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StartseiteForschung aktuellUmstrittene Transplantation18.04.2008

Umstrittene Transplantation

Neuseeländer implantierte Diabetikern tierische Insulinzellen

<strong>Medizin. - Gehen die Insulin-Zellen der Bauchspeicheldrüse zugrunde, erkranken die Betroffenen an Diabetes. Daher liegt die Idee nahe, die fehlenden Zellen zu implantieren. Genau das tat jetzt ein neuseeländischer Forscher - und erntet dafür reichlich Kritik.</strong>

Von Michael Lange

Eine Insulinpumpe versorgt den Diabetes-Patienten mit Insulin. (AP Archiv)
Eine Insulinpumpe versorgt den Diabetes-Patienten mit Insulin. (AP Archiv)

Der Optimismus in Sachen Xenotransplantation hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Nur noch wenige Fachleute glauben, dass sich der Organmangel in nächster Zeit durch Tierorgane beheben lässt. Robert Elliott von der Firma Living Cell Technologies in Neuseeland hat sich von diesem Pessimismus nicht anstecken lassen. Seit etwa 20 Jahren erforscht er die Xenotransplantation.

"Das wird die bestmögliche Behandlung für Typ-1-Diabetiker weltweit werden."

Typ-1-Diabetiker leiden am so genannten Jugend-Diabetes. In ihrer Bauchspeicheldrüse sind die Inselzellen defekt. Sie können kein Insulin produzieren. Inselzellen aus der Bauchspeicheldrüse neugeborener Schweine sollen diese Funktion ersetzen, so der Plan von Robert Elliott. Er ist emeritierter Medizin-Professor aus Auckland, Neuseeland.

"Diese Zellen sind ummantelt mit einer Substanz aus Algen. Mit diesem Alginat-Gel verbergen wir die Tierzellen vor dem menschlichen Immunsystem, und es gibt keine Abstoßungsprobleme. Wir brauchen auch keine Medikamente, die das Immunsystem des Empfängers lahmlegen, damit die Insulin bildenden Zellen arbeiten können."

Die Schweine stammen von einer abgelegenen Insel nahe der Antarktis. So sei ausgeschlossen, dass möglicherweise gefährliche Viren in den Schweinezellen leben, versichert Robert Elliott. Die Zellen werden in die Bauchhöhle der Patienten verpflanzt, und produzieren dort das benötigte Insulin. Erste Versuche am Menschen, die vor einem Jahr in Russland begonnen haben, haben dies nun bestätigt, so Robert Elliott:

"Wir haben bisher vier Patienten an einer Klinik in Moskau behandelt. Wir verwendeten dabei die kleinstmögliche Dosis, von der wir einen geringen Effekt erwarten durften. Jeweils ein halbes Jahr nach der ersten Transplantation erhalten die Patienten dann eine zweite Dosis."

Bei Patient Nummer eins konnte die Insulinmenge, die er spritzen muss, nach der Zell-Verpflanzung halbiert werden, berichtet Robert Elliott. Patientin zwei brauchte fünf Monate lang überhaupt kein Insulin. Von den Patienten drei und vier fehlen noch die Ergebnisse. Die Patienten fünf und sechs sollen demnächst Inselzellen von Schweinen erhalten.

"Das ist das erste Mal weltweit, dass tierische Zellen verpflanzt wurden, um defekte menschliche Zellen zu ersetzen. Und wir konnten den Insulinbedarf der Patienten tatsächlich senken."

Aus derart wenigen Ergebnissen lassen sich allerdings keine Schlussfolgerungen auf die Wirksamkeit der Methode ziehen. Deutsche Diabetes-Experten waren deshalb nicht zu einem Kommentar bereit. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft lehnt das Verfahren als zu riskant ab. Es sei zu früh für klinische Experimente, heißt es in einer Stellungnahme. Um die Fachwelt zu überzeugen, setzt Robert Elliot auf weitere Versuche am Patienten. Sie sollen in Neuseeland und den USA durchgeführt werden. Die Anträge sind gestellt, aber Genehmigungen der Behörden liegen noch nicht vor.

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