Wissenschaft im Brennpunkt / Archiv /

 

Überraschung aus der Eiszeit

Neandertaler mit komplexer Persönlichkeit

Von Dagmar Röhrlich

Michael Bolus/ Ralf W. Schmitz: Der Neandertaler
Michael Bolus/ Ralf W. Schmitz: Der Neandertaler (Thorbecke)

Paläontologie. – Das Bild vom Neandertaler hat sich in den 150 Jahren seit der Entdeckung der ersten Knochen stark gewandelt. Vom "tumben Toren" von einst bleibt immer weniger übrig. Ein Buch von Paläoanthropologen der Universität Tübingen zeichnet das komplexe Bild unseres nächsten Verwandten nach.

Der Fund im Neandertal vor 150 Jahren war eine Sensation – und es ist fast unglaublich, dass an diesen Fund im Jahr 1999 angeknüpft werden konnte. Damals wurden weitere Knochen ausgegraben, die zum ersten Neandertaler von 1856 gehören. Zu den Entdeckern gehört Ralf Schmitz, der zusammen mit Michael Bolus ebenfalls die Geschichte unseres entfernten Verwandten erzählt.

Der war anscheinend nicht der harte "Eiszeittyp", als der er gerne dargestellt wird. Vielmehr verstand er es, sich überwiegend in den gemäßigteren Breiten Europas aufzuhalten und das Land vor den Gletschern nach Möglichkeit zu meiden. Er kümmerte sich um seine Alten und Kranken, kannte sich wohl mit Heilpflanzen aus, bestattete seine Toten. Der Frage nach dem Kannibalismus wird ebenso nachgegangen wie der nach ihrem ästhetischen Empfinden. "Dachte der Neandertaler anders als wir", fragen sich die beiden Buchautoren. Ihre Antwort ist: Ja. Er sei zwar zweifellos ein fürsorglicher, vorausplanender und komplex handelnder Mensch gewesen, der auch gesprochen haben muss. Aber ob er auch ein künstlerischer Mensch war, da äußern die beiden Privatdozenten an der Universität Tübingen ihre Zweifel.

Ein rundum lesenswertes und gut geschriebenes Buch, das auch mit unbekannten Geschichten und Geschichtchen rund um die Neandertalerforschung aufwartet. Sehr empfehlenswert.

Michael Bolus, Ralf W. Schmitz: Der Neandertaler
ISBN: 3-7995-9088-9
Thorbecke Verlag, 192 Seiten, 19,90 Euro

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Wissenschaft im Brennpunkt

KlimakonferenzVerschwitzt und zugenässt!

Ein von einem Flächenbrand zerstörtes Haus nahe San Marcos, Kalifornien, USA. Aufnahme vom 15.5.2014

Jeder, der schon einmal im Passagierflugzeug unterwegs war, kennt ihn: Der Jet Stream, ein kräftiger Höhenwind in mittleren Breiten, beschleunigt Flüge von Westen nach Osten. Dieser „Strahlstrom“ kommt jetzt zu neuer Prominenz.

SicherheitsforschungDas Nano-Restrisiko

Proben von Nano-Hohlkugeln aus Zirkonium am Institut für Technische Chemie an der Universität Leipzig.

Seit mehr als zehn Jahren drängen industriell gefertigte Nanopartikel in unseren Alltag. Die Mini-Teilchen sind für das menschliche Auge unsichtbar. Werkstoffen, Kosmetika und Textilien verleihen sie eine sagenhaft anmutende Vielfalt hochwillkommener Eigenschaften. Mehr als 1000 Nanoprodukte sind allein hierzulande auf dem Markt.

Digitale MusikproduktionGrooven und falten

Modell eines fiktiven Streichinstruments: Kryptanium IIII von Alonzo of Nezborlan

Früher bedeutete digitale Musik: kühl, künstlich. Heute kann jeder PC mithilfe von Musiksoftware nicht nur beliebig viele natürliche Klänge herstellen, sondern sie auch in Räume tauchen, die real existieren, etwa altehrwürdige Konzertsäle.