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StartseiteUmwelt und VerbraucherWenn aus Stein Papier wird 18.02.2016

Umweltfreundliche Alternative Wenn aus Stein Papier wird

Herkömmliches Papier hat eine verheerende Ökobilanz - anders als Steinpapier: Für dessen Herstellung muss kein Baum gefällt und kein Trinkwasser verbraucht werden. Steinpapier ist zudem beliebig oft recycelbar. Eine Alternative zu Holz und sogar zu Erdöl, denn es könnte auch Plastiktüten ersetzen.

Von Rebecca Hillauer

Papierflieger mit einer Y-Flügelstellung (picture alliance / dpa / Philipp Brandstädter)
Steinpapier gibt es bereits seit 20 Jahren - hebt es bald auch auf dem Markt ab? (picture alliance / dpa / Philipp Brandstädter)

"Das ist eines unserer Notizbücher. Es ist aus 100 Prozent Steinpapier. Es sieht aus wie ein ganz normales Notizbuch, aber das Papier ist samtiger, man fühlt keine Fasern vom Holz."

Anne Pleun van Eijsden, Wahlberlinerin aus den Niederlanden, hat das Start-up "Paper on the rocks" gegründet für Produkte aus Steinpapier. Der Vertrieb läuft bislang über ihre Homepage, die sie im November 2015 gestartet hat.

"Das ist eine kurze Zeit, aber die Leute nehmen das Papier wirklich gut an. Ihnen gefällt es, wie weich man darauf schreibt und zeichnet. Es ist auch wasserabweisend. Wenn man Kaffee darauf ausschüttet, wischt man ihn einfach weg."

Wisch- und wasserfest

Laut Hersteller besteht Steinpapier aus 80 Prozent Calciumcarbonat, also Kalksteinmehl, einem Abfallprodukt der Bergbauindustrie, und aus 20 Prozent recyceltem Polyethylen. Die beiden Grundstoffe werden per Thermoverfahren verschmolzen und zu Rollen oder Bögen geformt. Der Kunststoff soll das Papier nicht nur wisch- und wasserresistent machen, sondern je nach Stärke auch zäh bis reißfest. Ideal für häufigen und den Outdoor-Gebrauch, meint Joachim Hackel, der mit seiner Firma "JH Innovations" in Deutschland Alleinimporteur für Steinpapier ist:

"Das geht vom Türhänger für Hoteltüren bis Tragetaschen. Sie können dann mit der Tragetasche durch den Regen laufen - und die Tasche durchweicht nicht. Sie können das Material tagelang in Wasser legen, ohne dass der Druck dann abgeht. Zum Beispiel Wanderkarten oder Radwanderkarten. Auch die Falz: Wenn Sie auf und zu und auf und zu falten, das verschleißt viel langsamer, als wenn sie ein laminiertes Papier ständig auf- und zufalten."

Wiederverwertbar zu Papier und Plastik

Entwickelt wurde Steinpapier vor rund zwanzig Jahren in Taiwan. Dort wird es auch heute noch hergestellt und dann in Containern nach Europa verschifft. Mittlerweile ist Steinpapier mit dem "Cradle to Cradle"-Zertifikat ausgezeichnet. Übersetzt heißt das "Wiege zu Wiege". Und zeichnet Produkte aus, die keinen Abfall erzeugen, sondern zu neuen Produkten wiederverwertet werden. Michael Braungart, Leiter des Hamburger Umweltinstituts, hat das Zertifikat mitentwickelt. Gemeinsam mit Studenten hat der Chemiker und Verfahrenstechniker die Wiederverwertbarkeit von Steinpapier getestet.

"Wir haben das bis zu 200 Mal eingeschmolzen und wieder ausprobiert, und es gibt da eigentlich keine Begrenzung. Es ist richtig, dass dadurch natürlich die Eigenschaften abnehmen. Man kann dann aber hingehen und kann dieses Polethylen aus dem Steinpapier für andere Zwecke nehmen, zum Beispiel landwirtschaftliche Folien für das Einpacken von Heu. Oder man kann es verwenden als Rücken für Teppichböden oder Fußbodenbeläge. Das heißt, es gibt da noch ganz viele andere Einsatzmöglichkeiten, wenn dann die Eigenschaft für Papier nicht mehr gut genug ist."

Für diese Ökobilanz hat Steinpapier jüngst das Kiwa-Zertifikat erhalten. Zur Herstellung der beiden Grundstoffe Kalksteinmehl und Polyethylen werden zwar Wasser und Energie benötigt, sagt Importeur Joachim Hackel. Im Vergleich zu herkömmlichem Papier würden bei der Produktion einer Tonne Steinpapier aber so viele Kilowattstunden eingespart, wie ein Vier-Personen-Haushalt jährlich verbraucht.

Entsorgung in gelber Tonne

"Gleichzeitig sind wir in der Lage, auch noch stabilere Steinpapiere zu produzieren. Dazu brauchen wir stärkeres Material. Also ein Joghurtbecher, das ist dann ein Mischungsverhältnis von 60 zu 40, da brauchen wir mehr Kunststoff. Das heißt, wir müssen da angreifen, wo etwas zu 100 Prozent aus Kunststoff hergestellt wird, und ersetzen es durch ein Material, das nur noch zu 40 Prozent aus Kunststoff hergestellt wird. Der Vorteil ist, dass wir halt viel weniger Öl verbrauchen zur Herstellung - viel, viel weniger."

Eines müssen die Verbraucher aber beachten: Das Steinpapier gehört nicht, wie man vermuten würde, in den Altpapiercontainer, sondern - wie Plastik - in die gelbe Tonne.

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