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StartseiteSport AktuellFanhilfe Hannover kritisiert Polizei28.12.2017

ÜberwachungFanhilfe Hannover kritisiert Polizei

Mindestens neun Mitglieder aus der Fanszene von Hannover 96 sollen im April für einige Tage von der Polizei observiert und abgehört worden sein. Die Fanhilfe Hannover hat sich nun mit einem Schreiben an die Öffentlichkeit gewandt und kritisiert die Maßnahmen als unverhältnismäßig.

Von Hilde Weeg

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Polizeibeamte bewachen im November 2016 das Spiel zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96.  (dpa/picture alliance/Peter Steffen/)
Polizeibeamte bewachen im November 2016 das Spiel zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96. (dpa/picture alliance/Peter Steffen/)
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Dass einige gewaltbereite Fans sehr vielen friedlichen Fans, der Polizei und vielen anderen das Leben schwer machen, das ist bekannt. Auch, dass die Gewaltbereitschaft bei Begegnungen von benachbarten Clubs besonders hoch ist – so auch bei Niedersachsen-Derbys der beiden Zweitligisten Braunschweig und Hannover. Die Polizei steht dabei unter genauer Beobachtung: Tut sie zu wenig, wird sie kritisiert. Zur Zeit wird sie aber von einigen Hannover-Fans kritisiert, weil sie ihrer Ansicht nach zu viel getan habe. Im November 2016 zum Beispiel nahm die Polizei vorsorglich 170 Fans in Gewahrsam – die angekündigte Schlägerei fiel aus. Auch für das Rückspiel am 15. April 2017, Karsamstag, wurden besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Dazu gehörten offenbar auch die Observation und die Telefonüberwachung von mindestens neun Hannoverschen Ultras.

"Wir gehen sehr stark davon aus, dass die Polizei befürchtet hat, dass es für das Rückspiel ein ähnliches Szenario geben wird und sich deshalb für diese Maßnahme entschieden hat", sagt Christina Rose, angehende Juristin und Sprecherin der Fanhilfe Hannover. Neun Betroffene hatten sich an die Fanhilfe gewandt. Sie waren vor Weihnachten per Post von der Polizei informiert worden, dass sie unmittelbar vor und nach dem Rückspiel im April von der Polizei nicht nur observiert, sondern auch abgehört worden waren.

"Es wäre um gefährliche Körperverletzung und um schweren Landfriedensbruch gegangen, und dafür ist natürlich der Grundrechtseingriff – das Abhören der privaten Korrespondenz von Personen und auch die Observation, der ist sehr intensiv – und die Frage ist natürlich auch, inwieweit diese gefahrenabwehrrechtlich relevanten Sachverhalte, die von der Polizei zugrunde gelegt worden sind, inwieweit die auch wirklich stimmen."

Wenig Informationen vonseiten der Polizei

Akteneinsicht habe man bisher nicht erhalten, warum genau also diese Maßnahmen angeordnet wurden, sei noch nicht klar. Außerdem sollten Betroffene möglichst zeitnah über Abhörmaßnahmen informiert werden. Jetzt, im Dezember, käme die Information sehr spät. 

"Die Begründung zumindest in diesem Informationsschreiben der Polizei ist sehr dünn. Da steht halt nur drin, ja, Sie sind bekannt dafür, dass Sie in der Hannoverschen Ultras-Szene unterwegs sind – und das ist erstmal sehr wenig für einen so massiven Grundrechtseingriff."

Maßnahmen wie diese Überwachungs-Aktion sowie die Ingewahrsamnahme ohne tatsächliche Ausschreitungen hält Rose für problematisch. Auch, weil solche Maßnahmen Langzeitfolgen für viele, zum Teil nicht aktiv beteiligte Fans haben – etwa Stadionverbote oder Ausschlussverfahren aus ihren Vereinen. 

"Das große Problem ist, dass wenig Einzelfallprüfung stattfindet. Also dass mit dem Gießkannenverfahren alle Leute, die irgendwie mal aufgeschrieben wurden, gleich von diesen Maßnahmen betroffen sind, dass man dadurch die ganze Szene natürlich unheimlich kriminalisiert, und es wäre halt geboten, mehr Einzelfallgerechtigkeit walten zu lassen und die Maßnahmen auch gründlicher zu prüfen."

Die Stellungnahme Polizei zu den Vorwürfen fällt kurz aus. Man habe - Zitat - "diese Personen nach sorgfältiger und individueller Prüfung ausgewählt und das zuständige Amtsgericht Hannover hat nach richterlicher Prüfung die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme bestätigt und die Überwachung angeordnet.

Die Fanhilfe wird nun nach Akteneinsicht entscheiden, ob sie gegen die Maßnahmen vorgehen will.

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