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StartseiteWissenschaft im BrennpunktEin Tropfen Blut sagt mehr als tausend Worte 26.03.2017

Ulrich Bahnsen: "Das Leben lesen"Ein Tropfen Blut sagt mehr als tausend Worte

Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms löste 2001 eine wissenschaftliche Revolution aus. Nach Ansicht des Wissenschaftsjournalisten Ulrich Bahnsen waren viele Versprechungen der Genomforscher keinesfalls übertrieben. In "Das Leben lesen" beschreibt er die neuesten Entwicklungen der Molekularbiologie - und ihre ethischen Konsequenzen.

Von Michael Lange

DNA-Strang (imago/stock&people/Science Photo Library)
DNA-Strang (imago/stock&people/Science Photo Library)
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Wird das Kind gesund sein? Welche Krankheiten kommen auf den neuen Erdenbürger zu oder auch auf mich selbst und meine Angehörigen? Drohen vielleicht Krebs oder Alzheimer? Was kann ich tun, um diese Krankheiten zu verhindern? Wer wüsste nicht gerne Antworten auf diese Fragen? Viele Informationen, die wir so gerne hätten, lassen sich bereits heute aus einem Tropfen Blut gewinnen.

Nach Ansicht des Wissenschaftsjournalisten und Zeit-Redakteurs Ulrich Bahnsen waren viele der Versprechungen, die die Genomforscher 2001 bei der Erbgutentzifferung verkündeten, keinesfalls übertrieben. Inzwischen marktreife Screening-Verfahren erlauben die Erkennung von Erbkrankheiten lange vor der Geburt eines Kindes - nicht durch eine riskante Fruchtwasseranalyse, sondern durch einfache Testverfahren, für die etwas Blut der Mutter ausreicht. Kleinste Schnipsel des Erbmoleküls DNA liefern Hinweise, um Krebszellen zu erkennen, den Krebs genauer zu analysieren und in Zukunft besser zu bekämpfen.

"Geheimnisträger Blut"

Ulrich Bahnsen hat mit führenden Wissenschaftlern auf der ganzen Welt gesprochen und beschreibt kenntnisreich die neuesten Entwicklungen in den Forscherlabors und ihre Konsequenzen für den Alltag im 21. Jahrhundert. Immer wieder schreibt er von einer "Revolution", die unser Leben verändern wird. Von "Decodieren", "Dechiffrieren" und "Entschlüsseln ist mehrfach die Rede, als müsste man nur einen Schlüssel umdrehen, und der Geheimnisträger Blut gibt alle wichtigen Informationen preis. Bahnsen kündigt an, dass die molekularbiologische Forschung schon bald mehr und bessere Informationen über die Zukunft jedes Menschen liefern wird. Dazu gehört eine epigenetische Uhr, die an den Markierungen im Erbgut der Blutzellen das biologische Alter eines Menschen erkennt. Ein Zurückdrehen dieser Uhr, eine Art Jungbrunnen, wäre folglich der nächste Schritt. Das klingt optimistisch, geradezu euphorisch. 

Zum Glück belässt Ulrich Bahnsen es nicht bei dieser Begeisterung, sondern wirft auch Fragen auf, wie wir mit den neuen Informationen umgehen sollen. Letztlich jedoch muss jeder selbst so viel wie möglich über die neuen Techniken wissen, um verantwortlich für sich selbst zu entscheiden, was er wissen möchte und was nicht.

Ulrich Bahnsen: "Das Leben lesen: Was das Blut über unsere Zukunft verrät" Droemer-Verlag, 272 Seiten, 19,99 Euro

 

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