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Seit 01:10 Uhr Hintergrund
StartseiteForschung aktuellSynthetischer Sprit für weniger Luftverschmutzung10.05.2017

Umweltfreundlicher KraftstoffSynthetischer Sprit für weniger Luftverschmutzung

Dieselfahrzeuge verschmutzen die Luft durch Ruß und Stickoxide. Das liegt vor allem am Kraftstoff. Wissenschaftler erforschen deshalb auch neue Treibstoffe für ganz normale Motoren und hoffen auf synthetischen Sprit. Doch der Weg zur sauberen Mobilität mit Verbrennungsmotoren ist noch weit.

Von Hellmuth Nordwig

Abgase entweichen den Auspuffrohren eines Autos (Jaguar) am 2201.2004 in Frankfurt am Main. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
Experten sind überzeugt, dass trotz des Trends zur Elektromobilität Verbrennungsmotoren weiterhin wichtig bleiben werden. (picture alliance / dpa / Arne Dedert)
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Dieselfahrzeuge stoßen Ruß und Stickoxide aus. Und das liegt am Kraftstoff. Synthetische, also künstlich hergestellte Kraftstoffe sollen das ändern. Für besonders vielversprechend halten Experten die Oxymethylenether, kurz OME. Georg Wachtmeister hat sie an seinem Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen der TU München getestet.

"Da haben wir ganz ausgezeichnete Ergebnisse im Emissionsverhalten. Die Partikelemission, sowohl hinsichtlich Masse als auch hinsichtlich Partikelanzahl, ist auf extrem niedrigem Niveau. Wenn ich einen Kraftstoff habe, der keine Partikel entstehen lässt, kann man auch die Stickoxide auf niedrigste Emissionen drücken."

Weniger Luftschadstoffe als reiner Diesel

Die OME sind flüssig und könnten wie bisher in Tankwagen transportiert und an Tankstellen verkauft werden. Es ist auch möglich, sie mit herkömmlichem Dieselkraftstoff zu mischen. So ein Gemisch erzeugt immerhin weniger Luftschadstoffe als reiner Diesel. Es fehlt allerdings noch an einer Norm für solche Kraftstoffe. Die wäre wichtig, denn für die OME muss ein Dieselmotor geringfügig umgebaut werden.

"Wir haben die Versuche durchgeführt mit einem Einzylinder-Dieselmotor. Der wurde absolut nicht verändert. Veränderungen sind aber erforderlich, doch die sind relativ überschaubar. Man muss die Einspritzdüsen etwas vergrößern. Das ist es aber dann auch. Also größere Veränderungen sind nicht erforderlich, um diesen Kraftstoff einsetzen zu können."

Um das zu demonstrieren, baut Ford derzeit einen Mittelklassewagen mit Dieselmotor, der OME tanken wird. Und auch Georg Wachtmeister plant noch in diesem Jahr Fahrversuche, um Erfahrung auf der Straße zu sammeln. Wenn sie erfolgreich sind, heißt das aber nicht, dass der Dieselkraftstoff schon bald durch die OME ersetzt wird. Der größte Haken: Sie stehen noch lange nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. Doch daran arbeiten Forscher mit Hochdruck, denn viele Fachleute sind sicher: Trotz des Trends zur Elektromobilität werden Verbrennungsmotoren weiterhin wichtig bleiben. Bei der Deutschen Gesellschaft für Chemische Technik geht man davon aus, dass im Jahr 2030 nur einer von zehn Pkw in Deutschland rein elektrisch betrieben wird, erklärt deren Geschäftsführer Kurt Wagemann.

"Wenn wir andererseits die Lkw betrachten: Es ist unglaublich schwierig, die mit Batterien auszustatten. Die verlieren dann unglaublich viel an Ladevermögen. Und darum wird es auf absehbare Zeit in den nächsten Jahrzehnten sicher in großem Umfang klassische Motoren geben. Sowohl für Pkw als auch vor allem Lkw oder Schiffe und Flugzeuge."

Zukunft des Verbrennungsmotors

Synthetische Kraftstoffe wie die OME sollen also die Zukunft des Verbrennungsmotors sichern, ohne dass die Städte in Ruß und Abgasen ersticken. China steuert bereits um und hat im aktuellen Fünfjahresplan solchen Treibstoffen höchste Priorität eingeräumt. Und nur in China werden OME bereits großindustriell hergestellt.

"Wo in der Größenordnung 10.000 bis 30.000 Tonnen produziert werden jährlich. Aber das ist ein Prozess, der dort auf Basis Kohle passiert. Das heißt, nicht das, was wir eigentlich wollen. Und es ist ein doch recht aufwendiger, nicht wirklich ausentwickelter Prozess. Da muss noch einiges passieren, dass das im Sinne einer nachhaltigen Produktion effizient erfolgt."

Deutschland steht da noch ganz am Anfang. Hier favorisieren Forscher langfristig die klimaschonende Herstellung aus CO2 und Wasserstoff. Und der wiederum soll mit regenerativ erzeugtem Strom gewonnen werden. Kurt Wagemann:

"Wir haben aber momentan nicht genügend Strom, um das zu produzieren, Strom aus erneuerbaren Quellen. Wir reden hier über eine Entwicklung, die wirklich relevant wird für das Jahr 2030 und später."

Erst dann könnte also die Vision eines sauberen, klimaneutralen Verbrennungsmotors Wirklichkeit werden. Die synthetischen Kraftstoffe selbst sind dabei das kleinste Problem. Sie könnten schon jetzt in Motoren eingesetzt werden.

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