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StartseiteMarkt und Medien Unabhängiger Journalismus in Georgien unerwünscht16.02.2013

Unabhängiger Journalismus in Georgien unerwünscht

Journalisten kehren georgischem Premierminister den Rücken

Der Milliardär Bidzina Ivanishvili gründete den Fernsehsender "TV 9", bei dem Journalisten ein unabhängiges Programm machen konnten. Doch kaum wurde er Premierminister, war es vorbei mit der Unabhängigkeit. 19 Journalisten verließen nun deshalb demonstrativ den Sender.

Von Thomas Franke

Georgiens Premierminister Bidzina Iwanischwili (r.) und Staatspräsident Michail Saakaschwili bei einem Treffen in Tiflis (picture alliance / dpa / Giorgi Kakulia / Dream Party Pre)
Georgiens Premierminister Bidzina Iwanischwili (r.) und Staatspräsident Michail Saakaschwili bei einem Treffen in Tiflis (picture alliance / dpa / Giorgi Kakulia / Dream Party Pre)

Die Hauptnachrichtensendung auf "TV 9" am 30. November letzten Jahres. Starmoderatorin Natia Lazashvili verliest eine Meldung in eigener Sache. Acht Monate habe sie bei "TV 9" gute Arbeit machen können. Nun ginge das nicht mehr. Sie bedaure es sehr. Mit ihr verließen 18 Journalisten den Sender. Eine von ihnen war Nachrichtenchefin Tamar Rukhadze:

"Wenn wir in Georgien gute Medien haben wollen, dann müssen die Politiker endlich für die nötigen Rahmenbedingungen sorgen. Egal, wer gerade an der Regierung ist: Wir müssen frei arbeiten können. "

Das ist in Georgien eher selten, besonders im Fernsehen. Und Fernsehen ist die Hauptinformationsquelle der Georgier. Derzeit gibt es zwei Lager, genau, wie in der Politik. Da sind zum einen die Sender, die sich öffentlich-rechtlich nennen und vom Lager des Präsidenten Micheil Saakashvili kontrolliert werden. Auf der anderen Seite "TV 9", der die Interessen seines Besitzers, des Premierministers und Milliardärs Ivanishvili vertritt.

Das Wohnzimmer von Irakli Absandze. Zwölf Journalisten sitzen um den Tisch. Es gibt Obst, Kekse, georgischen Wein und Wodka. Die meisten von ihnen haben im November den Sender "TV 9" verlassen. Immer wieder diskutieren sie, wie viel Geld nötig ist, um in Georgien einen eigenen Fernsehsender aufzumachen.

"Natürlich brauchen wir Geld. Aber Geld, das nicht verschmutzt von Politik ist. Wir haben wirklich große Erfahrung, wie das mit politischem Geld hier läuft. Und deswegen ist unsere einziger Hoffnung eigentlich, dass wir unabhängige Stiftungen aus Westeuropa oder Amerika, den USA, überzeugen können, dass es wichtig ist, in Georgien unabhängige Medien zu haben."

Nachrichtenchefin Rukhadze sieht das ähnlich. Wie die meisten hier, hat sie schon einmal einen Fernsehsender verlassen, "Rustavi 2". Das war 2006.

"Das war die gleiche Situation. Sie haben den Geschäftsführer gewechselt. "Rustavi 2" wurde immer mehr zum Regierungsfernsehen."

Sie habe sich den Abgang beide Male sehr gut überlegt, meint Tamar Rukhadze.

"Ich konnte nichts verändern, nicht bei "TV 9", und damals bei "Rustavi 2" auch nicht. Und da gehe ich lieber, als einer von denen zu werden, die meiner Ansicht nach falsch arbeiten. Da bleibe ich lieber zu Hause."

In Georgien wird unabhängiger Journalismus mit allen Mitteln bekämpft. Gastgeber Irakli Absandze ist selbst leidgeprüft. Auf ihn wurde jemand angesetzt, um mit ihm zu schlafen, das heimlich zu filmen und dann ins Internet zu stellen, um ihn zu erpressen. Absandze bekam Wind von der Geschichte, informierte seine Chefs, die machten die ganze Sache öffentlich, er erstattete Anzeige. Was dabei allerdings herauskommt, ist in Georgien höchst ungewiss.

Absandze ist in Georgien ein gefragter Journalist. Seit dem Abgang bei "TV 9" arbeitet er für die Zeitschrift "Liberali", ein gutes Blatt mit 3.000 Exemplaren Auflage, die Internetnutzung ist allerdings höher. Es gibt in Georgien also funktionierende Medien. Aber eben keine Massenmedien.

Solange sie keinen eigenen Fernsehsender haben, planen einige der Journalisten ein Portal im Internet, in dem Fakten überprüft werden. Die Bedeutung des Internets ist in Georgien in letzter Zeit gewachsen. Absandze spricht von 650.000 Facebook-Usern. Bei vier Millionen Einwohnern ist in jeder Familie einer. Doch eigentlich wollen die hier versammelten Journalisten richtiges Fernsehen machen. Absandze:

"Wir sind hier und das ist unsere Land und wir müssen irgendetwas dagegen tun, was hier läuft. Und es läuft nicht alles schief. Ich habe bei mir zu Hause wirklich sehr oft die Gäste, die bereit sind, für solche Sachen zu kämpfen. Und das finde ich cool."

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