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Seit 18:00 Uhr Nachrichten
StartseiteUmwelt und VerbraucherKritik an Süßwarenkonzern Mars25.02.2015

ÜbergewichtKritik an Süßwarenkonzern Mars

Zucker und viel Fett - die typischen Zutaten eines Schokoriegels sind nicht besonders gesund. Hersteller Mars will sich trotzdem um die Gesundheit seiner Kunden kümmern und beteiligt sich an Aktivitäten für bessere Ernährung. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft nimmt dem Süßwarenhersteller diese Fürsorge aber nicht ab.

Von Daniela Siebert

Ein angebissener "Mars" Schokoriegel in Großaufnahme (dpa / Picture alliance / Martin Gerten)
Wie glaubhaft kann ein Süßwarenhersteller für gesunde Ernährung werben? (dpa / Picture alliance / Martin Gerten)
Weiterführende Information

Übergewicht - Verbraucher unterschätzen Portionsgrößen
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 18.03.2014)

Übergewicht - Fish & Chips und viele britische Pfunde
(Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 22.07.2014)

"Ekip auf deutsch bedeutet Team", sagt Ayse Demir von der Türkischen Gemeinde in Deutschland. Das Team, das ihr Verein gemeinsam mit den Mitveranstaltern Mars, Deutsche Sportjugend und der Plattform Ernährung und Bewegung zusammenstellen will, soll aus Behörden, Politikern und zivilgesellschaftlichen Akteuren bestehen.

Das Ziel: "Es geht hier darum in diesem Projekt, Werkstätten zu entwickeln. In diesen Werkstätten sollen dann viele Partner in diesem Bereich zusammenkommen und kleinere Projekte entwickeln, wie man Übergewichtigkeit, Adipositas, bei Menschen mit Migrationshintergrund dann auch beheben kann."

Türkische Gemeinde in Deutschland besorgt über falsche Essgewohnheiten und Fettleibigkeit

Tatsächlich leiden Kinder aus Migrantenfamilien Studien zu Ernährung und Gesundheit zufolge häufig unter Fettleibigkeit, Adipositas genannt. Das bereitet auch der Türkischen Gemeinde in Deutschland Sorgen – und Ayse Demir: "Es sind eben die Essgewohnheiten. Aufgrund der sozialen Lage ist dieses Ernährungsbewusstsein wahrscheinlich noch nicht so sehr verankert. Ich denke, es ist eher so, dass in dem türkischstämmigen Raum, in dem kulturellen Kontext, Essen eine besondere Bedeutung hat, auch was eben die Gastfreundschaft anbelangt. Bei uns zuhause ist zum Beispiel auch immer der Tisch voll – egal zu welcher Tageszeit –, und da muss eben darauf geachtet werden, dass es eher gesunde Sachen sind, die dann auf dem Tisch liegen." In der eigenen Familie konnte sie beispielsweise Gemüse statt Kartoffelchips durchsetzen, allerdings erst, als die Mutter bereits an Diabetes erkrankt war. Als Ergebnis von ekip wünscht sich Ayse Demir, dass in Migrantenkreisen mehr Informationen über gesunde Ernährung ankommen, bei den Eltern am besten in der Muttersprache, aber auch direkt bei den Kindern selbst, etwa im Kindergarten.

Diese ekip-Anliegen teilt auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoguz. Sie hat die Schirmherrschaft über die Veranstaltungsreihe übernommen. Gestern gab es dafür scharfe Kritik von der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Sie forderte sogar, Özoguz solle die Schirmherrschaft aufgeben. Dietrich Garlichs, der DDG-Geschäftsführer: "Schirmherrschaft heißt ja: man unterstützt etwas. Und hier wird das Whitewashing von Mars unterstützt, wenigstens implizit, und ich glaube auch nicht, dass das die Intention der Staatsministerin ist. Ich glaube, das ist einfach übersehen worden."

Deutsche Diabetes Gesellschaft wirft Mars-Konzern Zynismus vor

Dass ein Süßwarenhersteller die ekip-Veranstaltungen durchführe, findet man bei der Deutschen Diabetes Gesellschaft zynisch. Denn Mars sei Teil des Problems, nicht Teil der Lösung: "Wir halten es für eine Irreführung der Öffentlichkeit, wenn ein Schokoriegelhersteller wie Mars so tut, als wenn er sich für gesunde Ernährung einsetzt. Fastfood-Hersteller und Snack-Hersteller, die ja Produkte besonders vermarkten mit besonders hohem Anteil an Fett, Zucker und Salz, sind mitverantwortlich für die enorme Adipositas-Welle, die wir in Deutschland haben."

Betroffen seien vor allem sozial schwächere bildungsferne Schichten. Dementsprechend auch viele türkisch-stämmige Menschen, so Garlichs. Aber er möchte das Problem lieber mit einer "ehrlichen" Debatte über schlechte Ernährung durch Fast Food und Fertigprodukte lösen und so auch auch verhindern, dass es zu Folgeerkrankungen des Übergewichtes kommt, wie Diabetes, Krebs und Herz-Kreislauf-Probleme.

Die Angegriffenen reagieren unterschiedlich. Aydan Özoguz nimmt an der heutigen Veranstaltung nicht teil, behält aber ihre Schirmherrschaft bei. Direkt auf die Kritik der DDG eingehen tut sie – auch auf Nachfrage – nicht. Mars teilt per Mail auf Deutschlandfunk-Anfrage mit, man engagiere sich schon mehrere Jahre mit deutsch-türkischen Ernährungs- und Bewegungsangeboten. Und was die DDG angeht: "Diese Kritik weisen wir klar zurück. Denn beim Thema Gesundheit und Ernährung fangen wir zuallererst bei uns selbst an. So stehen wir für eine transparente, umfassende Konsumenteninformation auf allen unseren Produkten und im Web, und die stetige Weiterentwicklung unserer Produkte wie weniger Salze, Transfette oder die Portionsgrößen etc."

Transparenz? Auf der Homepage von Mars findet man zwar eine Nährwerttabelle, aber keine Zutatenliste von Mars-Riegeln.

Kurios an der Kritik der Deutschen Diabetes Gesellschaft an ekip ist allerdings der Zeitpunkt. Denn Auftakt von ekip war bereits im November 2014. Mars und Özoguz inklusive.

Und: Auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft wird heute einen Vertreter zur ekip-Werkstatt in Berlin entsenden.

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