Freitag, 24.11.2017
StartseiteForschung aktuellDer Stern, der nicht sterben will09.11.2017

Ungewöhnliche EntdeckungDer Stern, der nicht sterben will

Supernovae sind das letzte helle Aufleuchten, mit dem massereiche Sterne ihr Dasein beenden. So ein Objekt strahlt für einige Tage heller als ganze Galaxien und wird dann meist schnell schwächer. Doch in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature" berichten Astronomen von einer Supernova, die jahrelang hell geleuchtet hat.

Von Dirk Lorenzen

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Supernova-Überrest G11, beobachtet vom Röntgensatelliten Chandra (NASA, Chandra X-ray Observatory Center)
Eine andere Supernova - beobachtet durch einen Röntgensatelliten (NASA, Chandra X-ray Observatory Center)
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Dieses Objekt sei bizarr, einfach nur bizarr, meint Stan Woosley. Der Astrophysiker beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit gewaltigen Sternexplosionen, aber von so einer Supernova hat er noch nie gehört.

"Wenn ein Stern stirbt, geschieht dies gewöhnlich nur einmal - aber dieses Objekt stirbt einfach nicht." Die Supernova mit der technischen Bezeichnung iPTF14hls stellt den renommierten Theoretiker der Universität von Kalifornien vor ein Rätsel. Die Explosion wurde im September 2014 bei einer automatischen Suche der Palomar-Sternwarte entdeckt und galt zunächst als eine von Tausenden anderen Supernovae.

Ein aufmerksamer Praktikant 

Doch fünf Monate später bemerkte ein Praktikant in der Forschergruppe um Iair Arcavi vom Las Cumbres Observatory in Kalifornien, dass die Supernova zunächst schwächer, danach aber überraschenderweise wieder heller geworden war.

"In den zwei Jahren, in denen wir die Supernova genau überwacht haben, wurde sie fünfmal schwächer und wieder heller." Normalerweise verlöschen solche Explosionen nach etwa drei Monaten, aber diese wird erst jetzt langsam schwächer. "Zunächst dachten wir, dass es keine Supernova ist. Doch das Lichtspektrum ist eindeutig: Es passt wie im Lehrbuch zur häufigsten Supernova-Art."

Nie zuvor hatten es die Astronomen mit einer Supernova zu tun, die jahrelang flackert. Doch dieses Objekt in einer Galaxie, die sich knapp fünfhundert Millionen Lichtjahre entfernt im Großen Wagen befindet, verblüfft die Forscher auch noch auf andere Weise:

"Im Archiv haben wir auf einem Foto dieser Galaxie von 1954 an genau derselben Stelle eine Sternexplosion gesehen, die aber damals nicht bemerkt wurde. Wir haben nie zuvor beobachtet, dass derselbe Stern im Abstand von sechzig Jahren zweimal explodiert."

"Supernova mit Schluckauf"

Eine Explosion in den fünfziger Jahren, jetzt das jahrelange Flackern. Ein in der Tat reichlich bizarres Verhalten. Stan Woosley vermutet, dass es sich bei dieser Supernova um die Explosion eines ganz besonderen Sterns handelt:

"Es könnte sich um den Tod eines sehr massereichen Sterns handeln, der etwa hundertmal schwerer ist als unsere Sonne. Solche Sterne explodieren nicht einfach und sind dann weg. Sie geraten in eine instabile Phase, pulsieren einige Jahre und zünden immer wieder große Materiemengen nahe der Oberfläche. So erstrahlen sie wieder und wieder als Supernova."

Doch auch dieses Modell einer "Supernova mit Schluckauf" kann nicht alle Beobachtungen schlüssig erklären. Nach einer zweiten Idee Stan Woosleys ist bei dieser Supernova ein Neutronenstern mit einem extrem starken Magnetfeld entstanden - so ein Magnetar könnte ebenfalls für jahrelanges Leuchten sorgen. Weitere Beobachtungen werden zeigen, welches Modell besser passt. Und so lauern die Astronomen derzeit vor allem mit Röntgen- und Radioteleskopen auf weitere Daten vom merkwürdigen Stern im Großen Bären, der einfach nicht sterben will.

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