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StartseiteVerbrauchertippWas tun, wenn der Briefkasten von Werbung überquillt?18.01.2018

Unerwünschte WerbungWas tun, wenn der Briefkasten von Werbung überquillt?

Viele Verbraucher fühlen sich überschüttet mit unaufgefordert eingeworfener Werbung. Das kann man hinnehmen, muss man aber nicht. Es gibt einige Mittel, mit denen man sich mehr oder weniger wirksam gegen die Werbeflut verteidigen kann. Man muss nur die Initiative ergreifen.

Von Klaus Deuse

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Von Werbung überquellender Briefkasten (picture alliance / dpa / Lars Halbauer)
Man sieht den Briefkasten vor lauter Prospekten nicht mehr? Ein einfacher Aufkleber "Keine Werbung" sollte hier laut BGH-Urteil genügen, um Ruhe zu haben. (picture alliance / dpa / Lars Halbauer)

Wenn Barbara Fischer zu ihrem Briefkasten geht, nimmt sie inzwischen gleich den Papierkorb mit:

"Ich bin immer völlig genervt, wenn ich statt netter Briefe und Karten die ganze Werbung im Briefkasten habe. Am schlimmsten finde ich eigentlich die, die am Wochenende kommt und dann auch noch eingeschweißt ist von den Supermärkten."

Doch gegen unerwünschte Flyer und sonstige Wurfsendungen kann man etwas unternehmen, sagt Carolin Semmler von der Verbraucherzentrale NRW. Und zwar sichtbar auf dem Briefkasten:

"Und das einfachste Mittel ist natürlich immer ein Aufkleber, auf dem steht: Keine Werbung."

"Keine Werbung" hilft nicht gegen Anzeigenblätter

Diese Aufkleber, so ein Urteil des Bundesgerichtshofes, haben werbende Unternehmen zu beachten. Bei kostenlosen Wochenblättern sieht es etwas anders aus. Denn sobald diese Blätter neben der Werbung auch nur einen geringen redaktionellen Teil enthalten, genügt der Aufkleber "Keine Werbung" nicht mehr und sollte, so Carolin Semmler, ergänzt werden:

"Dann muss auf diesem Aufkleber gesondert drauf stehen: Bitte auch keine kostenlosen Zeitungen, keine Anzeigenblätter, keine Wochenblätter."

Falls dennoch weiter Prospekte oder Wochenblätter im Briefkasten landen sollten, rät Carolin Semmler zu folgendem Schritt:

"Das Erste, was immer zu machen ist, ist das Unternehmen erst einmal anzuschreiben und darauf hinzuweisen, dass man zukünftig diese derartige Werbung nicht mehr möchte."

Am besten per Fax und einem qualifizierten Sendebericht oder eben per Brief, um die Aufforderung auch beweisen zu können. Dann sollte Schluss damit sein.

Es gibt Schutzlisten für Werbungs-abgeneigte Verbraucher

Etwas komplizierter wird es mit persönlich adressierter Werbung, die ein Postbote ja zustellen muss. Zum Verdruss von Barbara Fischer:

"Ganz unangenehm finde ich die Werbepost, die dann an mich persönlich adressiert ist. Da fragt man sich natürlich, woher haben die meine Adresse. Auch das nimmt zu meines Erachtens und das ist sehr unangenehm."

In solchen Fällen, sagt Verbraucherberaterin Semmler, kann es helfen, sich in eine Robinson-Liste einzutragen:

"Robinson-Listen, das sind Schutzlisten mit Kontaktdaten von Verbrauchern, die keine unaufgeforderte Werbung haben möchten. Wichtig dabei ist aber zu wissen, dass die Unternehmen sich freiwillig verpflichten, sich an diese Liste zu halten."

Informationen dazu gibt es auf der Internetseite des Bundesbeauftragten für den Datenschutz unter www.bfdi.de oder unter www.robinsonliste.de. Der Eintrag ist kostenlos und kann jederzeit geändert werden.

Verbraucherzentrale sammelt Beschwerden

Eine Garantie, dass die werbenden Firmen sich auch daran halten, gibt es allerdings nicht. Schon weil manche werbenden Firmen diese Robinson-Listen ignorieren.

Wird man trotz aller ablehnenden Schreiben weiter mit Werbung bombardiert, kann man sich an die Verbraucherzentralen wie die in NRW wenden, die solche Beschwerden sammelt.

"Und wir schauen dann, ob es noch mehrere Beschwerden gibt. Und wir können dann gegebenenfalls durch ein Abmahnverfahren uch gegen die Firma vorgehen."

Klagen lieber nur nach vorheriger Beratung

Als letzter Schritt, um von unerwünschter Werbung verschont zu werden, bleibt der Klageweg. Der aber ist mit Kosten und einem Prozessrisiko verbunden. Darum empfiehlt Verbraucherberaterin Semmler:

"Das sollte man tatsächlich nur nach vorheriger Beratung machen. Oder entweder wenn man rechtsschutzversichert ist und von der Versicherung eine Deckungszusage bekommen hat."

Bleibt als Fazit festzuhalten: Gegen unerwünschte Reklame kann man sich durchaus zur Wehr setzen. Man muss nur die Initiative ergreifen.

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