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StartseiteForschung aktuellUmweltengel auf Schienen13.02.2007

Umweltengel auf Schienen

Ingenieure entwickeln Lokomotiven mit Hybridantrieb

<strong>Technik. - Der Hybridantrieb aus kombinierten Elektro- und Dieselmotoren verbraucht weniger Treibstoff und erzeugt weniger Schadstoffe als ein konventioneller Antrieb. Lokhersteller aus den USA, Schweden und Deutschland verfolgen dabei zwei unterschiedliche Konzepte.</strong>

Von Sönke Gäthke

STT aus Schweden baut Lokomotiven mit Hybridantrieb. (STT)
STT aus Schweden baut Lokomotiven mit Hybridantrieb. (STT)

Rangierbahnhöfe sind fest in der Hand von Dieselloks. Wann immer ein Güterzug neu zusammengestellt werden muss oder ein einzelner Wagen von einem Zug abgehängt werden soll – stets ist eine Diesellok zur Stelle und erledigt die Aufgabe. Aber die meiste Zeit stehen sie und warten auf den nächsten Einsatz. Viele Starts, viele Stopps, viel Warten – der Dieselmotor ist für diese Aufgabe eigentlich denkbar ungeeignet: Die meiste Zeit läuft er mit unwirtschaftlichen Drehzahlen. Nur beim Anfahren wird er wirklich gefordert. Ingenieure aus den USA kamen daher auf die Idee, die Rangierloks mit einer Technik aus dem Automobilbau zu koppeln, um den Verbrauch zu senken: mit dem Hybridantrieb. Dabei liefern Batterien einen Teil der Leistung.

"Ja, wir haben 2000 mit dem Grünen Kätzchen angefangen, so nannten wir die kleine Lok, es folgte die grüne Ziege, eine große Rangierlok, und heute bauen wir die dritte, deutlich verbesserte Generation von Hybrid-Rangierlokomotiven."

So Patrice Beaudry von der Firma Railpower. Die amerikanischen Techniker bauten stets eine alte Rangierlok um – das ist billiger als ein Neubau. Ihnen kam dabei zu gute, dass sie gar nicht so viel ändern mussten: die meisten Dieselloks sind diesel-elektrisch, dass heißt, der Diesel erzeugt Strom, und der Strom treibt Elektromotoren an. Die Techniker brauchten nur noch den großen alten Motor gegen einen neuen, kleinen zu tauschen und den frei gewordenen Platz mit Batterien auffüllen. Dann noch eine neue Steuerung, und der Umbau war fertig. 30 Lokomotiven hat das kleine Unternehmen bereits in den USA verkauft – und eine kleine Firma in Europa gefunden, die diese Technik hier auf den Markt bringen will: die Svensk Tag Teknik STT aus Schweden. Patrick Lennartsson:

"Der Vorteil ist, dass wir eben einen kleinen Dieselmotor nutzen. Der erzeugt viel weniger Schadstoffe und verbraucht viel weniger Diesel. Die Erfahrungen in den USA lassen auf eine Reduktion von 40 bis 60 Prozent schließen."

Der kleine Motor hat aber auch einen Nachteil: Seine Kraft reicht nicht aus, um einen ganzen Zug aus dem Stand vorwärts zu bewegen. Daher springen die Batterien dem Diesel beim Anfahren bei: Sie liefern einen Teil des notwenigen Stroms. Ist die Lok erst einmal in Fahrt, kann der kleine Dieselgenerator die Lok allein in Schwung halten. Steht die Lok, läuft der Motor weiter und lädt die Batterien nach. Dann stellt der Motor sich ab. Die erste schwedische Lok mit dieser US-Technik hat in diesem Sommer ihre Tests in Skandinavien absolviert. In Europa könnten die schwedischen Lokbauer demnächst allerdings auf Konkurrenz treffen: Auch das Unternehmen Alstom hat in seinem Werk in Stendal eine Hybriddiesellok entwickelt. Deren Techniker allerdings haben die Rollen von Dieselmotor und Batterie vertauscht, erklärt Arnim Hertel, Entwickler des Unternehmens.

"Das Betriebskonzept ist: Die Lok fährt auf Batterie, und wenn die Batterie ein gewissen Ladezustand unterschreitet, schaltet sich der Generator zu und lädt die Batterie wieder auf. Oder auch Spitzenlasten werden über Batterie und Generator gemeinsam abgedeckt."

Ganz so weit wie die Schweden mit ihrer erprobten US-Technik sind die Stendaler allerdings noch nicht: Ihre Hybridlok wird erst zu Ostern 2007 Testfahrten absolviert haben – wenn alles nach Plan geht. Die Ingenieure in den USA haben unterdessen bereits eine neue Idee: Sie haben eine Lok für Rangier- und leichten Streckendienst mit drei verschieden großen Dieselmotoren und ganz ohne Batterien entwickelt:

"Das ist effizienter. Braucht man nur wenig Leistung, muss man die großen Motoren nicht einschalten, nur den kleinen, und für mehr Leistung schaltet man die größeren dazu. Das spart auch viel Diesel, lässt sich leicht steuern und die Diesel sind umweltfreundlich."

Und weil die kleinen Motoren seltener gewartet werden müssten als ein großer, würde sich auch so ein Umbau rechnen, so Patrice Beaudry. Die Union Pacific – ein der sechs großen Eisenbahnen in den USA - sieht das offenbar eben so, und lässt ihre kleinen Dieselloks entsprechend umbauen.

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