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StartseiteForschung aktuellImmer mehr Plastik in den Ozeanen 11.12.2014

UmweltverschmutzungImmer mehr Plastik in den Ozeanen

Wie viel Plastikmüll schwimmt in den Weltmeeren? Eine neue Studie feuert diese Auseinandersetzung unter Meeresforschern wieder an. Die Untersuchung hat nicht nur Mikroplastik betrachtet, sondern auch größere Gegenstände, und kommt dabei zu alarmierenden Ergebnissen.

Von Haluka Maier-Borst

Plastikmüll am Strand von Dakar, Senegal. Im Vordergrund sitzt eine magere Katze (Picture Alliance / dpa / EPA / Nic Bothma)
Plastikmüll am Strand von Dakar (Picture Alliance / dpa / EPA / Nic Bothma)
Weiterführende Information

Kiel gegen Plastikmüll - Ohne Tüte
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 30.09.2014)

Plastikmüll - Mikroplastik bedroht Lebewesen im Meer
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 02.07.2014)

Plastikmüll - Immer weniger Mehrwegflaschen im Handel
(Deutschlandfunk, Hintergrund, 29.03.2014)

Plastikmüll als Giftsammler
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 18.02.2013)

"Als ich zum ersten Mal von Hawaii nach San Francisco gesegelt bin, war ich erschrocken, was uns alles entgegenkam. Eine Zahnbürste, ein Teekessel oder eine Kiste. Ja, sogar ein herrenloses Kajak war darunter. Wir haben alle Sorten an Müll in diesem Teil des Ozeans gefunden."

Berichte wie der von Kara Lavender Law sind keine Seltenheit. Was die Ozeanografin der Sea Education Association beobachtet hat, gehört zum Alltag auf den Ozeanen.

Ein internationales Forscherteam hat nun versucht, die ganze Vielfalt an Plastikmüll in den Meeren zu erfassen, also sowohl die kleinen als auch großen Teile. Die Ergebnisse veröffentlichten Marcus Eriksen vom Five Gyres Institute in Los Angeles und seine Kollegen jetzt im Fachblatt "PLOS ONE".

Fünf Billionen Plastikstücke

Die Forscher kommen in ihrer Studie auf eine unfassbare Zahl. Fünf Billionen Plastikstücke sollen auf der Oberfläche der Meere treiben. Eine Zahl mit 12 Nullen. [Zahlen nachträglich korrigiert, die Audiofassung enthält leider eine falsche Angabe, Anmerkung d.Red.] Das Gewicht des gesamten Plastikmülls beträgt demnach fast 270.000 Tonnen. Zum Vergleich, das ist etwa das anderthalbfache Gewicht des Kölner Doms.

"Das ist eine unvorstellbar große Zahl, das ist sehr, sehr viel. Und wir wissen, dass sich das in den Ozeanen verteilt", erklärt Martin Thiel, der Co-Autor der Studie. Interessant sind die neuen Zahlen aber auch, weil spanische Forscher bereits im Sommer wesentlich niedrigere Zahlen veröffentlicht haben. Andres Cozar von der Universität Cadiz und seine Kollegen kamen auf 7.000 bis 35.000 Tonnen an Plastikmüll. Die Zahlen der neuen Studie sind also 7 bis bis 38 Mal höher. Wie es dazu kommt, erklärt Martin Thiel.

"Der Unterschied ist, dass unsere Studie nicht nur die Mikroplastik, also die kleinen Fragmente, die kleinen Teile untersucht hat mit Netzen, sondern auch die großen Plastikteile, große Netze, große Kisten, Bojen auch quantifiziert hat."

Umstrittenes Zählverfahren

Auch das Verfahren, mit dem die Anzahl großer Plastikteile für eine Ozeanregion abgeschätzt wird, ist anders als beim Mikroplastik. Beim Zählen von Mikroplastik werden die winzigen Teilchen mit einem Netz herausgefischt. Bei großen Plastikteilen dagegen, stehen Beobachter an Deck eines Schiffs und schauen, wo sie solche Teile auf der Meeresoberfläche erkennen können.

Genau an dieser Methode gibt es jedoch Kritik. Experten sagen, dass diese Sichtungen fehleranfällig seien. Doch es ist nicht nur die Messmethode die Kara Lavender Law hinterfragt.

"Die Messmethode sehe ich natürlich kritisch, aber auch wie mit den Messdaten umgegangen wurde und wie die Gruppe die Zahl größerer Plastikteile hochgerechnet hat. Das ist problematisch."

Naturgemäß sehen das die Autoren der Studie anders. Martin Thiel erklärt, man wisse um die Problematik. Man habe darum auch nur Plastik gezählt, das sehr nah am Schiff vorbeitrieb und gut erkennbar war.

"Deshalb sind wir in dieser Studie sehr konservativ gewesen und haben nur bis zu einer Distanz von 20 Metern abgeschätzt und auch auf diese Entfernung von 20 Metern alle unsere Abschätzungen basiert."

Bei Mikroplastik werden frühere Ergebnisse bestätigt

Dennoch bleibt fraglich, ob die Zählung der größeren Plastikteile wirklich solide war. Trotzdem ist die neue Studie von Eriksen, Thiel und dem restlichen Forscherteam ein wichtiger Schritt für die Wissenschaft, weil sie teilweise alte Ergebnisse bestätigt, wie Kara Lavender Law erklärt:

"Das Spannende ist, dass, wenn man nur auf die Abschätzungen des Mikroplastiks schaut, liefert die neue Studie nahezu identische Ergebnisse wie die Studie von Cozar aus dem Sommer."

Wie groß aber die gesamte Menge an Plastik in den Ozeanen ist und vor allem wie viel Plastik noch unterhalb der Meeresoberfläche treibt, das bleibt weiterhin ein Rätsel.

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