Verbrauchertipp /

 

Umzug mit Freunden

Gefälligkeiten sind von der Haftung grundsätzlich ausgeschlossen

Von Karin Lamsfuß

Ein Umzug kann eine Freundschaft auf eine harte Zerreißprobe stellen.
Ein Umzug kann eine Freundschaft auf eine harte Zerreißprobe stellen. (picture alliance / dpa / Ralf Hirschberger)

Wer in eine neue Wohnung zieht, nimmt gegen Pizza und Bier gerne mal die Dienste von Freunden in Anspruch. Die helfenden Hände schonen den Geldbeutel. Doch Vorsicht: Geht etwas zu Bruch, bleibt der Geschädigte in den allermeisten Fällen auf den Kosten sitzen.

"Irgendwer zieht immer um, und ich helfe auch gerne, aber ich pass da immer auf, dass ich nicht unbedingt die Kisten nehme, wo 'Vorsicht Glas' draufsteht oder den Lampenschirm, der irgendwie total empfindlich ist, weil ich hab keine Ahnung, ob das meine Versicherung zahlt!"

Um es vorwegzunehmen: In der Regel zahlt in diesen Fällen weder die eigene Haftpflichtversicherung noch irgendeine andere Versicherung. Der Grund: Es handelt sich um eine sogenannte "Gefälligkeit", und diese Gefälligkeiten unter Freunden oder Nachbarn sind von der Haftung grundsätzlich ausgeschlossen. Voraussetzung, so der Rechtsanwalt Peter Bruchhausen, es handelt sich um leichte Fahrlässigkeit:

"Sollte es vorsätzlich oder grob fahrlässig sein, wovon ich mal nicht ausgehe, weil das die große Ausnahme wäre, würden Sie haften. Allerdings sind die meisten Fälle eben so, dass man leicht fahrlässig etwas verursacht hat, aus Unachtsamkeit beschädigt man etwas, und in diesen Fällen steht die Rechtsprechung auf dem Standpunkt, wenn es um einen privaten Umzug geht, bei dem man hilft, ohne dafür Entgelt zu bekommen, dann haftet man nicht."

Grobe Fahrlässigkeit oder gar Vorsatz kommen im Rahmen von Freundschaftsdiensten nur äußerst selten vor: Da müsste der Freund zum Beispiel die Wohnung unter Wasser setzen oder absichtlich das Parkett zerkratzen – in der Praxis also eher unwahrscheinlich.

Alles andere, was unter ganz normale Unachtsamkeit fällt, wird von keiner Versicherung übernommen. Dieser Tatsache sind sich die meisten, die beim Umzug um kostenlose Hilfe bitten, nicht bewusst.

"Daran können ja wirklich auch Freundschaften kaputtgehen, wenn's hart auf hart kommt!"

Tatsächlich kann ein Umzug eine Freundschaft auf eine harte Zerreißprobe stellen, weiß Rechtsanwalt Bruchhausen aus seiner Praxis. Mehr noch: Nicht selten treffen sich die Freunde dann als Kontrahenten vor Gericht wieder.

"Da wird sich der Wenigste Gedanken drüber machen. Wir sehen es ja auch anhand der Rechtsprechung: Es gibt ja zahlreiche Entscheidungen zu diesem Komplex, und die gehen dann immer alle dahin, dass der Kläger – eben der Geschädigte - Erstattung verlangt von seinem Umzugshelfer und sie doch nicht bekommt, weil er sich von den Gerichten sagen lassen muss: Das ist eine Gefälligkeitssituation gewesen, der hat nur leicht fahrlässig gehandelt, der Schädiger, und dafür haftet er nicht in solchen Situationen."

Wer edle und empfindliche Möbelstücke hat, kann dennoch vorsorgen: Mit den Freunden eine kleine Vergütung vereinbaren, am besten schriftlich.

"Wenn man allerdings einen bestimmten Geldbetrag vereinbart, und zwar vorab vereinbart, dann kann eine Haftung durchaus in Betracht kommen, auch für leichte Fahrlässigkeit, weil wir dann von einem entgeltlichen Verhältnis auszugehen haben, also einem wirklichen richtigen Vertrag, der dann auch die Verpflichtung beinhaltet, auch leicht fahrlässig nichts zu beschädigen. Das ist aber in den allermeisten Fällen nicht gegeben."

Wer ganz auf Nummer sicher gehen und auch keine Freundschaft aufs Spiel setzen will, sollte eine Spedition beauftragen. Die haftet in vollem Umfang, auch bei leichter Fahrlässigkeit bis maximal 620 Euro pro Kubikmeter Ladung.

Übrigens: Umzugskosten kann man auch bei der Steuererklärung geltend machen. Entweder als Werbungskosten - wenn der Umzug beruflich bedingt ist - oder als haushaltsnahe Dienstleistung, dann allerdings nur zu 20 Prozent der Rechnungssumme.

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Verbrauchertipp

EnergieeffizienzEU verbietet Staubsauger mit mehr als 1.600 Watt

Eine Frau saugt mit einem Staubsauger den Fußboden eines Wohnzimmers.

Seit heute müssen Staubsauger in der EU einen Energieeffizienz-Aufkleber tragen. Außerdem dürfen sie nur noch eine maximale Leistung von 1600 Watt haben. Damit heißt es: Turbosauger ade.

Matratzen im TestAuf die Abstützeigenschaft kommt es an

Ein Junge schläft versteckt unter einer gestreiften Bettdecke, nur sein Haarschopf ist zu sehen.

Wie findet man die passende Matratze - hart, weich oder irgendwas dazwischen? Die Stiftung Warentest hat diesmal drei verschiedene Typen untersucht - Latex-, Schaumstoff- und Boxspring-Matratzen. Die günstigen Schaumstoffmatratzen schnitten nicht gut ab.

HochwasserschutzHaus und Wohnung besser absichern

Die Übersicht zeigt am 15.06.2013 die überflutete Ortschaft Fischbeck (Sachsen-Anhalt). Mit einer außergewöhnlichen Sprengaktion soll ein Loch in einem Elbdeich in Sachsen-Anhalt gestopft werden.

Innerhalb von Minuten standen ganze Wohnungen unter Wasser: Ende Juli dieses Jahres versank Münster in den Regenfluten. Doch vor Überschwemmungen durch Hochwasser können sich Hausbesitzer schützen - mit einfachen Maßnahmen.

Browser-TestSicher und schnell im Internet surfen

Die Symbole der Internetbrowser Mozilla Firefox, Google Chrome, Apple Safari und Microsoft Internet Explorer sind auf einem Computermonitor zu sehen.

Wer im Internet surft, benötigt einen Browser. Immerhin elf hat davon die Stiftung Warentest unter die Lupe genommen und dabei vor allem die Sicherheit und Geschwindigkeit verglichen. Ein alter Platzhirsch schnitt dabei nur mittelmäßig ab.

LärmdämmungRuhe in den eigenen vier Wänden

Ein Güterzug fährt am Haus der Familie Schneider (links) in Assmanshausen (Rüdesheim) vorbei (Foto vom 20.08.2010).

Eine Mücke tapsen oder den Lärm der Schnellstraße vor der Tür hören: Das individuelle Lärmempfinden ist sehr unterschiedlich. Und manchmal hilft dann nur das Nachrüsten bei der Lärmdämmung. Das ist allerdings teuer - und kleine Fehler haben große Auswirkungen auf den Schall.

FlachbildfernseherGuten Sound nachrüsten

Eine Fernbedienung wird am 09.01.2012 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) in Richtung eines Fernsehers gehalten.

Bei Flachbildfernsehern ist kaum noch Platz für die Lautsprecher vorhanden. Viele Geräte strahlen den Ton sogar nach hinten - also zur Wand - ab. Das ist dann ziemlich schlecht für das Klangerlebnis - aber es gibt Möglichkeiten, den Ton aufzubessern.