder Flüssigwaschmittel stehen im Supermarktregal. Aber seit ein paar Jahren finden Verbraucher dort noch etwas anderes: antibakterielle Waschzusätze, auch Hygiene-Spüler genannt. Doch was bringen solche Produkte?

"Spült Textilien hygienisch rein", "Wäsche-Desinfektion", "ideal auch für Baby- und Kindertextilien" - so oder ähnlich lauten die Werbeversprechen auf antibakteriellen Waschzusätzen, auch Hygiene-Spüler genannt. Immer mehr Firmen haben sie im Angebot. Auf ihren Packungen heißt es, normale Waschmittel würden Keime nicht ausreichend beseitigen. Stimmt nicht, sagt Axel Kramer. Der Mediziner leitet an der Universität Greifswald das Institut für Hygiene und Umweltmedizin:

"Ich halte davon gar nichts - selbst wenn ich Kranke im Haushalt pflege, wäre das die große Ausnahme, weil die meisten Krankheitserreger thermolabil sind. Das heißt, bei 55, 60 Grad werden die sicher inaktiviert im Waschprozess."

Auch bei Fußpilz, Durchfallerkrankungen oder Tuberkulose reicht es laut Kramer aus, Kleidung oder Handtücher bei 60 Grad zu reinigen. Wenn niemand im Haushalt krank ist, ist nicht einmal das erforderlich, sagt Philip Heldt, Toxikologe bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen:

"Sauber bekommt man die meisten Kleidungsstücke eigentlich auch immer bei 40 Grad, und Kleidung muss auch nicht nach dem Waschen unbedingt keimfrei sein – das ist eigentlich ein Irrglaube."

Unsere Umwelt ist schließlich auch nicht steril, erklärt Heldt weiter. Daher schaden antibakterielle Waschmittel eher als dass sie nutzen.

"Wenn man jetzt in einer sterilen Umwelt aufwachsen würde, dann hat man auch einfach ein viel höheres Risiko, Allergien zu bekommen. Der Körper braucht ja auch durchaus immer den Kontakt mit Mikroorganismen, um das Immunsystem zu trainieren und dann im Ernstfall, wenn wirklich 'n Krankheitserreger kommt, dem auch widerstehen zu können."

Das bestätigen auch die medizinischen Untersuchungen von Axel Kramer: Es ist gesünder, mit einer normalen Umgebungsflora und einer normalen Körperflora zu leben und aufzuwachsen.

"Ich tausche mit meinem Baby als Mutter meine gesamte Flora aus, und das ist gut so. Und das Baby braucht geradezu diese natürliche Flora als Schutz vor der Ansiedlung von Krankheitserregern. Also, es ist völlig widersinnig, dann plötzlich die Wäsche in Anführungsstrichen desinfizierend zu waschen."

Auch bei Erwachsenen kann der Organismus empfindlich auf Hygiene-Spüler reagieren oder Allergien entwickeln. Das hängt von den Wirkstoffen ab und davon, wie großflächig und wie lange die Haut mit ihnen in Kontakt kommt. Deshalb warnt Kramer davor, die Mittel für Handwäschen zu benutzen. Außerdem könnten Bakterien auf Dauer gegen antibakterielle Waschmittel resistent werden, so dass bei betroffenen Menschen zum Beispiel das Antibiotikum gegen eine Lungenentzündung nicht mehr wirkt.

"Der Sauberkeits-Effekt wird durch die antibakteriellen Zusätze nicht verbessert, also die Waschkraft bleibt sowieso gleich. Ich achte einfach beim Wäschekauf darauf, dass das möglichst ab 60 Grad waschbar ist."

Wenn das nicht geht, kann auch mal bei 30-Grad-Wäsche ein Bleichwaschmittel zugegeben werden. Und wenn ein Kleidungsstück hartnäckig riechen sollte?

"Der Geruch kommt ja nicht durch die Bakterien: Dann haftet der einfach an den Fasern. Dann müsste man einfach generell irgend 'n anderes Waschmittel mal ausprobieren, aber es muss dann nicht unbedingt ein sterilisierendes Waschmittel sein."

Denn auch normale Waschmittel greifen Bakterien an. Und davon sterben noch ein paar mehr, wenn die Wäsche zum Trocknen aufgehängt wird:

"Das reicht eigentlich: das Trocknen an der Leine."

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