Samstag, 18.11.2017
StartseiteNachrichten vertieftStudie: Autobauer geben Spritverbrauch zu niedrig an17.11.2016

Umweltorganisation ICCTStudie: Autobauer geben Spritverbrauch zu niedrig an

Der Umweltforscherverbund ICCT war bereits an der Aufdeckung des VW-Abgasskandals in den USA beteiligt, jetzt legt er beim Thema Spritverbrauch und CO2-Ausstoß nach: Einer neuen Studie der Organisation zufolge weicht der reale Kraftstoffverbrauch von Autos in Europa um durchschnittlich 42 Prozent von den Angaben der Hersteller ab.

Eine Hand hält einen Zapfhahn in der Hand und betankt ein Auto (Imago/ Westend61)
Der Kraftstoffverbrauch hängt direkt mit dem CO2-Ausstoß zusammen (Imago/ Westend61)

In seiner am Donnerstag vorgestellten Untersuchung erhebt der "International Council on Clean Transportation" ICCT schwere Vorwürfe gegen die Autoindustrie. Die Kluft zwischen dem von den Autobauern veröffentlichten Kraftstoffverbrauch und dem tatsächlich vom Kunden festgestellten Verbrauch ist nach Angaben der Wissenschaftler so hoch wie nie. Für Verbraucher bedeute dies Mehrkosten von 450 Euro pro Jahr.

Die Hauptursache dieser Diskrepanz sieht ICCT-Europa-Chef Peter Mock darin, dass die Autokonzerne "immer systematischer Schlupflöcher in der bestehenden Regulierung ausnutzen". Autos - etwa Reifen und Batterien - würden gezielt für die Testsituation optimiert. Zudem spielten Faktoren hinein, die den Labor- gegenüber dem Straßenbetrieb sparsamer erscheinen lassen - wie die Abschaltung von Klimaanlagen.

Im DLF-Interview erklärt Peter Mock die "legalen Tricksereien" mit sogenannten Ausrollversuchen. Es sei in Europa anders als in den USA "unglaublich schwierig", an die offiziellen Werten dieser Autotests heranzukommen.

Direkter Zusammenhang zwischen Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß

Nach Angaben der Wissenschaftler flossen Daten für etwa eine Million Autos aus sieben europäischen Ländern in die Studie ein. Der ICCT startete die Tests zum Kraftstoffverbrauch im Jahr 2001. Damals betrug die mittlere Abweichung aller einbezogenen Automodelle noch neun Prozent. Pikant aus Sicht des ICCT: Spätestens nach der EU-Einigung auf verpflichtende CO2-Regeln für die Autobranche 2008 sanken die offiziellen CO2-Werte "deutlich schneller", der echte Ausstoß des Treibhausgases jedoch offenbar nicht.

Wegen der direkten Kopplung von Spritverbrauch und CO2-Emissionen könnten die betroffenen Autofahrer damit auch das Klima viel mehr belastet haben als gedacht. Die Tests des ICCT und der West Virginia University hatten bereits zur Aufdeckung des "Dieselgate"-Skandals in den USA geführt, bei dem Volkswagen Abgaswerte allerdings tatsächlich technisch manipuliert hatte. Damals ging es um Stickoxide. Diese entstehen bei vielen Verbrennungsprozessen, greifen Schleimhäute an, können Menschen, Tiere und Pflanzen schädigen. Das Thema CO2 - und damit der Spritverbrauch auch von Benzinmotoren - reicht weiter. Es heizt die Atmosphäre neben Methan besonders auf. Die Kfz-Steuer hängt in Deutschland maßgeblich am Kraftstoffverbrauch und den CO2-Werten.

(nin/cc)

 

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