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StartseiteKommentare und Themen der Woche"Niki" zurück an Niki23.01.2018

Überraschende Wende"Niki" zurück an Niki

Niki Lauda, der Gründer der Fluglinie "Niki", kauft seine Airline zurück. Doch ob das eine gute Entscheidung für die Mitarbeiter sei, bezweifelt Kommentatorin Brigitte Scholtes. Angesichts einer fehlenden Neuausrichtung stelle sich die Frage, wie lange er seine Fluggesellschaft in der Luft halten könne.

Von Brigitte Scholtes

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Niki Lauda kommt wieder ins Fluggeschäft - im Vordergrund des Bildes sieht man ein Modell von "Fly Niki", im Hintergrund, verschwommen, den ehemaligen Formel1-Profi. (AP/dpa/Lilli Strauss)
Niki Lauda kommt wieder ins Fluggeschäft (AP/dpa/Lilli Strauss)

Ist die Niki jetzt endgültig gerettet? Es wäre den Mitarbeitern der gebeutelten österreichischen Fluggesellschaft zu wünschen. Doch ob die recht überraschende Entscheidung des Gläubigerausschusses in dem nun zweiten Insolvenzverfahren die richtige ist, die bessere für den Ferienflieger und seine Mitarbeiter, das ist noch nicht ausgemacht.

Die Situation ist vertrackt, seitdem die Lufthansa aus wettbewerblichen Gründen Niki nicht übernehmen durfte. Der Zuschlag an den britisch-spanischen Luftfahrtkonzern im ersten Insolvenzverfahren hätte für die Mitarbeiter wahrscheinlich mehr Sicherheit geboten. Das liegt zum einen am Geschäftsmodell von Niki. Um langfristig zu überleben, müsste ihr Gründer Niki Lauda das eigentlich neu ausrichten. Er aber will offenbar vom März an wieder die altbekannten Routen fliegen und scheint schon entsprechende Kontingente an Touristikunternehmen wie Thomas Cook verkauft zu haben. Sein Netzwerk trägt ihn noch, und so kann er zumindest kurzfristig wieder Urlauber in Ferienregionen wie Mallorca oder Ibiza fliegen.

Eigentlich müsste eine neue Nische besetzt werden

Doch ob das auf Dauer in diesem wettbewerbsintensiven Markt Gewinn bringt, ist fraglich. Kleine Fluggesellschaften überleben eigentlich nur, wenn sie eine interessante Nische besetzen – das aber sind die Ferienregionen nicht. Und auch die Märkte, in denen Lauda seine Kunden abholen will, nicht – in Deutschland und Österreich - ist die Konkurrenz zu groß. Bei der Entscheidung in diesem österreichischen Insolvenzverfahren mag auch eine gewisse Partie Nationalstolz mitgespielt haben. Lauda dürfte nun fast den Status eines österreichischen Nationalhelden erlangt haben. Denn die "Austrian Airlines" ist ja seit einigen Jahren im Lufthansakonzern aufgegangen, nun kommt zumindest Niki wieder in den Besitz eines Österreichers.  

Doch "Nationalheld" Lauda hat seine Niki groß gemacht auch auf Kosten der Mitarbeiter. Er hatte damals die Personalkosten niedrig gehalten, sprich: seine Mitarbeiter zu Konditionen beschäftigt, die am unteren Rand der branchenüblichen Tarife lagen. Die Piloten stellte er gar nicht selbst ein, sie waren bei einer Personalleasingfirma beschäftigt. Auch das kostensparend.

Die Lage der Branche aber hat sich gewandelt. Die Piloten und auch die anderen Niki-Mitarbeiter dürften auf besseren Konditionen beharren. Da ist also langer Atem nötig. Ob Lauda den aufbringt oder aufbringen will, ist fraglich. Er wird die Fluggesellschaft in die Luft bringen, aber wie lange er sie dort halten kann, ist offen. Experten geben ihm ein bis zwei Jahre, bis er sie wieder verkaufen wird - an einen größeren Konzern. Man fragt sich, ob die erste Lösung - der Verkauf an die IAG und die Zusammenarbeit mit deren Tochter Vueling - den Mitarbeitern da nicht von Beginn an mehr Stabilität und wahrscheinlich bessere Konditionen gebracht hätte.

Brigitte Scholtes (Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes (Deutschlandradio / Bettina Straub)Brigitte Scholtes, Jahrgang 1958, studierte Wirtschaftsgeschichte und Anglistik in Aachen und Bonn mit dem Abschluss Lehramt für Gymnasien. Sie arbeitete zunächst für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die damals auch Hörfunksendungen für das Privatradio RPR produzierte, wechselte dann zur Nachrichtenagentur Bloomberg Business News. Seit 1992 Partnerin im Redaktionsbüro Business Report, das 1998 die Wirtschaftskorrespondenz aus Frankfurt für Deutschlandradio übernommen hat. 

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