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Umstrittene ZeichnungSZ trennt sich von Karikaturist

Der Zeichner und Karikaturist Dieter Hanitzsch (2012). (dpa / Frank Leonhardt)
Der Zeichner und Karikaturist Dieter Hanitzsch (dpa / Frank Leonhardt)

Die "Süddeutsche Zeitung" beendet ihre Zusammenarbeit mit dem Zeichner Dieter Hanitzsch.

Anlass ist eine Karikatur, die als antisemitisch kritisiert wurde. Chefredakteur Wolfgang Krach bestätigte der Nachrichtenagentur epd die Trennung von Hanitzsch. Die umstrittene Zeichnung war am Dienstag in der Printausgabe der Zeitung erschienen. Sie zeigt den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu in Gestalt der Siegerin des Eurovision Song Contest, der Israelin Netta. In einer Sprechblase heißt es "Nächstes Jahr in Jerusalem", dazu hält Netanjahu eine Rakete mit Davidstern in der Hand.

Hanitzschs Zeichnung stieß beim Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Klein, auf Kritik. Klein sagte der "Bild"-Zeitung, es würden Assoziationen an die Zeichnungen der nationalsozialistischen Propaganda geweckt. Auch wenn Karikaturen ironisieren und provozieren sollten, sei in der SZ eine rote Linie überschritten worden. Anders sieht das der Antisemitismusforscher Wolfgang Benz. Die Karikatur sei ziemlich unfreundlich gegenüber dem Ministerpräsidenten des Landes Israel. Dies sei aber nicht identisch mit Antisemitismus. Benz forderte im Deutschlandfunk in dieser Hinischt eine stärkere Differenzierung.

In einer Mitteilung bat SZ-Chefredakteur Krach um Entschuldigung. Er räumte ein, dass die Karikatur antisemitisch aufgefasst werden könne. Die Veröffentlichung sei deshalb ein Fehler gewesen. Hanitzsch selbst entschuldigte sich nicht. Er sagte der "Jüdischen Allgemeinen", der Vorwurf, dass man die Zeichnung als antisemitisch auffassen könne, treffe ihn nicht. Auch als Deutscher wolle er die Politik Netanjahus kritisieren können. Dessen Ankündigung "Nächstes Jahr in Jerusalem" verstehe er als Provokation, weil Jerusalem höchst umstritten und nicht Israels offizielle Hauptstadt sei.

Dem Deutschen Presserat liegen inzwischen zahlreiche Beschwerden über Hanitzschs Karikatur vor. Das Gremium wird sich nun damit befassen, ob die Zeichnung Karikatur gegen den Pressekodex verstößt.

Diese Nachricht wurde am 17.05.2018 im Programm Deutschlandfunk gesendet.