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StartseiteVerbrauchertippWas Arbeitnehmer wissen sollten01.09.2017

Unfälle auf dem ArbeitswegWas Arbeitnehmer wissen sollten

Zu den Arbeitsunfällen gehört auch der sogenannte Wegeunfall. Fast jeden Tag verunglückt ein Mensch in Deutschland auf diesem Weg sogar tödlich. Wer sich verletzt, kann auf die Hilfe der Unfallversicherung hoffen. Doch was genau ist ein Wegeunfall? Und in welchen Fällen greift die Versicherung nicht?

Von Anne Sailer

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Von oben sind mehrere Menschen auf einer Einkaufsstraße in Berlin zu sehen (dpa/Ralf Hirschberger)
Wo der Weg zur Arbeit beginnt, wird immer wieder zum Streitfall (dpa/Ralf Hirschberger)
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Wo beginnt nun der Weg zur Arbeit? Dafür hat die deutsche Gesetzgebung eine klare Definition: Erst wenn man das Haus verlassen hat, also nach Durchschreiten der Eingangstür bzw. nach Verlassen der Garage, meint Eberhard Ziegler, der Leiter des Referats Grundlagen des Leistungsrechts in der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und schildert gleich mal einen aktuellen Streitfall:

"Demnächst hat das Bundessozialgericht einen Fall zu entscheiden, wo es genau um diese Frage geht. Da hat ein Versicherter nicht den üblichen Weg angetreten, sondern musste sich zum Fenster hinunterlassen, weil er seinen Schlüssel in der Tür abgebrochen hatte und nicht mehr rauskam und einen dringenden dienstlichen Termin hatte und dort hinwollte. Und da ist jetzt die Frage, ob eben auch das Verlassen des Hauses durch das Fenster schon zum Versicherungsschutz in der Unfallversicherung führt."

Abweichungen vom Weg können versichert sein

Dieser Fall zeigt: Wo der Weg zur Arbeit beginnt, wird immer wieder zum Streitfall, denn es geht ja darum, wer dafür haftet. Die Unfallversicherung, die Krankenkasse? Wie ist es, wenn der Arbeitnehmer den Weg zur Arbeit nicht von zu Hause antritt? Wenn er zum Zweck - beispielsweise der Arbeit - in einem Hotel übernachtet hat: 

"Auch dann kann man versichert sein. Vorrausetzung ist, dass dieser Weg von diesem so genannten dritten Ort nicht wesentlich weiter ist zur Arbeit, als der sonstige Weg von zu Hause zur Arbeit. Im Übrigen gilt das Gleiche für den Rückweg, wenn ich eben abends gleich zu einem Freund fahre, bei dem ich Geburtstag feiere und bei dem ich auch übernachte."

Bringt oder holt der Versicherte auf dem Weg zur Arbeit oder heimwärts Kinder oder Kollegen ab, dann liegt eine "Fahrgemeinschaft" vor, dafür sind dann auch Abweichungen vom Weg versichert. Nicht versichert sind private Wegeabweichungen: Dazu zählt Einkaufen oder der Kaffeeklatsch mit der Freundin. 

Unfälle auf dem Weg immer melden

Wenn es nun zu einem meldepflichtigen Wegeunfall kommt - das heißt, wenn der Arbeitnehmer mindestens drei Tage krank oder eine Woche behandlungsbedürftig bis - sollte der Betreffende unbedingt zum Arzt gehen. Die DGUV rät, einen Unfall immer zu melden, für den Fall, dass dieser Langzeitschäden nach sich zieht. Jens Hennicke von der Techniker Krankenkasse sagt: Im Falle eines Wegeunfalls darf nicht irgendein Arzt aufgesucht werden:

"Bei einem Arbeits- oder Wegeunfall sollte die Behandlung grundsätzlich von einem so genannten Durchgangsarzt erfolgen. Dieser nimmt einen Unfallbericht für die Berufsgenossenschaft auf und leitet dann auch die Behandlung zu Lasten der gesetzlichen Unfallversicherung ein. Außerdem entscheidet der Durchgangsarzt, ob sich der Betroffene weiter von ihm behandeln lassen muss oder ob er im Anschluss zu einem anderen Arzt gehen kann. Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung gibt es bei den Berufsgenossenschaften bzw. Unfallkassen keine freie Arztwahl."

Anspruch auf Verletztengeld wird geprüft

Die Liste der Durchgangsärzte in Deutschland finden Betroffene dann wieder bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. In jedem Fall schickt die Krankenkasse einen Fragebogen raus, mit dem geklärt wird, ob Anspruch zum Beispiel auf Verletztengeld, auf die Zahlung von Heilbehandlungen, Fahrten zu Ärzten und Therapeuten. Schmerzensgeld gibt es im Falle eines Wegeunfalls nicht.

Dennoch: Versichert sind hier nicht nur Menschen, die zu einer bezahlten Arbeit unterwegs sind: Auch ehrenamtlich Tätige, Freiwillige in Kirchgemeinde oder bei der Feuerwehr sind versichert. Unter bestimmten Voraussetzungen trifft dies auch für Patienten in Kureinrichtungen, Blut- oder Organspender, pflegende Personen sowie für Verunfallte in Kindergarten oder Schule zu.  

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