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Übernahme von Drogeriekette Ihr Platz geplant

Schlecker-Tochter soll von Dubag AG kauft werden

Von Susanne Lettenbauer

Vor Kurzem wurde der Einzelverkauf von Ihr Platz noch ausgeschlossen. (Michael Gottschalk/dapd)
Vor Kurzem wurde der Einzelverkauf von Ihr Platz noch ausgeschlossen. (Michael Gottschalk/dapd)

Ursprünglich sollte Ihr Platz gemeinsam mit Schlecker veräußert werden. Nun will der Münchener Investor Dubag AG die Schlecker-Tochter kaufen. Das Unternehmen verspricht keine Fillialen zu schließen, das stößt jedoch auf Skepsis.

Der Retter der Schlecker-Tochter Ihr Platz kommt aus der Maximiliansstrasse, Münchens Nobelmeile Nr.1. Viel hat man von der Dubag AG hier noch nicht gehört. Nach eigenen Angaben handelt es sich um eine unabhängige Beteiligungsgesellschaft, die sich auf den Erwerb von Unternehmen in Sondersituationen spezialisiert hat. Laut ersten Äußerungen wird es unter der Dubag keinen Personalabbau geben. Alle Filialen sollen erhalten bleiben. Hubert Tiermeyer, Fachbereichleiter Handel bei ver.di Bayern bleibt dennoch skeptisch:

"Die Firma Dubag sagt uns nicht als das, was wir aus der Presse erfahren haben, dass heißt wir können sie nicht einordnen, was jetzt ihr konkretes Ziel ist. Die Erklärung, die wir bisher bekommen haben, dass sie keine weiteren Filialschließungen vorhaben und auch keinen weiteren Personalabbau lassen eher hoffen, dass sie mit betriebswirtschaftlichem Sachverstand an die Sache rangehen und auch versuchen, mit dem Personal zu arbeiten und nicht dagegen."

Das Firmenziel der Münchner Dubag AG ist die strategische Neuausrichtung von mittelständischen Unternehmen mit Umsatzvolumen zwischen 15 und 500 Millionen Euro. Rund 70 abgeschlossene Unternehmensver- und ankäufe hat die Dubag in den vergangenen 15 Jahren getätigt, darunter die Wiesbadener Sigam AG, Hersteller von generischen Arzneimittelwirkstoffen, die BOD Berlin Optical Disc GmbH, ein Hersteller von optischen Speichermedien und auch der irische Waschmittelhersteller IDC gehört zum Portfolio der vierköpfigen Investorengruppe aus Rechtsanwälten und Juristen.

Noch vor einigen Wochen hieß es von Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz, dass Einzelverkäufe nur im Notfall getätigt würden. Dieser Notfall ist nun wohl eingetreten. Ein Zeichen dafür, dass kein Investor die Gesamtfirma Schlecker übernehmen wird so, ver.di-Vertreter Thiermeyer. Damit auch der ungünstige Fall:

"Dass durch den Verkauf von Ihr Platz die Möglichkeiten, die ein Investor hätte, wenn er beides hat, nicht mehr da sind. Das heißt, er kann bestimmte Strukturen von Ihr Platz in einer neuen Konzeption, einem neuen Fortführungskonzept nicht nutzen für die Schleckerstruktur und für die Schlecker-Beschäftigten."

Dass zumindest bei der Drogeriekette Ihr Platz kein Personal abgebaut werden soll, sieht ver.di als gutes Zeichen. Auch wenn im Hintergrund die Beraterfirma McKinsey eingeschaltet ist, bedeutet das doch, dass zumindest die Tochterfirma gerettet ist. Dubag selbst bestätigt die Meldung nur generell. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen. Bis die Verträge unterzeichnet sind, könne es noch Wochen dauern, so ein Unternehmensvertreter. Dass sich Dubag in der Zwischenzeit wieder aus der Übernahme zurückziehen könnte, wird aber nicht erwartet. Zu den aktuellen Spekulationen erklärt der Sprecher des Ihr-Platz-Insolvenzverwalters Werner Schneider:

"Wie den Medien zu entnehmen war, besteht von Investorenseite her auch Interesse an einer Einzelübernahme von Ihr Platz. Dies ist grundsätzlich positiv und wir haben dies immer als eine mögliche Option kommuniziert. Bei einem finalen Abschluss werden wir zeitnah kommunizieren. Bis dem so weit ist, sind wir selbstverständlich weiterhin an einem Paketverkauf - Schlecker und Ihr Platz gemeinsam - interessiert."

Für die Schlecker-Filialen ist auch nach der geplanten Übernahme von Ihr Platz noch kein Investor in Sicht. Bis zur nächsten Gläubigerversammlung am 5. Juni dürfte sich die Suche noch hinziehen, sagt ver.di-Vertreter Thiermeyer. Ob die Beschäftigten dann tatsächlich auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten, wie von ver.di angeboten, hängt von dem noch zu finden Investor ab.



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