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Seit 16:35 Uhr Forschung aktuell
StartseitePodiumAWACS im Einsatz über Polen und Rumänien09.05.2014

ÜberwachungsflügeAWACS im Einsatz über Polen und Rumänien

Mehrere AWACS Flugzeuge stehen aufgereiht auf ihren Parkpositionen der NATO Airbase in Geilenkirchen und warten auf ihren Einsatz. AWACS steht für "Airborne Warning and Control System". Wegen der aktuellen Krise in der Ukraine startet die NATO täglich Überwachungsflüge von Geilenkirchen über den polnischen und rumänischen Luftraum.

Von Rudi Schneider

Ein Aufklärungsflugzeug vom Typ Awacs startet am in Geilenkirchen (Nordrhein-Westfalen) auf dem Nato-Luftwaffenstützpunkt. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Ein Aufklärungsflugzeug vom Typ Awacs startet am in Geilenkirchen (Nordrhein-Westfalen) auf dem Nato-Luftwaffenstützpunkt. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Weiterführende Information

Deutschland erwägt Militärhilfe (Deutschlandfunk, Aktuell 30.03.2014)

19 Crewmitglieder des Fluges mit dem Rufzeichen "NATO 06" treffen sich am frühen Sonntagmorgen in einem Briefing Raum unterhalb des Towers. Ein Beamer projiziert die Wetterlage über Europa an die Wand und die Metereologin Julia Doganoy begrüßt die Einsatz-Crew.

Den genauen Wetterdetails folgt für die Piloten die Einweisung in den Flugplan, der für den bevorstehenden Flug von Geilenkirchen über definierte Wegpunkte und Luftstraßen zum Einsatzziel in Südpolen an der ukrainischen Grenze führt.

Neun Meter durchmessender Radar-Dom

Nach dem Briefing geht die Crew zum Radarüberwachungsflugzeug auf dem Vorfeld. Die AWACS oder im NATO-Jargon auch E-3A genannt, basiert auf einer Legende der zivilen Luftfahrt, einer vierstrahligen Boeing 707. Auf dem Dach befindet sich der markante neun Meter durchmessende Radar-Dom. Nachdem die Triebwerke angelassen sind, meldet sich der Tower.

Nach der Startfreigabe des Towers für die Die "NATO 06" beschleunigt die E-3A und hebt ab in Richtung Osten.

Bis zum Einsatzgebiet über dem Süden Polens an der Grenze zur Ukraine führt unser Flug quer über Deutschland, erläutert Major Johannes Glowka und beschreibt den Grund dieses Einsatzfluges: "Wir hatten ja am 10. April die Entscheidung, dass wir Luftraumüberwachungsflüge durchführen sollen in Polen und Rumänien. Mit diesem Auftrag wollen wir gerade den polnischen und rumänischen NATO-Partnern auch zeigen: Wir sind da, jeden Tag, egal ob Wochenende, ob Feiertag. Wir überfliegen Deinen Luftraum. Du kannst Dich auf uns verlassen. Du bist ein Teil von uns."

Vierköpfige Cockpit-Crew und 15 Spezialisten an Bildschirmkonsolen

(Rudi Schneider)Innenansicht eines AWACS-Aufklärungsflugzeug während eines Einsatzes über Polen. (Rudi Schneider)

An Bord des Radar-Aufklärers E-3A arbeiten neben der vierköpfigen Cockpit Crew 15 Spezialisten an verschiedenen Bildschirmkonsolen. Die Ergebnisse des Radars, der Sensoren und Antennen werden gleichzeitig ausgewertet und an die Bodenstellen weitergeleitet. Mit an Bord ist Generalmajor Andrew Mueller, der NATO Kommandeur für Deutschland.

"Die Missionen dauern zwischen zehn und zwölf Stunden. Heute fliegen wir nicht ganz so lang, da wir nicht in der Luft auftanken. Die E-3A kann in der Luft auftanken. Insofern dauert das typische Mission-Scenario zwischen von zehn bis zwölf Stunden."

Die fliegende Radarstation hat mittlerweile ihre Position im Luftraum über Südost Polen erreicht und fliegt für die nächsten Stunden einen etwa 80 km weiten Kreis. Die multinationale Crew hat an den verschiedenen Konsolen ihre Arbeit aufgenommen. Die Griechin Chrysanthi Moschou sondiert die Luftlage an ihrem Monitor.

"Ich bin ein Surveillance-Operator. Ich überwache den gesamten Luftraum und identifiziere sämtliche Flugzeuge. Wir wissen genau, ob es Zivil- oder Kampfflugzeuge sind, die unser Radar erfasst. Das hier ist unsere Position über Polen, und diese Symbole sind die Flugzeuge im gesamten Luftraum. Wir prüfen, ob alles okay ist."

Neben Crysanthi Moschou arbeitet Fatih Karaca, der von der türkischen Airforce zur NATO gekommen ist. Sein Monitor zeigt einen anderen Aspekt der Luftlage.

"Wir kontrollieren die Waffen an dieser Konsole. Es hängt ein bisschen von den Missionen ab, meistens kontrollieren wir die Situation zu zweit oder zu dritt. Wir kontrollieren und kommandieren die Kampfflugzeuge im Rahmen der NATO-Regularien."

Kommunikation mit der polnischen Airforce funktioniert reibungslos

Generalmajor Andrew Mueller begleitet die Einsätze regelmäßig und übernimmt dabei auch den Dienst an einem der Konsolen.

"Wir fliegen jetzt in 31.000 Fuß über Polen. Ich habe unsere Computersysteme so programmiert, dass unsere Kommunikation mit der polnischen Airforce reibungslos funktioniert und das polnische Commando- und Reporting-Center alle Informationen erhält, die wir hier oben sehen können."

Das Radar der E-3A ist in der Lage, mehrere hundert Kilometer weit zu sehen. Von unserer Position über Südost Polen aus gesehen, ist das bis weit in den ukrainischen und russischen Luftraum hinein. Der Kanadier Trevor Antifave koordiniert alle Monitor Konsolen.

"Ich bin der taktische Direktor und verantwortlich für die Mission-Crew. Hier im hinteren Teil des Flugzeuges ist unser Radartechniker. Er überwacht das große Radar auf dem Dach und sorgt davor, dass es in optimaler Weise alle Informationen liefert, die wir an den verschiedenen Konsolen weiterverarbeiten."

Hochkomplexe Technik an Bord

In diesem Radaraufklärer sind mehr als 160 Kilometer Kabel verlegt, die die hochkomplexe Technik mit einander verbindet. Das wachende Auge über diese Technik hat Stabsfeldwebel Alfred Pritzel. Wie er machen sie alle Crew-Mitglieder sehr genaue Gedanken darüber, warum sie diesen Einsatz fliegen.

"Jeder von uns weiß um die Situation am Boden. Man weiß durchaus, es sterben auch Menschen, leider. Und das gibt uns noch mal den Ansporn, für diese Menschen natürlich auch da zu sein am Boden. Das ist für uns sicherlich auf dieser Seite auch sehr wichtig."

Nach fünf Stunden Überwachungsdienst über Polen setzt die Cockpitcrew wieder Kurs nach Westen und eineinhalb Stunden später gibt uns der Tower in Geilenkirchen die Landefreigabe.

Nach der Landung rollt die Nato-06 auf ihre Parkposition und Tactical Director Trevor Antifave beendet den Einsatz: "Blocktime: 16:10 Hours. In behalf of the flightdeck, it's been a pleasure flighing with all of our guest flighers today."

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