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StartseiteUmwelt und VerbraucherWo sind all die Schmetterlinge hin?06.06.2014

UmweltschutzWo sind all die Schmetterlinge hin?

Vier von fünf Tagfalterarten in Deutschland sind bedroht, warnt der BUND. Schuld sei die sich verändernde Landwirtschaft, sagte Magnus Wessel, Artenschutzexperte bei dem Umweltverband, im DLF. Besonders Schmetterlinge seien gefährdet.

Magnus Wessel im Gespräch mit Jule Reimer

Kleiner Fuchs, aglais urticae, Schmetterling, Löwenzahn (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)
Der "Kleine Fuchs" kommt fast überall in Deutschland vor. (picture alliance / dpa / Hinrich Bäsemann)
Weiterführende Information

EU-Agrarreform - Deutschland weicht Ökovorschriften auf (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 26.02.2014)

Jule Reimer: Gerechter und grüner soll die europäische Agrarpolitik mit der jüngst beschlossenen Reform werden, für die die Union in den nächsten Jahren 360 Milliarden Euro bereitstellt. Zumindest aus dem grüner wird jedoch möglicherweise nichts. Eine internationale Wissenschaftlergruppe unter Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig kommt zu dem Schluss, dass viele Tier- und Pflanzenarten durch die beschlossenen Maßnahmen nicht geschützt werden. Eigentlich sollten die Landwirte mindestens sieben Prozent ihrer Flächen pestizidfrei bewirtschaften, dort zum Beispiel Ökolandbau betreiben. Diese Vorschläge sind jetzt weitgehend gestrichen oder verwässert worden.

Magnus Wessel ist Artenschutzexperte beim Umweltverband BUND. Der BUND ruft an diesem Wochenende zum Schmetterlingezählen auf. Herr Wessel, inwieweit beeinflusst die Art der Landwirtschaft den Bestand der Schmetterlinge?

Magnus Wessel: Das ist natürlich ein ganz wesentlicher Beitrag. Die Landwirtschaft dominiert unsere Landschaft und Schmetterlinge brauchen vor allen Dingen Nektarpflanzen und Futter für ihre Raupen. Das heißt am Ende eine vielfältige Landschaft mit artenreichen Wiesen, blühenden Wegrändern und Wildpflanzen, und sobald das durch die industrielle Landwirtschaft nicht mehr gewährleistet ist, haben wir ein großes Problem.

Reimer: Sagen Sie, wie ist es um die heimischen Arten bestellt?

Wessel: Bei den ungefähr 190 heimischen Tagfalter-Arten muss man sagen, sind ungefähr 80 Prozent hoch bedroht, und EU-weit zeigt sich das gerade bei den Schmetterlingen, die auf Wiesen angewiesen sind, noch viel deutlicher. Da sind es ungefähr 50 Prozent aller Schmetterlinge, die in den letzten zehn Jahren einen dramatischen Populationseinbruch gehabt haben, und das ist natürlich nichts, was man mit dieser Form der Agrarreform irgendwie stoppt.

Reimer: Sie wollen am Wochenende Falter zählen lassen über Pfingsten. Wer mitmachen will, wie funktioniert das dann?

Wessel: Das Einfachste ist, wenn man unter bund.net/faltertage schaut. Es gibt einen Zählbogen, da können zehn Falterarten, die leicht zu erkennen sind, bestimmt werden, und dann kann man bis zum 7. November ab Pfingsten uns das zurückmelden. Das kann man auch online machen. Da muss man dann eintragen, welche Art hat man gesehen, wie viele Schmetterlinge hat man gesehen, wo hat man sie gesehen und bei welchem Wetter sind sie gezählt worden, denn das hat natürlich einen maßgeblichen Einfluss darauf, wie viele Schmetterlinge unterwegs sind. Die haben es gerne warm und trocken.

Reimer: Sagen Sie noch mal, bis zu welchem Datum?

Wessel: Bis zum 7. November ab Pfingsten.

Reimer: So lang?

Wessel: Genau, weil natürlich die Schmetterlinge nicht nur zu Pfingsten fliegen und nicht nur in den nächsten anderthalb Sommermonaten fliegen, sondern viele Arten sich bis zum ersten Frost hinziehen, und um das möglichst gut abzubilden, haben wir die Zählperiode in jedem Jahr etwas länger.

Reimer: Kann ich als Laie tatsächlich auch die einzelnen Schmetterlinge voneinander unterscheiden?

Wessel: Wir haben zehn Arten herausgesucht von den 190, die relativ einfach zu bestimmen sind, und liefern gleichzeitig auch mit dem Zählbogen ein farbiges Blatt, auf dem man die sich alle angucken kann, und zwar nicht nur von oben, sondern auch von unten, denn so ein Schmetterling sitzt ja nicht nur immer mit aufgeklappten Flügeln da, sondern hat die auch manchmal zu und dann hilft das schon ganz gut.

Reimer: Werten Sie das dann wissenschaftlich aus?

Wessel: Das ist ja vor allen Dingen auch eine Aktion, um jedem die Möglichkeit zu geben, sich mal wieder mit Schmetterlingen zu beschäftigen und zu schauen, gibt es sie noch, die früher tagtäglich da waren, wie der Zitronenfalter oder der kleine Fuchs, oder sind sie weniger geworden. Das Ganze wird zusammengesammelt und es gibt dann eine grobe Einschätzung darüber, wie sich das über längere Jahre entwickelt, wenn man die Zahlen zusammen betrachtet. Schmetterlingspopulationen verändern sich von Jahr zu Jahr natürlich auch sehr stark, je nachdem wie die Witterung ist, und insofern braucht man da immer langfristige Trends, um dann gucken zu können, wie haben sich bestimmte Dinge entwickelt. Wir arbeiten da auch mit dem UFZ zusammen, die mit ihrem eigenen Tagfalter-Monitoring das auch unterstützen.

Reimer: Magnus Wessel ist Artenschutzexperte beim Umweltverband BUND. Der Verband ruft am Wochenende zum Schmetterlingezählen auf, schöne Gelegenheit, auch wenn das Wetter so schön ist. Informationen dazu gibt es im Internet unter der Website des BUND. Vielen Dank für diese Informationen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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