• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 16:05 Uhr Büchermarkt
StartseiteSprechstundeUnfruchtbarkeit durch Blutstau18.12.2012

Unfruchtbarkeit durch Blutstau

Krampfadern am Hoden sollten häufiger operiert werden

Haben Jungen Schmerzen in den Hoden, verbirgt sich nicht selten eine Krampfader dahinter, eine "Varikozele". Unbehandelt könnte sie spätere Zeugungsunfähigkeit begünstigen. Ob und wie die Varikozele operiert wird, ist abhängig von eventuell auftretenden Beschwerden oder von einem unerfüllten Kinderwunsch.

Von Wolfgang Noelke

Varikozelen können operiert werden (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Varikozelen können operiert werden (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Meistens werden sie nicht bemerkt, auch wenn sie sich nach der Pubertät nicht zurückbilden: Krampfadern, an der oberen linken Seite des Hodensacks. Sollte an dieser Stelle aber ein dumpfes Ziehen zu spüren sein, verbunden mit einer Schwellung, ist der Gang zum Urologen empfehlenswert, rät Prof. Dr. Wolfgang Weidner, Direktor der Urologie, Kinderurologie und Andrologie des Universitätsklinikums Gießen:

"Am häufigsten ist es so, dass man die Krampfadern an einem Schweregefühl im Hodensack erkennt, vor allem auf der linken Seite, aber man kann sie auch manchmal sehen und das kann so stark sein, das im Volksmund früher auch diese Erkrankung ein 'Sack voller Würmer' genannt wurde."

Ein Indiz für das Vorhandensein einer Krampfader ist es auch, wenn ein Hoden wesentlich kleiner ist, als der andere. Besonders betroffene Jugendliche im Alter zwischen 12 und 14 Jahren könnten sich Hoffnungen machen:

"Wenn man die frühzeitig operiert, erholt sich der Hoden und erreicht wieder die gleiche Größe, wie der unbetroffene."

Verursacht wird die Krampfader in seltenen Fällen durch Nierentumoren, überwiegend aber durch anatomisch bedingte Strömungsverhältnisse im Venengeflecht des Hodensacks. Hier muss das Blut im spitzen Winkel zur Nierenvene fließen. Im ungünstigen Fall verhält sich die Vene wie ein mehr oder weniger stark abgeknickter Gartenschlauch. Je nach körperlicher Konstitution sind nicht alle Männer davon betroffen:

"Es gibt wahrscheinlich Männer, genauso wie Frauen, die unter Krampfadern in den Beinen leiden und eine besondere Neigung dazu haben, diese Krampfadern zu entwickeln."

Diesen Männern rät Wolfgang Weidner zur Operation. Er ist auch Chefarzt des Hessischen Zentrums für Reproduktionsmedizin. Dort suchen Paare Hilfe, deren Kinderwunsch bisher unerfüllt blieb. Nicht selten sei eine mangelhafte Samenqualität die Folge jener, bislang unentdeckten, weil beschwerdefreien Krampfadern im Hodensack, denn ...

"… es staut sich Blut im Hodensack und dadurch wird die Temperatur im Hodensack höher und das ist schlecht für die Produktion der Samenzellen im Hoden, weil der ja extra außerhalb des Körpers liegt, damit er nicht durch die höhere Kerntemperatur im Körper geschädigt wird. Dann gibt es eine Druckerhöhung in diesem Bereich. Auch diese Druckerhöhung soll die Samenzellenproduktion schädigen, und zuletzt wird immer diskutiert, dass durch diesen Rückstau in der Nierenvene Gifte von der Niere und Nebennieren nach unten kommen und die Samenzellenproduktion schädigen."

Die Flussrichtung des Blutes und Krampfadern lassen sich per Ultraschall feststellen. Getestet wird auch die Samenqualität, bevor entschieden wird, ob eventuell die Krampfader verödet werden soll. Immer mehr Männer entschieden sich für den heute minimalinvasiven Eingriff:

"Früher hat man ja im Bauch geschnitten, jetzt schneiden wir in der Leiste, präparieren die Vene unter dem Mikroskop und können damit sehr schonend diesen Reflux unterbrechen."

Die Vene wird entweder verödet oder der Blutfluss durch sogenannte Clips gestoppt.

"Da wird der Samenstrang gespalten und blutarm aufgesucht und diese Vene unterbunden und durchtrennt. Normalerweise verbinden wir das mit einem eintägigen stationären Aufenthalt."

Zur Beobachtung, um die Gefahr einer möglichen Embolie zu verhindern, ebenso wie die wichtigste Nebenwirkung der Operation, die Unterversorgung eines Hodens, die sogenannte Hodenatrophie. Weitere Komplikationen bestünden nicht. Die durch die Operation verursachte kleine Wunde verheile schnell und nach etwa drei Tagen Abstinenz sei auch Sex wieder erlaubt. Bis der Erfolg, die bessere Samenqualität zuverlässig nachgewiesen werden könne, bedarf es allerdings noch drei bis sechs Monate Geduld.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk